Es ist vielleicht interessant, mal in einem Thread zu verfolgen, WIE die beiden großen Flugzeugproduzenten auf die Herausforderungen dieser Krise reagieren und wer aus diesen Turbulenzen vielleicht sogar gestärkt hervorgeht.
Die Lage bei Airbus wird von einer Zeitung zur Zeit so dargestellt: Quelle - Also durchaus (noch) nicht besonders pessimistisch.
Die große Krise ist in meinen Augen auch nur so groß und furchtbar, wie man sie sich einredet. Und die Berichterstattung hat hier entscheidenden Einfluss auf die gefühlte Intensität. Dass es nach dem Höhenflug der letzten beiden Jahre wieder bergab gehen wird, war nun nicht wirklich eine große Überraschung. Wenn man sich wirtschaftliche Schwankungen über die Jahre ansieht, erkennt man nur unschwer die Schweinekurve, die als Sinus über die Zeit immer wieder für auf und ab sorgt. Hinzu kommt jetzt nur, dass sich etliche Banken dabei verkalkuliert haben, und die Auswirkungen sehr deutlich werden.
Mich stört vor allem die Berichterstattung, die sich scheinbar unisono von "CO2, unser aller Verderben, wir sind so schuldig und verdammt (und die Eisbären ertrinken... LOL)" zu "Die große Krise - werden wir alle unser Geld und unsere Jobs verlieren?" verkehrt hat. Dieses "Agenda Setting" geht einem, wie ich finde, mächtig auf den Zeiger. In allen Fällen wird mit Einschüchterung und Angst Geld verdient, und da vermisse ich ein gewisses ethisches Bewusstsein in den Medien.
Soviel erstmal dazu - was die Flugzeugbauer angeht wird es erstmal sicherlich noch weiter gehen, SDFlight und andere hier, die in Finki mit dabei sind, werden bestätigen können, dass Airbus noch einiges an Fliegern zu bauen hat. Trotz Krise wird der Luftverkehr weiter wachsen und die bestehenden Flotten werden - Krise hin oder her - altern und werden ersetzt werden müssen. Die Konsolidierung wird sicherlich für einige Gesellschaften zu Engpässen führen, aber so hart wie es klingt, ein Gewitter reinigt auch die Luft, die Marktanteile werden sich verschieben und wieder ganz neuen Möglichkeiten Platz machen.
......die bestehenden Flotten werden - Krise hin oder her - altern und werden ersetzt werden müssen.
Diesen Satz kann man ja grundsätzlich nicht bestreiten. Dennoch frage ich mich was bedeutet das je nach Modell. Da wo der Spritverbrauch/Pax deutlich geringer ist und sonstige Vorteile winken wird der Austausch sicher erfolgen sobald ein gewisser Verschleisszustand erreicht ist. Wie stellt sich aber die Notwendigkeit beispielsweise bei A320 dar?.
Dieses Modell wird seit 20 Jahren gebaut und ist auch weiter entwickelt worden. Lässt man eine totale Neuentwicklung in ca. 10 Jahren mal außer acht frage ich mich aber was hat eine jetzt neue A320 abgesehen von modernerer Innenausstattung für Vorteile gegenüber einer 20 Jahre alten Maschine. Ich kann da keine wesentlichen Sprünge erkennen lasse mich aber gern belehren. Im Spritverbrauch glaube ich ist jedenfalls nicht viel passiert und Airbus arbeitet ja auch daran die Lebensdauer auf ca. 30 Jahre und mehr zu verlängern.
Natürlich werden Toplinien aus Prinzip generell erneuern aber die alten Maschinen dieses Typs werden m.E. nicht auf dem Schrott landen sondern in der dritten Welt weiterfliegen und zwar zu konkurrenzfähigen Kosten. Solange also die neuen Entwicklungen nicht kommen wird auf dem Single Aisle Markt glaube ich irgendwann der Absatz gewaltig ins stocken geraten sobald die alten Auftragsbestände abgearbeitet sind.
Solang wir uns nicht durch die Gegend beamen können wird der Bedarf an Fliegern allgegenwärtig sein. Die Frage stellt sich nur, wie viel Airbus und Boeing vom großen Kuchen abbekommen werden und wie groß die Nachfrage in Zukunft ist.
Brasilien, Russland, Kanada und China schlafen nicht und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. D.h. Untersuchung der Flottenstrategie, denn gerade bei Airbus kann im Bereich bis zu 100Pax viel nachgeholt werden.
Des Weiteren sollte man das gesamte Flug-Business einmal genauer unter die Lupe nehmen. In Guten Zeiten sollte ein Unternehmen Gewinne einfahren um Rücklagen für Investitionen bilden zu können. Wo sind diese um in schwachen Zeiten die bestellten Flieger bezahlen zu können?!
Meiner Meinung erwirtschaften immer weniger Airlines derartige Profite um langfristig in neue Flotten investieren zu können. Es folgen weitere Konsolidierungen mit dem Gedanken der Synergieeffekte. Somit bleiben vielleicht noch 10 Airlines in Europa über - aber auch diese sind dem Wettbewerb ausgesetzt und damit weiter dem Kostendruck. Und hier beginnt das gleiche Spiel von vorn. Die besten Beispiele sind u.a. KLM-France oder United-Continental und direkt vor der Nase haben wir AB usw. Wo führt das hin?!
Mein Gedanke wäre einen Art Einheitspreis für jeden geflogenen Kilometer festzulegen - zzgl. einer Flughafenpauschale. Vielleicht auch nur als Richtwert. Die Preise würden durch eine Überwachungsorganisation reguliert werden. Durch Serviceleistungen etc. findet jeder Kunde seine Airline. Sicherlich in der Praxis kaum umzusetzen aber in vielen anderen Bereiches des täglichen Lebens durchaus normal. Taxi, Bus selbst bei den Krankenkassen usw.
Im Hinblick auf die Infrastruktur am Boden (Straßen und Schienenwege) geriet das Luftfahrtzeug immer mehr unter Druck. Mit dem Flieger brauche ich vom MUC nach Paris ca. 1,5h. Inkl. der Wartezeit am Start- und Zielflughafen ist man schnell bei 3h. Dann nutze ich in Zukunft (2012) lieber die Bahn und benötige mit dem TGV gerade mal gute 4h.
Fazit: Einfacher wird es für so manche Fluggesellschaft sicher nicht, ohne dabei schwarz malen zu wollen. An eine Renaissance ist erst wieder bei der nächsten Generation von Antrieben zu hoffen.
Gebrüder Wright Teilzeitstudent (B.Eng.) User (343 Beiträge)
23.03.2009 18:49
[quote]Dieses Modell wird seit 20 Jahren gebaut und ist auch weiter entwickelt worden. Lässt man eine totale Neuentwicklung in ca. 10 Jahren mal außer acht frage ich mich aber was hat eine jetzt neue A320 abgesehen von modernerer Innenausstattung für Vorteile gegenüber einer 20 Jahre alten Maschine. Ich kann da keine wesentlichen Sprünge erkennen lasse mich aber gern belehren. Im Spritverbrauch glaube ich ist jedenfalls nicht viel passiert und Airbus arbeitet ja auch daran die Lebensdauer auf ca. 30 Jahre und mehr zu verlängern.[/quote]
Sei Dir gewiss, die heutigen A320 sind alles Enhanced Versions und um min. 10% effizienter als die ersten A320. Wenn Dir hier allerdings jemand verrät was da alles geändert wurde, geht er ab morgen stempeln....
heute war Betriebsversammlung und keine Rede von Krise.
ganz im Gegenteil, das A350 Programm läuft wunderbar genauso wie die A320 Familiy.
Die Stammarbeiter bekommen sogar 1580%u20AC Prämie fürs letzte jahr und das mit der Emirates A380 wurde auch wieder heißer gekocht als es war.
A320 Bauer Flugzeugbauer Airbus Hamburg User (253 Beiträge)
Ich will Dir deinen Optimismus nicht nehmen Nok (ich bin selbst eigentlich eher jemand der nicht viel von Miesmacherei hält), aber das Tal ist noch nicht erreicht fürchte ich. Und da die Luftfahrt eine Dienstleisterbranche ist, werden wirtschaftliche Rezession und rückläufige Umsätze erst mit Verzögerung eintreffen, nämlich dann, wenn das Leiden im sekundären Sektor so richtig im Gange ist. Ein Kollege meinte mal, dass er in der Vergangenheit da meist Verzögerungszeiträume von einem guten halben Jahr nach den eigentlichen Einbrüchen ausgemacht hat. Es gilt also noch die Augen und Ohren offen zu halten, und auf den eigentlichen Landestoß gefasst zu sein.
Es sieht tatsächlich nicht so rosig aus und vielleicht muß man sich bei Boeing noch fester anschnallen als bei Airbus. Info über die Lage bei Boeing
Wenn ich überlege, mit welchen Milliardenbeträgen heute weltweit jongliert wird, ist das schon ein Indiz dafür, dass diese Krise nicht wie viele vorhergehende Rezessionsphasen sein kann. Da sind die vor nicht allzu langer Zeit noch heiß diskutierten 35 Mrd.US-Dollar für das Tankerprogramm schon fast eine Kleinigkeit...In sofern, @Reynolds, befindet sich doch mein sonst latenter Optimismus auch im Sinkflug, hoffend, dass es einen nicht allzu heftigen "Landestoß" gibt.
Die großen Flugzeugbauer dürften nicht zu den größten Verlierern der Krise werden. Erstens haben sie viele (relativ krisensichere) staatliche Aufträge und zweitens ist das Auftragspolster so groß, dass selbst bei einem erheblichen Nachfrageeinbruch und einer größeren Zahl von Stornierungen die Produktionskapazitäten nicht so erheblich gekürzt werden müssen wie in anderen Branchen.
És ist ja nun schon immer so gewesen das eine Krise immer mit 3 - 6 Monaten verzögerung bei Airbus und Boeing angekommen ist. Wie war es denn beim 11ten September oder Dolloris?
da kommt was auf Airbus und Boeing zu denke ich aber was weiß noch keiner richtig.
momentan werden bestimmt ein paar Aufträge hin und her geschoben.-...
A320 Bauer Flugzeugbauer Airbus Hamburg User (253 Beiträge)
12.04.2009 12:36
@A320 Bauer
Ich gestehe, dass mir der Begriff "Dolloris" im Zusammenhang mit Krisensituationen nicht klar ist. Was bitte ist damit gemeint?
Dolloris war mitte der neuziger Jahre ein Sparprogramm bei Airbus weil der Dollar so schwach war. Damals hat Airbus viele Leute entlassen. Oder boese behauptet, damals wurde das Wissen in den Ruhestand geschickt was dann bei der Entwicklung der A380 fehlte.
nicht Dolloris sondern Dolores (Dollar low rescue).
Es mehren sich die White AC´s - ich denke auch, dass es langsam losgeht. Und diese Entwicklung noch an Fahrt gewinnen wird, insbesondere dann, wenn ILFC Probleme bekommt. Im Herbst/Winter ist Airbus dann mitten drin. Auftragspolster hin oder her, wenn der Kunde die Flugzeuge nicht mehr über Banken finanzieren kann, wirds schwierig - 9 Milliarden sind ganz schnell aufgebraucht (A400M und A350)