Die Paris Airshow war ohne Zweifel ein gigantischer Erfolg für die A320NEO.
Waren aber denn alle Flugzeugbauer in Paris erfolgreich?
Auch wenn es eigentlich jedem klar ist, sei wiederholt, daß man Flugzeuge nicht so nebenbei aus guter Laune, als Schnäppchen auf einer Messe kauft. Die Erbenszählerei der veröffentlichten vermeintlichen Messeabschlüsse ist der Ausfluß vorheriger monatelanger Verhandlungen. Darüber hinaus wurden auf dieser Messe einige Aufträge nicht veröffentlicht, die fast schon in trockenen Tüchern sind oder sein sollen ( z.B.: weitere A320NEO und A380 für Qatar, die A380 für Hongkong Airlines und die 88 A320 vom Chinagipfel in Berlin am 28.6.11, etc.).
Darüber hinaus nochmals eine sehr wichtige Erinnerung an Nichtkaufleute: Permanent geniale Verkauferfolge unter den Kosten müssen zum ebenso genialen Ruin führen. Wir alle hier wissen aber nicht, ob alle diese Aufträge auch profitabel sein werden.
Insgesamt ist diese Messe ein guter Spiegel der Lage am Markt.
Welche Erfolge haben die Flugzeugbauer also neben der A320NEO auf der Messe vermelden können?
AIRBUS:
2 A380, 6 A350 und 15 A330 sind nennenswert weniger, als ich im Twin-Asile-Segment und beim A380 erwartet hätte.
64 Maschinen der klassischen A320-Famile sind zusätzlich zum NEO-Erfolg ganz ordentlich.
Der NEO zählt nach meiner Rechnung 502 Festaufträge und 236 Absichtserklärungen (MOU’s). Alle diese MOU’s riechen m.E. auch danach, daß der Festauftrag folgt.
Anmerkung: Einige Quellen sprechen von gesamt 730 Aufträgen und MOU’s für Airbus; ich komme auf 825.
BOEING:
Mit 141 festen Aufträgen und Absichtserklärungen steht Boeing besser da, als im Vorjahr mit 103 Meldungen in Farnborough.
Im großen Segment war Boeing erfolgreicher als Airbus mit 19 Maschinen 747-8 und –F sowie 27 mal 777, 4 mal 787 und 1 mal 767.
BOMBARDIER:
Endlich neue Aufträge für die CS-Serie: Während der Messe 40 Absichtserklärungen/Aufträge + 16 Optionen und kurz vorher schon 13 Absichtserklärungen/Aufträge + 13 Optionen.
Als Warnung wird bei Bombardier der Erfolg der A319NEO gesehen werden. Die Wettbewerbsfähigkeit der CS-Serie kann man natürlich erst beurteilen, wenn die Kiste fliegt.
Da hat der A319NEO der CS100/300 einiges voraus, weil das Basismodell schon für viele Kunden rumdüst.
Keine Aufträge für die alten CRJ und Q400 lassen Besorgnis für die Auslastung aufkommen. ( Siehe auch unten bei ATR)
EMBRAER:
Der Messe sind 39 Aufträge für E-Jets zuzuordnen. Der Auftragsbestand ist gut und wächst. Insofern ist steht Embraer kurzfristig viel besser da, als sein Duopol-Wettbewerber Bombardier.
SUKHOI und ANTONOV:
Sukhoi vermeldete 2 Absichtserklärungen für je 12 SJ100 aus Indonesien und 12 SJ100 aus Italien. Hoffen wir, daß diesmal daraus auch tatsächlich Auslieferungen werden. LOI’s haben die Russen schon öfter verkündet. Meine persönlichen Zweifel an der Serienfähigkeit der Russischen und Ukrainischen Flugzeugindustrie habe ich in diesem Forum schon mehrfach geäußert.
COMAC:
Noch ist dies ein Papierflieger. Messerfolge hatte kaum jemand erwartet. Entwicklung und Produktionsanlauf sind aber durch das Chinesische System gesichert. Langfristig wird man die Chinesen als Wettbewerber ernst nehmen müssen.
Mitsubishi MRJ:
Kurz vor der Messe konnte eine Absichterklärung der ANI über 5 MRJ unterzeichnet werden. Nennenswerte Markterfolge sind aber nicht sichtbar. Man fragt sich schon, was daraus wird.
ATR:
Das Turboprop-Duopol ATR/Bombardier scheint auseinander zu brechen. Bombardier konnte nicht eine Q400 verkaufen und hat nur noch Aufträge für 9 Monate in den Büchern.
ATR ( 50/50 Tochter von Alenia und EADS) dagegen boomt auf der Messe mit 60 Aufträgen und 37 Optionen und der Auftragsbestand reicht bei erhöhtem Ausstoß für 3 Jahre.
Übrigens: Der Überblick ist diesmal bei nie gesehenen Aufträgen/MOU’s für über 1.000 Maschinen besonders schwierig. Da habe ich bestimmt etwas übersehen.
Gruß Gustl
Dieser Beitrag wurde am 28.06.2011 22:58 Uhr bearbeitet.