WIEN - Wie "Die Presse" am Dienstag berichtet, befand Wirtschaftsprüfer Herbert Heiser in einem von Scheich Al Jaber beauftragten Gutachten, die AUA hätte 2007 statt eines Gewinns von 3,3 Millionen Euro einen Verlust von 205,5 Millionen Euro ausweisen müssen. Dem widersprach die AUA. Der in Österreich ansässige Investor Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber wollte im Frühjahr 2008 mit einer Kapitaleinlage von 150 Millionen Euro 25 Prozent der Airline erwerben.
Zu dem Zeitpunkt präsentierte der damalige AUA-CEO Alfred Ötsch mit seiner inzwischen legendären Aussage "die AUA ist saniert" für die noch eigenständige Airline einen Bilanzgewinn von 3,3 Millionen Euro.
Drei Wochen später veröffentlichte die Airline einen Quartalsverlust (Q1-2008) von 50,3 Millionen Euro (EBIT), rund eine Verdoppelung des Abgangs in Relation zum Vorjahr. Al Jaber zog sich daraufhin von der AUA zurück, die AUA klagte auf Schadensersatz in Höhe von 156 Millionen Euro, Al Jaber fordert im Gegenzug von der AUA über 30,5 Millionen Euro. Darüber hinaus klagte Al Jaber noch CEO Ötsch wegen Verdachts des schweren Betrugs und des Verstoßes gegen das Aktiengesetz.
Zwar hätte eine Kapitalerhöhung die AUA vor dem Absinken der Eigenkapitalquote auf unter 8 Prozent bewahrt, auf Grund ihrer strukturellen Schwächen waren die Verlustursachen damit aber nicht beseitigt, zitiert die Presse Heiser.
Heiser äußert Zweifel, dass das Ergebnis 2007 ein saniertes Unternehmen auswies. So habe die AUA zum Ende des Jahres 2007 ihre Flugzeuge nur zum Zinssatz von 5 Prozent abgewertet, entgegen 10 Prozent bei Lufthansa und 8 Prozent im Folgejahr. Begründet habe die AUA die niedere Abwertung 2007 mit einem gegenüber dem Buchwert höheren Nutzwert. Ein (angemessener) Zinssatz von 8 Prozent hätte statt einer Überdeckung von 109 Millionen eine Unterdeckung von 182 Millionen ergeben und in Folge statt 3,3 Millionen Gewinn einen Verlust von 205,5 Millionen.
"Al Jaber hätte allein schon auf Grund der in der Luftfahrt traditionell hohen Winterverluste mit einem Verlust im ersten Quartal 2008 rechnen müssen“, kontert AUA-Sprecher Peter Thier. So sei sehr wohl auch der Wertminderungsbedarf diskutiert worden. Da aber niemand die schwere Wirtschaftskrise voraussah, habe man sie nicht gemacht, so Thier.
Für Schlagzeilen sorgte Scheich Al Jaber allerdings nicht nur mit der AUA. Auch bei der Übernahme des Sportartikelherstellers Kneissl, wie bei diversen Hotelprojekten, u.a. beim Kauf des Wiener Traditionshotels "Palais Schwarzenberg" gab es Probleme, bis hin zu Insolvenzanträgen gegen Al Jaber Firmen.
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