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EU sieht bittere Medizin für LOT Polish Airlines vor

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LOT Polish Airlines Boeing 737-500, © Konstantin von Wedelstaedt / Deutsche Lufthansa AG

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BRÜSSEL - LOT Polish Airlines muss im Gegenzug für erneute Staatshilfe kräftig sparen. Die EU Kommission werde eine Finanzspritze der Regierung an LOT, die Rede ist etwa 100 Millionen Euro, nur gegen ein "tragfähiges Sanierungskonzept" bewilligen, hieß es am Montag aus Brüssel. Der polnische Staat kontrolliert 93 Prozent der LOT Aktien. Die übrigen Anteile liegen bei den Mitarbeitern. Letztere dürften als erste die Sparmaßnahmen spüren.

Gut 30 Prozent der Mitarbeiter sollen LOT nach Plänen der Regierung verlassen, schrieb das "Wall Street Journal" Anfang des Monats. Von den 40 Maschinen der Flotte sollen 15 an ihre Leasinggeber zurückgegeben werden.

Allerdings ist weiterhin unklar, wer eine derartige Radikalkur bei dem polnischen Star Alliance-Mitglied umsetzen wird. Vorstandschef Marcin Pirog wurde im Dezember überraschend abberufen. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

Nach einem Verschleiß von zehn Vorstandschefs in den letzten zwölf Jahren dürfte LOT die Suche nach einem geeigneten neuen Lenker auch nicht gerade einfach fallen. Vorerst soll Finanzvorstand Zbigniew Mazur LOT mit einem Notkredit der Regierung in der Luft halten. Die Prüfung der staatlichen Beihilfen auf Vereinbarkeit mit europäischem Recht durch die Kommission soll im Februar abgeschlossen werden.

Etwas Geld für ihre Sanierung will LOT durch den Verkauf von Tafelsilber einnehmen. LOT Catering wurde noch im Dezember an den österreichisch-türkischen Flottencaterer Do&Co veräußert.

Polen ist einer der dynamischten Airlinemärkte in Europa. Auch für 2012 werden die Flughäfen des Landes wieder zweistellige Passagierzuwächse melden. LOT konnte von ihrem wachsenden Heimatmarkt aber zu keiner Zeit profitieren und musste dabei zusehen, wie ihr Billigflieger im Europaverkehr zusetzten.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Gerhard Vysocan | 15.01.2013 10:39

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Beitrag vom 17.01.2013 - 21:02 Uhr
Da ich in der Nähe von Warschau wohne, fliege ich recht häufig mit LOT. Leider habe ich für meinen FTL Status mehr als 800 Euro aufwenden müssen ; - )

Aus meiner Sicht ist eines der Hauptprobleme von LOT die Mentalität der Polen. Fliegen gilt hier zu Lande immer noch als unerschwinglicher Luxus. Ich habe polnische Bekannte, die von Warschau nach München dienstlich mit dem Auto fahren müssen, weil deren Chef der Meinung ist, fliegen sei zu teuer (Ist es natürlich nicht, aber nicht ich muss überzeugt werden).

Das erklärt für mich zumindest teilweise auch, warum Wizzair und Ryanair in Polen einen solchen Erfolg haben, Lot aber nicht. Deren Image deckt sich mit der polnischen Mentalität viel besser, als das von Lot.

Unabhängig davon ist trotz des prozentual rasanten Marktwachstums in Polen der polnische Luftverkehrsmarkt noch überhaupt nicht wirklich erschlossen:

Nehmen wir zum Vergleich Tschechien und die Slowakei: Zusammen haben diese beide Länder die halbe Fläche und die halbe Einwohnerzahl von Polen, zählen aber genau so viele Paxe bei vergleichbarer Wirtschaftskraft pro Kopf.

Ich sehe also durchaus Potential für Lot, was es mit einem ordentlichen Konzept zu erschliessen gilt.

Mal sehen, wie die Dreamlinerprobleme sich auf diese kriselnde Gesellschaft auswirken.

2 ergänzende Hinweise:
1) Der polnische Premier Tusk hat gestern in einem Fernsehinterview abgelehnt, Lot um jeden Preis am Leben zu erhalten.
2) Lot hat insgesamt nicht 100 Mio Euro Staatshilfe beantragt, sondern ca. eine Milliarde Zloty (ca. 250 Millionen Euro) den Medienberichten zu Folge. Die umgerechnet 100 Mio Euro stellen lediglich die im Schnellverfahren durch die polnische Regierung schon im Dezember gezahlte und kurzfristig benötigte Finanzspritze dar. Die tatsächlich insgesamt beantragte Finanzspritze ist ca. 2,5 mal höher.

Gruß aus WAW

Dieser Beitrag wurde am 17.01.2013 21:17 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 16.01.2013 - 19:51 Uhr
Danke 1.FC Köln für deine Ausführungen.

Betrachtet man sich die zahlreichen Berichte über die europäischen Promotion-Flüge mit der LOT-787 in den diversen Foren, so kann man zu dem Schluss kommen, dass zumindest Produktseitig alles auf dem richtigen Wege ist.

Zudem hat LOT hierbei einen billigen wie genialen Schachzug vollzogen:
So möglich wurden all *A Silver und Gold-PAXe in die E+ oder C upgegradet und entsprechend an Board versorgt.

Die Resonanz der PAXe war mehr als gut und die LOT rückte plötzlich bei vielen *A-Status-Gästen in die engere Auswahl für zukünftige TATL-Flüge, reisend in C oder E+, wenn die Alternative lediglich die LH-Rutsche und/oder eine andere Umsteigeverbindung ist.

IMHO ist LOT produktseitig durchaus auf einem vernünftigen Weg.
Es sind halt zum einen die politischen Strukturen im Hintergrund und zum anderen die organisatorischen Altlasten, inkl. Personalüberhang, Ineffizienz und Tarifstruktur, welche einen kostendeckenden Betrieb verhindern.
Auch das Field-Management bedarf wohl einer Überarbeitung:
Wie kann es sein, dass es auf LOT möglich ist, einen LH FTL mit 30 Segmenten für ca. 800,- € oder weniger zu erfliegen, so geschickt gebucht?
Beitrag vom 15.01.2013 - 19:30 Uhr
@ZH Flyers "EU stopp diesen Irrsinn. Warum noch mehr Staatsgelder für eine Airline, die ja seit Jahren beweist, dass es kein tragfähiges Zukunftskonzept gibt."

Dieser Satz stimmt so nicht. Das würde nämlich voraus setzen, dass überhaupt mal ein Zukunftskonzept bei LOT vorgelegen hätte. Erst dann könnte man über die Tragfähigkeit des Konzeptes diskutieren.

LOT hatte in den letzten Jahren fast ein Dutzend Vorstandsvorsitzende. Dabei wurde der Vorsitz in der Regel nicht nach Fachkompetenz (es waren teilweise branchenfremde Quereinsteiger) sondern nach politisch motivierten Gesichtspunkten vergeben. Die wenigen ernsthaften Reformversuche wurden von Politik (parteienübergreifend) und Gewerkschaften gemeinsam zerschossen und haben in der Regel den Prezez (Geschäftsführer) den Job gekostet. Ich erinnere dabei nur an den Prezez Grabarek, der für den Satz, dass LH der natürliche Partner von Lot sei, den Hut auf Betreiben der damaligen Kaczynski-Regierung nehmen musste (Das war deutlich vor der AUA-Übernahme, damals war das aus meiner Sicht für beide eine bedenkenswerte Idee).

Ich denke, Lot hat eine Chance, vorausgesetzt es regiert mal wieder Luftverkehrssachverstand in der Geschäftsführung dort, und nicht irgendein aus politischen Gründen eingesetzter Prezez. Und das natürlich auch mal über mehr als ein paar Monate.

Gruss aus WAW

Dieser Beitrag wurde am 15.01.2013 22:23 Uhr bearbeitet.


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