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Air Berlins neuer Chef wirft die Turbine an

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Wolfgang Prock-Schauer, CEO airberlin, © Jürgen Weyrich

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BERLIN - Gerade eine Woche ist seit dem Führungswechsel vergangen, da lässt Air Berlin die Katze aus dem Sack. Rund 900 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2014 gestrichen werden. Damit bewahrheitet sich, was seit Mitte November bereits als Gerücht im Umlauf war. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn wollte die schmerzliche Entscheidung nicht mehr kundtun.

Diese Rolle übernahm am Dienstag der neue Chef, der Österreicher Wolfgang Prock-Schauer, der zuvor schon im Vorstand für die Strategie zuständig war.

«Lean & Smart» werde sich Air Berlin nun aufstellen, auf Deutsch: mager und klug. Das erinnert an das Vorgänger-Sanierungsprogramm «Shape & Size» - Formen und Größe bestimmen. Das aktuelle Plan heißt «Turbine 2013». Er wurde im vorigen Oktober beschlossen, kommt aber erst jetzt in Schwung. Das Ziel: Einsparungen von 400 Millionen Euro innerhalb von zwei Jahren. Dadurch soll die defizitäre Fluggesellschaft «dauerhaft wettbewerbsfähig» werden.

2011 machte Air Berlin ein Minus von 272 Millionen Euro, ein Rekordwert, nachdem bereits in den drei Jahren zuvor geringere Verluste aufgelaufen waren. 2012 dürfte eine kleine schwarze Zahl herausgekommen sein, aber nur, weil der Konzern kurz vor Weihnachten seinem arabischen Großaktionär die Mehrheit seines Vielfliegerprogramms «Topbonus» verkaufte. Das brachte 185 Millionen Euro in die klamme Kasse. Möglichst bald will und muss die zweitgrößte deutsche Airline nach der Lufthansa im originären Fluggeschäft wieder Gewinne machen.

Mit «Turbine» soll nun das Spartempo beschleunigt werden. Das Streckennetz wird nochmals ausgedünnt, damit im harten europäischen Wettbewerb nur noch rentable Strecken übrig bleiben. Das werden auch die Kunden zu spüren bekommen, die immer schon jetzt weniger Auswahl bei den Flugzielen haben als in früheren Jahren. Welche Verbindungen dem zum Opfer fallen, war am Dienstag noch nicht bekannt. Air Berlin teilte nur mit, wohin sie häufiger fliegen wird: nach Mallorca. Und die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf würden ausgebaut, hieß es.


Parallel dazu will Air Berlin ihre Flotte von derzeit 158 auf 142 verkleinern. Auf alle Unternehmensbereiche erhöht das Management den Druck: Produktangebot, Vertrieb und Kundenorientierung sollen verbessert, Verwaltung und Arbeitsprozesse schlanker gemacht werden. Etwa jeder zehnte Mitarbeiter muss sich dafür verabschieden. Entlassungen schloss Air Berlin am Dienstag ausdrücklich nicht aus.

Persönlich wandte sich Prock-Schauer am Dienstag nicht an die Öffentlichkeit. Das Unternehmen verkündete das Programm «lean & smart» - in Form einer schlichten Mitteilung.
© dpa-AFX | Abb.: Air Berlin | 15.01.2013 17:04


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