Codeshareflüge
Älter als 7 Tage

Für Air Berlin und Etihad tickt die Uhr zu Plan B

BERLIN - Nächster Zwischenstopp in Lüneburg. Dort sitzt das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht. Es entscheidet in den nächsten Tagen über die gemeinsame Vermarktung einer Reihe von Linienflügen durch Air Berlin und ihren Partner Etihad Airways. Für Air Berlin steht viel auf dem Spiel.

Es geht um Codesharing: Ein Flug, zwei Flugnummern - damit können beide Partner für ihre eigene Klientel viel mehr Flugziele unter eigenem Code anbieten. Bestätigt das Gericht die Vorinstanz, ist das bei 29 Verbindungen ab 16. Januar nicht mehr erlaubt. Für die seit Jahren defizitäre Air Berlin wäre das ein schwerer Schlag.

Mit rund 80 Gemeinschaftsflügen wöchentlich erzielt Air Berlin nach eigenen Angaben einen Umsatz von 140 Millionen Euro pro Jahr - bei 4,1 Milliarden Euro (2014) insgesamt. Ein beachtlicher Teil davon ginge verloren, wenn es beim Codeshare-Verbot für die 29 fraglichen Verbindungen bliebe.

Viel schlimmer wäre es jedoch, wenn Etihad sich von Air Berlin abwenden würde. Bislang steht der Großaktionär (Anteil: 29,2 Prozent) und Geldgeber zu Air Berlin.

Etihad stellte jedoch auch schon klar, dass man in Abu Dhabi im Zweifel auf die Codeshareflüge verzichten kann. Für Air Berlin seien die Strecken wichtiger. "Es geht hier nicht um Etihad", warnte Etihad-Chef James Hogan Ende Oktober in Richtung Bundesverkehrsminister.

Der tatsächliche Einfluss der Airline aus Abu Dhabi auf Air Berlin reicht weit über die Aktienbeteiligung hinaus. Etihad ist auch der größte Gläubiger von Air Berlin. Etihad gehört zudem die Mehrheit am Air-Berlin-Vielfliegerprogramm Topbonus, ein Eckpfeiler für Ticketverkauf und Kundenbindung.

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airberlin und Etihad Airways am Flughafen München, © Flughafen München GmbH

Seit dem Jahr 2012 hatte das Luftfahrt-Bundesamt, hinter dem das Bundesverkehrsministerium steht, die umstrittenen doppelten Flugnummern sechsmal in Folge für die halbjährlichen Flugpläne genehmigt. Für den Winterflugplan 2015/16 sollte dies nicht mehr geschehen.

Dagegen ging Etihad per Eilantrag beim Verwaltungsgericht Braunschweig vor, wo das LBA seinen Sitz hat. Zunächst erteilte das Gericht eine Zwischengenehmigung für die 29 Codeshare-Flüge bis 8. Oktober. Daraufhin ließ der Bund die Strecken "letztmalig und befristet" bis 15. Januar zu - eine letzte Schonfrist.

Ende Dezember lehnten es die Richter ab, die Genehmigung über dieses Datum hinaus zu verlängern. Dagegen legte Etihad Beschwerde ein. Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg prüft die Beschwerde zurzeit und dürfte in den nächsten Tagen eine Entscheidung verkünden, aber "nicht notwendigerweise" vor dem 15. Januar, wie eine Gerichtssprecherin am Montag sagte.

Knackpunkt Streckenplan

Rund 50 Codeshare-Flüge von Air Berlin und Etihad betreffen die Ziel- oder Abflughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg. Diese erlaubt das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Bei den strittigen 29 Verbindungen geht es hingegen vor allem um Flüge zwischen Abu Dhabi von und nach Berlin sowie von und nach Stuttgart.

Der Streckenplan, der zu dem bilateralen Abkommen gehört, erlaubt es nach Ansicht von Etihad "eindeutig, dass eine Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate mit ihren eigenen Maschinen zu vier Zielen in Deutschland fliegen darf und im Codesharing zu weiteren drei Punkten in Deutschland sowie zu Punkten über Deutschland hinaus".

Etihad wirft der deutschen Regierung vor, sich dem Druck des Konkurrenten Lufthansa gebeugt zu haben, die mehr Konkurrenz auf Asienflügen von und nach Deutschland verhindern wolle.

Das Ministerium beharrt hingegen darauf, dass die fraglichen Codeshare-Verbindungen "durch das aktuelle Luftverkehrsabkommen nicht abgedeckt" seien. Air Berlin habe sich schon seit August 2014 auf die neue Genehmigungspraxis vorbereiten können.

Damals begann die Auseinandersetzung um die Codeshare-Flüge. Das Ministerium lässt aber offen, warum es seine Genehmigungspraxis geändert hat. Die jüngst verschärfte Rhetorik zeigt jedenfalls, dass Etihad nicht länger an eine politische, sondern bestenfalls noch an eine juristische Lösung glaubt.

Plan B - Flugzeugwechsel mit Gepäck?


"Alle Buchungen werden durchgeführt", versichern Etihad und Air Berlin. Das heißt: Jeder kommt ans gewünschte Ziel - den berühmten "Plan B" hat man bei Air Berlin offenbar also in der Schublade, auch wenn die Airline offiziell weiter an einen Fortbestand der Codeshareflüge glaubt.

Noch bietet Etihad gefährdete Flüge unter eigenem Code auch über den 15. Januar hinaus zur Buchung an, darunter die Linie von Berlin nach Abu Dhabi.

Etihad räumt aber im Fall einer Niederlage vor Gericht mögliche Unannehmlichkeiten bei den untersagte Codeshare-Verbindungen ein. Konkret hieße das wohl: Beim Umsteigen wird das Gepäck nicht automatisch ins andere Flugzeug umgeladen, sondern man muss es ein zweites Mal aufgeben.

Bisher reagierte Etihad immer pfiffig, wenn es politisch eng wurde. Statt der vom LBA zunehmend skeptisch beäugten Schuldverschreibungen, mit denen Etihad Air Berlin in den letzten Jahren dringend benötigtes Geld zuschoss, strickte Etihad 2015 ein gemeinsames Schuldpapier für ihre Beteiligungen.

Aus dem Gemeinschaftsbond "EA Partners" darf Air Berlin bis zu 245 Millionen US-Dollar aufnehmen.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Air Berlin | 12.01.2016 10:24

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Beitrag vom 14.01.2016 - 18:58 Uhr
Gericht erlaubt Codeshare-Flüge
Air Berlin kann aufatmen
 http://www.n-tv.de/wirtschaft/Air-Berlin-kann-aufatmen-article16770446.html
Beitrag vom 12.01.2016 - 17:53 Uhr
Natürlich kann man auch ohne Codeshare solche Verbindungen anbieten und Fluggäste wie auch das Gepäck durch abfertigen. Da ist nur etwas mehr Fantasie gefragt!
Beitrag vom 12.01.2016 - 11:53 Uhr
Die vierte (ausnahme)Verbindung von Emirates hat was damit zu tun, dass Emirates der Hauptsponsor des HSV ist und dann auch nach Hamburg fliegen kann.

Der Logik zufolge müsste Etihad dann Hauptsponsor von Herta BSC oder Union Berlin werden damit die das als 4. Ziel bekommen ... oder alternativ von einem Verein der der Städte in die sie schon fliegen um dann da die Sondergenehmigung zu bekommen und Berlin als Reguläres Ziel reinzunehmen.

Jaja, mit Fußball geht in Deutschland so ziemlich alles (Was ich ziemlich bescheuert finde, aber okay)


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