Zoff um A380neo
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Emirates: Airbus hat keine stimmige Widebody-Strategie

BERLIN - Eine technisch überarbeitete Version der A380 wird nach Einschätzung von Airbus-Operativchef John Leahy nicht vor Mitte des kommenden Jahrzehnts verfügbar sein. Emirates-Chef Tim Clark will das so einfach nicht hinnehmen - der Großabnehmer pocht weiter auf die A380neo.

Airbus fehle eine stimmige Strategie für seine größten Flugzeuge, bemängelte Clark auf der Touristikmesse ITB in Berlin. Statt Ressourcen auf eine weitere Variante der A350 zu verwenden, möge man sich in Toulouse doch endlich auf eine Modernisierung der A380 konzentrieren.

"Es gibt einige Unklarheiten", beschwerte sich Clark. "Sie haben die A380neo und bingo - auf einmal ist da die längere A350-1000. Ich bin mir nicht sicher, wie das ausgeht." Clark zog in Zweifel, dass Airbus beide Projekte zeitgleich stemmen könnte.

Emirates übt seit Jahren Druck auf Airbus zur Entwicklung eines mit einer neuen Triebwerkegeneration ausgerüsteten Spitzenmodells aus. Die Gesellschaft betreibt ihre große A380-Flotte als Rückgrat des internationalen Geschäfts und hat für den Fall einer Modellüberabeitung eine erhebliche Bestellung in Aussicht gestellt.

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Emirates Airbus A380, im Hintergrund eine A350, © Airbus
 
Leahy hatte am 01. März auf der ISTAT in Pheonix das Projekt A380neo auf Eis gelegt und dies mit Kapazitätseinschränkungen am Heimatflughafen von Emirates, Dubai International, begründet. “Derzeit kann Emirates nicht vorangehen. Damit können wir das erst recht nicht", schob Leahy die schwarzen Peter zu Emirates.

Das sei schlichtweg falsch, spielte Clark den Ball zurück. Emirates wäre sehr glücklich, eine A380neo ab 2021 in ihre Flotte aufzunehmen. Es sei inzwischen aber schwer, Gedankengänge und Äußerungen der Airbus-Chefetage richtig zu lesen.

In der Tat gingen die obersten Airbus-Mannen in Sachen A380neo 2015 erst zwei Schritte vor und dann wieder drei zurück. Leahy sprach über einen Stretch und zusätzliche Sitze, Airbus-Chef Fabrice Brégier nordete den Konzern erst auf eine A380neo und A380-900 ein, ging ab November aber wieder auf Distanz zu den Projekten.

An Emirates wurden mittlerweile 75 der insgesamt 140 Exemplare der bestellten A380 ausgeliefert und die Golfairline ist an mindestens 100 weiteren interessiert. Clark hatte zuletzt im Oktober eine Kooperation über 20 Jahre mit Airbus in Aussicht gestellt, sollte der Hersteller sich für ein Neo-Programm bei der A380 entscheiden.

Airbus hingegen hadert mit dem schleppenden Absatz für sein größtes Modell und bezweifelt ein ausreichendes Interesse an einer Überarbeitung anderer Airlines.


Emirates wolle offenbar nicht mehr über die Bedingungen für eine A380neo sprechen, schaltete sich Brégier in einem Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" (Freitag) in die öffentliche Debatte ein. "Also ist eine A380neo vor 2025 weniger wahrscheinlich als noch vor einem Jahr."

A350-8000

Sollte Airbus die Neuentwicklung des viermotorigen Riesen weiter aufschieben, so würde das Mittel freimachen zur Entwicklung eines zweimotorigen Langstreckenflugzeugs als direkten Konkurrenten zur neuen 777X aus dem Hause Boeing.

Airbus diskutiert derzeit mit ausgewählten Kunden die Entwicklung einer verlängerten Version der A350-1000, konzernintern soll das Projekt unter der Bezeichnung "A350-8000" laufen. Bis zum Juli - zur Luftfahrtmesse im britischen Farnborough - wird es laut Leahy Klarheit geben, ob genügend Nachfrage für ein solches Flugzeug besteht.

Im Visier hat Airbus dabei weniger Golfairlines, die sich bereits reichlich mit 777X eingedeckt haben, sondern eher Kunden wie British Airways und United, die nicht die extreme Performance für einen Betrieb unter heißen Wüstenbedingungen brauchen.

Laut Leahy wolle Emirates "an einem Tag mit 45 Grad Celsius in Dubai starten auf einen Nonstop-Flug nach Los Angeles". Das übe einen erheblichen Entwicklungsdruck auf die Konstruktion und das Design aus, von dem sich Airbus bei einer A350-8000 freimachen will.

Zumindest will Airbus an aerodynamischen Modifikationen an der A380 mit dem Ziel einer erhöhten Effizienz bei niedrigeren Betriebskosten forschen, um Emirates nicht ganz zu verprellen.
© Bloomberg News, aero.de, dpa-AFX | Abb.: Airbus | 11.03.2016 09:06

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Beitrag vom 14.03.2016 - 18:12 Uhr
Jeder hier im Forum muss zugeben, das dass Marktpotenzial eines A350stretchs deutlich hoeher einzuschaetzen ist als eines A380neo.
Daher muss man der Headline auch wiedersprechen: Das mag fuer Emirates keinen Sinn machen, aber fuer Airbus schaut es sehr sinnvoll aus.

Die A35K hat gerade 180 Bestellungen. Dass eine gestreckte Variante signifikant mehr Bestellungen bekäme, ist eher unwahrscheinlich. Eher muss man vom Gegenteil ausgehen. Und um die 150 Bestellungen bekäme man sicher auch für einen A380neo zusammen.
Dazu kommt, dass jeder Slot für einen Stretch schlussendlich auch einen weniger für A359 oder A35K bedeutet.
So einfach wie dargestellt ist die Entscheidung wahrscheinlich nicht. Irgendwie auch klar, sonst gäbe es das Angebot von Airbus schon.

Ich sehe das anders und denke einige Aussagen sind in sich nicht schluessig.

Im Segment der B779x gibt es bislang die B77W, die B744, und 300 Bestellungen fuer die B779x, davon ca. 220 vom Golf.
Es fliegen aktuell noch ueber 500 B747 rum, dazu knapp 700 B777-300.
Zwar werden einige bereits durch B777x oder A350 Varrianten ersetzt, dennoch ist da ein deutlich groesseres Potenzial vorhanden als im A380 Segement.

Die 150 A380neo Bestellungen basieren rein auf einer Aussage zur Presse von Tim Clark....
wer sonst will den eine A380neo?
Emirates wird alleine eine A380neo Produktion nicht auslasten koennen.

Das der A350-1000 bisher wenige Bestellungen hat, liegt imo v.a. an der Emirates Storno und der B779x, die mit dem Argument "Groesser" die Orders vom Golf abgeholt hat.
Sonst halten sich die Airlines bisher damit zurueck, vlt. weil noch taktiert wird bzw. gewartet wird wie sich die Nachfrage entwickelt und v.a. wie die B779x am Ende performt.

Airbus wird verdammt dankbar sein, statt einer billigeren A359 oder A35K eine A350-8000 zu verkaufen, daher ist man sicher nicht traurig wenn man teurere FLugzeuge verkauft.

Die Diskussion um die A350 gibt es schon eine Weile, oft kritisiert war der PAX Nachteil bzw. der Laengennachteil gegen die B779x von 3m.
Besonders nachdem frueh klar wurde, das die -800 nicht kommt.
Eine einfache Entscheidung ist es sicher nicht, aber ich glaube das Airbus diese Entscheidung schon lange vorbereitet und im Auge gehabt hat.

Fuer mich macht sie jedenfalls deutlich mehr Sinn als ein A380neo, der fuer die meisten Airlines ueberhaupt nicht in Frage kommt und der sich selbst die Nachfrage kaputt macht.
Man kann ja mal ueberlegen, warum Thai, MH, Quantas, etc. heute alle keinen A380 mehr brauchen und sie am liebsten abgeben wuerden.
Ich behaupte mal, das es an 74 A380 von Emirates liegt, die zahlreiche einst Nachfragestarke Routen der genannten Airlines erodiert haben.

Dieser Beitrag wurde am 14.03.2016 23:20 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 14.03.2016 - 15:57 Uhr
Jeder hier im Forum muss zugeben, das dass Marktpotenzial eines A350stretchs deutlich hoeher einzuschaetzen ist als eines A380neo.
Daher muss man der Headline auch wiedersprechen: Das mag fuer Emirates keinen Sinn machen, aber fuer Airbus schaut es sehr sinnvoll aus.

Die A35K hat gerade 180 Bestellungen. Dass eine gestreckte Variante signifikant mehr Bestellungen bekäme, ist eher unwahrscheinlich. Eher muss man vom Gegenteil ausgehen. Und um die 150 Bestellungen bekäme man sicher auch für einen A380neo zusammen.
Dazu kommt, dass jeder Slot für einen Stretch schlussendlich auch einen weniger für A359 oder A35K bedeutet.
So einfach wie dargestellt ist die Entscheidung wahrscheinlich nicht. Irgendwie auch klar, sonst gäbe es das Angebot von Airbus schon.
Beitrag vom 14.03.2016 - 13:56 Uhr
Ihr verrennt euch da.
Emirates hatte diese Option zur Stornierung und hat sie wahrgenommen.
Daran ist nichts zu verurteilen.

Und das ist auch sicher nicht der Grund, warum Airbus jetzt sagt: Aetsch, dann halt keinen A380neo fuer euch.
Es gibt fuer den A380neo noch keinen tragbaren business case, daher laesst Airbus den erstmal bleiben.

Das hat auch niemand behauptet, es wäre der alleinige Grund: Hauptgrund ist definitiv der fehlende Business Case. Die Aussage war lediglich, das dieser Stornierung die Entscheidung ggf. erheblich beeinflusst. Und ob es da eine Option gibt oder nicht, ist nicht relevant, weil es solche Optionen viele gibt und nichts außergewöhnliches sind. Trotzdem ist die Ausübung dieser schon ein solcher Schritt - vor allem bei einer Order dieser Größe. Denn das beeinträchtigt die Produktions- und Finanzplanung ganz erheblich und von daher ist eine Zuverlässigkeit in der Durchführung der Order wichtig. Der A380 hat schon genug "Orderleichen" im Auftragssbuch und neben dem fehlenden Business Case kann eine solche Stornierung durchaus zusätzlich negativ wirken.


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