Flughafen Tel Aviv
Älter als 7 Tage

Terroranschlag 1972 führte zu verschärftem Sicherheitskonzept

TEL AVIV - Der Ben-Gurion-Airport bei Tel Aviv gilt als Vorbild für moderne Flughafensicherheit. Ein Auslöser für die Revolutionierung der Passagierkontrollen in Israel war ein blutiges Attentat vor 44 Jahren. Damals kamen in der Ankunftshalle 26 Menschen ums Leben, 80 wurden verletzt.

Drei Japaner gehen ruhig zur Gepäckausgabe auf Israels internationalem Flughafen. Sie sind gerade mit einer Air-France-Maschine aus Rom gekommen, in ihren Geschäftsanzügen wirken sie völlig unauffällig. Dann plötzlich ziehen die Männer aus Geigenkästen vom Gepäckband Sturmgewehre und Handgranaten. Ein Blutbad in der Ankunftshalle. 26 Menschen sterben bei dem Massaker am 30. Mai 1972, 80 werden verletzt. Viele der Todesopfer sind christliche Pilger aus Puerto Rico.

«Wir hörten Schreie und die Schüsse hörten gar nicht mehr auf», erzählte die Augenzeugin Schimrit Or 40 Jahre später der Zeitung «Haaretz». «Überall lagen Leichen und niemand hat zurückgeschossen.» Die Sicherheitskräfte hätten damals total versagt.

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Ankunftshalle des Ben-Gurion-Flughafens in den 1970er Jahren, © Israel Airports Authority, Archiv

Das Massaker 1972 ist der erste und letzte tödliche Anschlag auf dem Ben-Gurion-Flughafen und gilt als Schlüsselmoment in der israelischen Geschichte. Israels damaliger Transportminister Schimon Peres sprach vom «schlimmsten Blutbad in der Geschichte des weltweiten Terrors gegen die zivile Luftfahrt». Nur drei Wochen zuvor hatten palästinensische Terroristen eine belgische Sabena-Maschine entführt, israelische Spezialkräfte stürmten sie auf dem Ben-Gurion-Flughafen.

Nach diesen Vorfällen wurden die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Airport massiv verschärft - ein Vorfall wie das Massaker vom 30. Mai wäre heute kaum noch denkbar. Von dem strikt geschützten Flughafen, der etwa 20 Minuten von Tel Aviv entfernt liegt, wurde auch noch nie ein Flugzeug entführt. Das moderne Sicherheitssystem auf dem Flughafen dient nach israelischen Angaben vielen Ländern als Vorbild.

Bei der Attacke vor 44 Jahren handelten Terroristen der Japanischen Roten Armee im Auftrag der militanten Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Einer von ihnen sprengte sich selbst in die Luft. Der kanadische Soziologieprofessor Robert Brym beschrieb ihn deshalb als den «ersten Selbstmordattentäter der modernen nahöstlichen Geschichte». Ein weiterer Angreifer wurde erschossen, der dritte Täter, Kozo Okamoto, wurde lebend gefasst. Okamoto erhielt eine lebenslange Haftstrafe, kam jedoch 1985 im Rahmen eines Häftlingsaustauschs frei und lebt heute im Libanon.

Ein Anschlag wie jetzt in Brüssel wäre angesichts der strengen Sicherheit auf dem israelischen Airport «sehr unwahrscheinlich», sagt Daniel Nisman von Levantine, einem Sicherheitsberatungsunternehmen in Tel Aviv. Die Sicherheitskräfte arbeiteten in Israel stark mit Profiling, bei dem sie verschiedene Personen je nach Gefährdungspotenzial unterschiedlich einstufen.

«Wenn es viel palästinensische Anschläge gibt, dann prüft man Palästinenser und israelische Araber strenger», sagt Nisman. Dies werde kritisiert, unter anderem, weil es auch nicht-palästinensische Angreifer gebe - wie etwa im Fall der japanischen Terroristen.

Dennoch sei das System in Israel effektiver als etwa in Belgien, meint er. «Wenn bewaffnete Soldaten nur herumstehen und niemanden befragen, bringt das wenig.» Es sei extrem, dass die Attentäter in Belgien offenbar mit höchst verdächtigem Verhalten - wie das Tragen nur eines Handschuhs - in den Airport Brüssel gelangen konnten. Auf Fotos aus Überwachungskameras scheinen zwei der mutmaßlichen Täter jeweils nur einen Handschuh zu tragen - es gibt Vermutungen, dass darunter die Zünder für die Bomben versteckt waren.

Aus Nismans Sicht haben europäische Länder «keine andere Wahl», als sich den israelischen Sicherheitsmethoden anzunähern. «Sie müssen vielleicht Methoden anwenden, die ein bisschen unangenehmer sind, aber Sicherheit geht über alles», sagt der Experte. «Wenn man keine Sicherheit hat, dann hat man gar nichts.»
© Sara Lemel, dpa | 25.03.2016 11:43


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