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Österreich halbiert Ticketsteuer

WIEN - Ein Teil von Österreichs Flugabgabe kann künftig in die Luftfahrt investiert werden. Der Ministerrat wird nächste Woche eine Halbierung der Flugsteuer verkünden, berichtet die Tageszeitung "Kurier" in ihrer Freitag-Ausgabe. Die Steuersenkung soll in zwei Schritten bis Januar 2018 erfolgen.

Dem Beschluss ging ein Besuch von Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei Österreichs Finanzminister Hans-Jörg Schelling voraus. Durch die Senkung der Abgabe soll die Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandorts Österreich und der Tourismuswirtschaft gestärkt werden. Derzeit beträgt die Steuer pro Fluggast zwischen 7 und 35 Euro.

Zuletzt nahm Österreich aus der Abgabe jährlich rund 100 Millionen Euro ein. Davon entfielen auf Austrian Airlines rund 50 Millionen, auf die Air Berlin Tochter Flyniki 15 Millionen. Zusammen halten beide Airlines am Standort einen Marktanteil von über 60 Prozent.

VIE Terminal 3 (Skylink)
VIE Terminal 3 (Skylink), © Flughafen Wien - Roman Boenisch

Als "wichtige und überfällige Maßnahme für den Luftfahrtstandort Österreich" bezeichnete der Generalsekretär der Industriellenvereinigung Christoph Neumayer am Freitag die für den kommenden Ministerrat vorgesehene Halbierung der Flugabgabe. Die von den Grünen geforderte Erhöhung der Abgabe hingegen sei "standortpolitisch völlig kontraproduktiv", so der IV-Generalsekretär.

Vor der Steuersenkung ging Lufthansa kräftig in Vorleistung. Ihre Tochter Austrian Airlines wird acht zusätzliche Flugzeuge erhalten, darunter auch eine Langstreckenmaschine. Mit der Investition in den Flottenausbau fährt Austrian ihre Kapazität um rund zehn Prozent und zwei Millionen Fluggäste hoch.

Zahlreiche Studien wiesen wiederholt auf die Negativ-Effekte der Steuer hin - nicht nur auf das Wachstum der Unternehmen. Gesamtwirtschaftlich, aber auch für den Staat bilanziere die Abgabe negativ. So soll der Flughafen Wien errechnet haben, die Steuer koste den Zielmakt Wien im Jahr rund eine Million Fluggäste.

Allein Rynair wickelt jährlich eine Million Passagiere über den "steuerfreien" Nachbarflughafen Bratislava ab. Tendenz kräftig steigend - bis Oktober legte Bratislava um 13 Prozent zu, Wien (auf hohem Niveau) um 1,7 Prozent.

Laut einer am Mittwoch vom Österreichischen Luftfahrtverband vorgelegten Studie generierten die sechs österreichischen Flughäfen im Vorjahr mit 6,1 Millionen ausländischer Fluggäste allein für die Tourismuswirtschaft einen Umsatz von 18,4 Milliarden Euro. 

Wien-Tourismus Direktor Norbert Kettner verwies auch darauf, der Flughafen Wien habe unter allen Lufthansa-Hubs den größten Anteil ankommender Touristen, zunehmend auch aus Fernmärkten wie China, Nahost, Südost-Asien und Nordamerika.

Der Jahresumsatz mit Übersee-Fluggästen soll laut Studie inzwischen bei 660 Millionen Euro liegen. Entsprechend würdigte auch die Tourismuswirtschaft die Steuersenkung. "Das ist Wind unter unseren Flügeln", so Kettner in einer Stellungnahme.

Unerwartete Kritik kam vom österreichischen Gewerkschaftbund.  Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida sieht in dem "Lufthansa-Schelling-Deal" eine verpasste Chance, der Lufthansa als Gegenleistung eine langfristige Standort-Garantie abzuhandeln.

Via OTS bemängelt Hebenstreit am Montag die Wirtschaftskompetenz des Finanzministers, zudem vermisse er eine Arbeitsplatzgarantie, "wenn im Gegenzug schon wieder Millionen fließen". Den Deal als Erfolg zu verkaufen, sei "plump und billig".

Johannes Schwarcz, bei vida für die Luftfahrt zuständig, setzt dem noch eins nach: "Für die AUA braucht es jetzt die Entscheidung welche neuen Flugzeuge die bereits in die Jahre gekommenen ersetzen. Wien muss von der AUA wieder verstärkt als Langstrecken Hub ausgebaut werden. Erst dieser Schritt sichert den Standort und die Beschäftigung".
© aero.at | Abb.: Flughafen Salzburg | 19.11.2016 10:01

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Beitrag vom 22.11.2016 - 10:54 Uhr
@Fly-away

Sorry, sorry.

Das "schlimme" irgendwie hängt das doch alles zusammen. Auch die Halbierung der Luftverkehrsabgabe in Austria ist doch Politik... .
Beitrag vom 22.11.2016 - 10:25 Uhr
Modhinweis
Betrachte ich die letzten Beiträge so sind wir wieder ein Mal vom ursprünglichen Thema weggedriftet und bei der Politik gelandet.
Interessant, tagesaktuell, durchaus diskussionswert.
Aber doch bitte nicht hier im aero.de-Forum.
Fly-away
Moderator
Beitrag vom 22.11.2016 - 08:46 Uhr
@EricM schrieb:

"Vorher müssten wir noch fix den Rechtsstaat abschaffen, sonst wird das nix."

Aber sind wir da nicht schon langsam "auf dem Weg"?

Beispiel die entlassene Kassierin (wegen eines Pfandbon) und die VW Manager die betrogen haben, 23000 Angestellte werden deshalb entlassen und die Herren gönnen sich noch einen fetten Boni... .

Oder nehmen wir FR - alle sagen/wissen das das Geschäftsgebaren nicht ganz " koscher" ist. Aber gibt es irgendwelche Sanktionen? Nö.

Soviel dann auch zum Primat der Wirtschaft über die Politik. Und das wird weitergehen.


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