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Alitalia kämpft jetzt 60 Tage gegen den finanziellen Crash

Alitalia Airbus A330
Alitalia Airbus A330, © Alitalia

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ROM - Alitalia traf in ihrer Sanierung auf Gegenwind. Inzwischen macht die Airline keinen Hehl mehr daraus, dass es gilt, eine wirtschaftliche Bruchlandung abzuwenden. Nur die "kurzfristige Finanzierung" sei gesichert, sagt Alitalia-Chef Cramer Ball. Jetzt entscheiden die nächsten 60 Tage.

So lange habe Alitalia Zeit, Kredit- und Leasinggeber und nicht zuletzt das Personal von "tiefgreifenden Kosteneinsparungen" und "radikalen Veränderungen" zu überzeugen, die laut Ball "unerlässlich für die Zukunft" von Alitalia sind. Das klingt nicht nur ernst, das ist ernst.

Eckpunkte des Alarmplans skizziert Alitalia in einer kurz vor den Feiertagen veröffentlichten Presseerklärung eher schemenhaft. Alitalia werde Langstrecken aus- und Kurzstrecken abbauen. Auch ein Stellenabbau - im Management-Sprech als "right size, right shape" verkauft - sei unvermeidbar.

Schon seit November nennt die gewöhnlich gut informierte italienische Wirtschaftspresse konkrete, feuerrote Zahlen: Alitalia steuere dieses Jahr auf 400 Millionen und nächstes Jahr auf 500 Millionen Euro Verlust zu, berichtete etwa "Sole 24 Ore" über eine sich zuspitzende Kassenlage.

Ball überdenke das Geschäftsmodell für Europa und bereite eine Ausdünnung der A320-Flotte um "15 bis 20" Flugzeuge vor. Etwa 2.000 Stellen stehen laut verschiedenen Quellen auf der Kippe, gut 16 Prozent aller Alitalia-Jobs. Zuletzt hieß es, Alitalia benötige ganz schnell 180 Millionen Euro.

Diese Mittel stellen nach einer außerplanmäßigen Gesellschafterversammlung nun wahrscheinlich die Aktionärsbanken Unicredit und Intesa SanPaolo zur Verfügung, wenn auch widerwillig.

"Wir haben in den letzten zwei Jahren große Fortschritte erzielt, aber der kommerzielle Flugmarkt ist brutal und verzeiht keine Fehler", sagt Ball, dessen Stuhl mittlerweile offenbar wackelt. Damit Alitalia auf wettbewerbsfähige Kosten komme, brauche die Strategie die Unterstützung der Gewerkschaften. "Dann wird Alitalia erfolgreich sein."

Was plant Etihad?


Bedrohlich ist die Lage auch deshalb, weil Hauptaktionär Etihad Airways - der Golfairline waren 2014 49 Prozent von Alitalia 560 Millionen Euro wert - offenbar lieber heute als morgen aus den gescheiterten Europabeteiligungen Air Berlin und Alitalia raus will.

Nach Informationen des "Spiegel" will Etihad Air Berlin möglicherweise im Paket mit Alitalia an Lufthansa abgeben und sich direkt an Lufthansa beteiligen.
© aero.de | Abb.: Alitalia | 27.12.2016 11:04

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Beitrag vom 30.12.2016 - 12:43 Uhr
Alitalia streicht nun die Verbindungen nach New York und Tokyo ab Mailand aus Kostengründen.Da kann Air Dolomiti helfen: Zubringerflüge nach MUC und von dort nonstop nach JFK, bzw EWR und auch nach HND,
Der Lufthansa Konzern wird gerne die norditalienischen Kunden dorthin bringen.
Da ist es gar nicht nötig, die Alitalia zu übernehmen.

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2016 18:51 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 27.12.2016 - 18:08 Uhr
Auch hier wäre Lufthansa gut beraten, einfach abzuwarten. M. E. besteht keine Notwendigkeit Etihad in irgend einer Weise als Aktionär an Bord zu holen. Alitalia wird den Weg Olympic Airways' gehen, d. h. in die Insolvenz. Ob Meridiana oder sonst eine Airline das Geschäft und das Personal übernimmt muss man sehen. Dies alles ist letzten Endes der Fallout jahrelanger Versäumnisse, eines schärfer werdenden Wettbewerbs, struktureller Marktveränderungen und wahrscheinlich auch nationaler italienischer Besonderheiten. Das ein Neuanfang möglich ist zeigt die Geschichte von Aegean, die mehrfach ausgezeichnet wurde und den Namen Olympic in Teilen sogar fortführt. Für Etihad und deren Eigner zeigt es, dass sie nicht Teil der Lösung sind, sondern Teil des Problems. Die Überexpansion der ME3 wird noch für mehr Unruhe im Markt sorgen. Hier heißt es jetzt mit Bedacht und vorsichtig zu agieren.
Beitrag vom 27.12.2016 - 17:42 Uhr
Den Verantwortlichen wünsche ich gutes Gelingen. Allerdings stellt sich schon die Frage welches Ziel man verfolgt. Soll klein, aber fein weitergemacht werden oder will man die "Braut" nur aufhübschen damit sie jemand nimmt?


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