Milliardenklage
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Österreich sieht sich bei Eurofighter-Deal übervorteilt

WIEN - Österreich fordert bis zu 1,1 Milliarden Euro Schadensersatz von der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH und ihrem wichtigsten Aktionär Airbus. Die Regierung sieht sich bei dem 2003 geschlossenen Deal hinter die Fichte geführt und hätte rückblickend lieber Jäger von Saab gekauft.

Die seit fünf Jahren laufenden Untersuchungen des österreichischen Verteidigungsministeriums sind zu dem Schluss gekommen, dass sich Eurofighter dessen bewusst gewesen sei, nicht alle 18 Abfangjäger in der gewünschten - und zugesicherten - Konfiguration fristgerecht liefern zu können.

Airpower 2016
Eurofighter des österreichischen Bundesheeres, © Helmut Mitter

Das Auftragsvolumen belief sich auf insgesamt 1,96 Milliarden Euro. Österreich seien zu hohe Kosten in Rechnung gestellt worden, darunter unter anderem für Lobbyarbeit und andere Gegengeschäfte, wie aus dem Bericht der Task Force des österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport hervorgeht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Die Beweislage lege nahe, dass Airbus und Eurofighter "der Republik Österreich seit 2002 die Lieferung eines Kaufgegenstandes versprachen und vertraglich zusicherten, obwohl sie zu dessen vertraglich vereinbarter Lieferung weder in der Lage noch willens waren", heißt es in dem Untersuchungsbericht.

Zusätzlich zu den rund 183 Millionen Euro, die von den Unternehmen arglistig für "legale aber auch für kriminelle Gegengeschäftskosten" eingepreist worden seien, hätte sich Österreich dem Bericht zufolge für die Bestellung von Kampfflugzeugen des Herstellers Saab entschieden, wären die Betrügereien bekannt gewesen.

Die schwedischen Konkurrenzflugzeuge wären vom Kaufpreis und den laufenden Betriebskosten her günstiger gewesen - und die Differenz der Kosten sei Teil der Schadenersatzforderungen, teilte die Regierung mit.

Airbus-Sprecher Martin Aguera wollte zu den Informationen nicht Stellung beziehen, da das Unternehmen erst vor Kurzem aus den Medien davon erfahren habe. Airbus habe aber in den letzten Jahren die Justizbehörden aktiv bei ihrer Arbeit unterstützt, etwa mit eigenen Untersuchungsmaßnahmen, erklärte er.

Airbus hält 46 Prozent an Eurofighter, wie aus Informationen auf der Website des Unternehmens hervorgeht. Die anderen Aktionäre sind die britische BAE Systems und Leonardo aus Italien.
© Bloomberg News | Abb.: Helmut Mitter | 16.02.2017 11:19


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