Brexit
Älter als 7 Tage

Lufthansa sagt britischen Airlines Turbulenzen voraus

FRANKFURT - Deutschland und Frankreich werden nach Einschätzung von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr im Zuge der Brexit-Verhandlungen eine harte Gangart gegenüber Großbritannien einschlagen.  "Brexit heißt Brexit", sagt Spohr am Rande einer Veranstaltung.

Frankreichs Präsident Francois Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel würden Ausnahmen für die Luftfahrtbranche nicht zulassen. "Das wird nicht passieren, da bin ich mir recht sicher, nachdem was ich höre aus Paris, Berlin und Brüssel", so Spohr.

Am heutigen Mittwoch will die britische Premierministerin Theresa May den Ausstieg aus der EU nach Artikel 50 des Lissabon-Vertrags beantragen, womit ein zweijähriger Verhandlungsmarathon beginnt. Die britischen Airlines plädierten dafür, dass an den bestehenden Regelungen unverändert festgehalten werde, meint Spohr.

Die Regierungen und auch die EU-Kommission würden bei dem Versuch es "sei gar nix passiert" aber nicht mitmachen. "Man wird auch in Zukunft nonstop von London nach Frankfurt fliegen können." Dies sei aber voraussichtlich nur mit "Staffelungen und Übergangsperioden" möglich, so Spohr.

British Airways Airbus A320
British Airways Airbus A320, © Ingo Lang

Nach Angaben aus informierten Kreisen vertritt auch das Verkehrsministerium die Auffassung, dass mit einem Brexit das Single-European-Sky-Abkommen mit den Briten neu verhandelt werden muss. Ein Vertreter des Verkehrsministeriums hatte sich in einer internen Ausschussitzung des Parlaments entsprechend geäußert.

Der Brexit wird laut Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL zahlreiche Abkommen und Vereinbarung mit den Briten im Luftverkehrsbereich aushebeln. Großbritannien werde aus dem Single European Sky genauso wie aus dem Open Sky herausfallen, da das Königreich "zwangsläufig" den liberalisierten EU-Luftverkehrbinnenmarkt verlasse, so der Verband.

Nicht länger anwendbar seien auch bestehende Regelungen zur Betriebsgenehmigung, Passagierrechten, Emissionshandel und Luftsicherheit.

Im Blindflug in die Brexit-Verhandlungen

Stellvertretend für eigentlich alle britischen Airlines fordern der British Airways-Konzern IAG und Easyjet uneingeschränkten Marktzugangs in die EU auch nach dem Brexit.

IAG verfügt mit Iberia, Vueling und Aer Lingus zwar über Flugbetriebe mit EU-Lizenz, der Brexit könnte den Konzern aber zu Änderungen in der Aktionärsstruktur zwingen. In keiner anderer Airline sind Großbritannien und EU ähnlich verstrickt wie in der IAG.

Auch für die irische Ryanair bedeuten die Brexit-Verhandlungen einen ziemlichen Blindflug. Ryanair gewinnt 40 Prozent ihrer Passagiere in Großbritannien. Ein harter Brexit stellt zumindest britische Inlandsstrecken in Frage. Die Airline wünscht sich eine Übergangsfrist von zwölf Monaten, um sich auf neue Spielregeln einzustellen.

"Die britischen Airlines fordern eine einfache Lösung", sagte Spohr. Darauf würden sich Hollande und Merkel jedoch nicht einlassen.
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: Ingo Lang | 29.03.2017 09:02

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Beitrag vom 30.03.2017 - 01:55 Uhr
Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Lufthansas Grösster Gewinnbeitrag kommt heutzutage von der Nicht-EU Airline Swiss. Zudem ist man Besitzer der Nicht-EU Airline Edelweiss. Man sollte also nicht zu scharf gegen Nicht-EU Airlines schiessen. Harry Hohmeister, zuvor CEO von Swiss, sollte dies am besten wissen.
Beitrag vom 29.03.2017 - 21:23 Uhr
Knüppel aus dem Sack! Sie kennen noch das Märchen? Aber: STOP!

Vor 2000 Jahren war das Schwert das entscheidende Argument, heute sollte es das Wort und Verhandlungen auf gegenseitig gleicher Augenhöhe sein. So war es auch bis 1993 als sich eine Europäische Gemeinschaft (EG) in eine Europäische Union (EU) wandelte, ohne alle Bürger dieses Europas zu informieren, geschweige denn mitzunehmen. Damit begann das Desaster. Denn bis dorthin war die EG (vorher sogar EWG) in etwa soetwas wie eine riesige wirtschaftliche Freihandelszone. (TTIP läßt grüßen). Der Wechsel zur EU änderte das. Von da an gings bergab. Denn man vereinbarte und wechselte zu einer politischen Vereinigung, handelte dabei weiter wie bei einer Freihandelszone - bis heute. Das funktioniert aber nicht. Die Politik kapiert es bis heute nicht und der Ausstieg von GB ist die erste Konsequenz daraus. Das wird noch so weiter gehen. Die europäische Verwaltung (dazu gehört der Rat genauso wie Kommission und Parlament) will den europäischen Bürgern etwas aufzwingen was es nicht gibt und versteht es nicht. Dabei versucht man nur zu verwalten und kann nicht einmal gestalten: eine gemeinsame europäische Nation will man. Dabei ginge nur eine gemeinsame Verbundenheit, nie aber eine Nation. Dabei betont man neben der Nation gleichzeitig die Vielfalt und Unterschiede in Europa. Wie soll das zusammen passen? Es geht nicht. Man benötigt neue, kreative Lösungen, aber man liefert nur Dampfblasen. Denn da haben Sie schon recht: die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen (das ist ja aber auch genau die gewünschte europäische Vielfalt) müssen zu anderen Lösungen führen, als es vor 2000 Jahren geschah und wie es heute wieder geschieht.

Kurz: man führte zB einen Euro ein. Wirtschaftspolitischer Schwachsinn, ja Schwachsinn und als nicht fliegender Wirtschaftswissenschaftler weiß ich wovon ich schreibe. Aber man hat es bis heute nicht verstanden für eine Union nur eine einzige politische (nicht wirtschaftliche!) Gemeinsamkeit zu schaffen, zB eine gemeinsame Außenpolitik. Das obwohl es bereits einen "europäischen Außenminister" gibt. Doch die Wirtschaft schafft sich immer selbst die Freiräume die es benötigt, nur unser persönlicher Wohlstand wird darunter leiden.

Vielleicht wissen dieses die wenigsten Europäer bewußt, aber die Mehrheit spürt es, nur die Politiker ignorieren es. Hoffentlich nicht bis zum bitteren Ende, so wie es einst zum Niedergang des römischen Reichs gekommen ist.

Dieser Beitrag wurde am 29.03.2017 21:26 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 29.03.2017 - 18:40 Uhr
Zu den Mittelmeeranreinerstaaten muß ich folgendes sagen: Hat vor 2000 Jahren schon mal gegeben, diese Staaten zu europäisieren. Hat leider nicht hingehauen, wie die Geschichte gelehrt hat. Wir wären froh, wenn im europäischen Raum dieses hinzubekommen wäre (Einheit und Zusammenwachsen), aber die Kultur und die Sprachen sind das größte Hindernis in diesem Metier. Und dann gibt es noch die wirtschaftlichen Ungleichheiten. So, nun haut auf mich ein.


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