Gegen den Wind
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Airbus und Boeing zapfen Auftragsreserven an

AMSTERDAM - Airbus geht seit letzter Woche davon aus, 2017 erstmals seit Jahren mehr Flugzeuge auszuliefern als neue Aufträge einzuwerben. Boeing hat allein dieses Jahr schon 1.300 Jobs in Seattle abgebaut. Trotzdem halten beide Hersteller an ehrgeizigen Produktionszielen fest.

Der Überschuss im Auftragseingang schmolz bei Airbus 2016 auf 43 Flugzeuge zusammen - am Ende standen 731 neuen Aufträgen 688 Auslieferungen gegenüber. Boeing griff die Auftragsreserve 2016 schon an und lieferte mit 748 Airlinern 60 Flugzeuge mehr aus als neu bestellt wurden.

Dieses Jahr dürfte die wichtige Kennziffer "Book:Bill" bei beiden Herstellern kleiner als 1,0 ausfallen und in absehbarer Zukunft erwarten weder Airbus noch Boeing eine Änderung.

"Einige Zeit" werde es wohl dauern bis Airbus wieder mehr Flugzeuge verkaufe als ausliefere, stellte Airbus-Finanzvorstand Harald Wilhelm die Aktionäre letzte Woche auf eine längere Durststrecke ein. Angsichts eines Auftragspolsters von 6.744 Flugzeugen wirkt die auf den ersten Blick kaum bedrohllich.

Airbus A350-1000
Airbus A350-1000, © Airbus

So hält Airbus die Produktion vorerst unter Dampf und hebt das Ziel für 2017 sogar von 700 auf 720 Auslieferungen an. Im ersten Quartal lieferte Airbus 136 Flugzeuge aus und vermerkte nach Stornierungen sechs Neubestellungen im Auftragsbuch. Boeing lieferte in den ersten drei Monaten 169 Flugzeuge aus und setzte bisher 198 Flugzeuge ab.

Mit ihren seit 2011 aufgebauten Auftragsreserven können beide Hersteller eine Flaute überbrücken. An der Nachhaltigkeit der hohen Produktionsraten zweifeln mittlerweile allerdings gleich mehrere Analysten, zumindest in Hinblick auf das margenstarke Geschäft mit Langstreckenflugzeugen.

Zwischen 2011 bis 2015 pumpten Airbus und Boeing "jedes Jahr 16 Prozent mehr Großraumflugzeuge in den Markt", sagt Richard Aboulafia von der Teal Group. Die Branche sei gerade noch damit beschäftigt, diese Kapazitäten zu verdauen.

Boeing merkt das besonders an der 777-300ER, die derzeit nur noch 93 Mal zu bauen ist. Bis der Nachfolger 777X die Linie 2020 übernimmt, zieht Boeing in der Produktion notgedrungen die Handbremse an. Nach 8,3 Monatseinheiten 2016 will Boeing ab August nur noch fünf Flugzeuge monatlich fertigstellen.

Boeing 787-9 Dreamliner
Boeing 787-9 Dreamliner, © The Boeing Company

Nach Gewerkschaftsangaben hat Boeing dieses Jahr bereits 1.332 Jobs in der Flugzeugproduktion gestrichen und wird noch in dieser Wocher weitere Ingenieure freistellen.

Auf der 787-Linie ist eine gegen 2019 geplante Anhebung der Monatsrate von zwölf auf 14 Flugzeuge längst keine sichere Sache mehr. Boeing liegen zwar noch 679 Dreamliner-Aufträge vor. Zumindest dem Einstiegsmodell 787-8 geht mit 91 verbleibenden Aufträge aber langsam die Puste aus.

Remove before Flight? Airlines spielen auf Zeit...

Noch vertrauen Airbus und Boeing auf ihre Prognosen, nach denen gegen 2020 ein neuer Megazyklus einsetzen wird, in dem Airlines ihre Flotten umfänglich erneuern und wieder mehr Flugzeuge kaufen. Derzeit spielen die meisten Fluggesellschaften allerdings eher auf Vorsicht und Zeit.

So vertagte Qantas im Februar überraschend den Lieferbeginn von 54 A320neo und 45 A321neo von Ende 2017 auf 2019. Delta hadert mit Aufträgen für 50 A350-900 und A330neo. American will 22 A350-900 im Schnitt 26 Monate später abrufen und United wird ein Auftrag über 35 A350-1000 zu heiß.
© aero.de, Bloomberg, dpa-AFX | Abb.: Airbus | 19.04.2017 10:40


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