Airbus und die Goldmine
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Staatsanwalt untersucht Airbus-Investition in Mali

Airbus Super Puma
Airbus Super Puma, © Airbus

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GENF – Die Investition von Airbus in eine brach liegende Goldmine in Mali hat einen Genfer Staatsanwalt auf den Plan gerufen. Warum hat der Luftfahrtgigant 15 Millionen Euro in ein völlig fachfremdes Objekt gesteckt – und warum floss das Geld dafür über die Virgin Islands?

Die Investition tätigte Airbus bereits im Jahr 2012. Damals steckte das Unternehmen laut Recherchen der Agentur "Bloomberg" 15 Millionen Euro in die Koderian Goldmine in Mali. Die Mine hatte demnach bis dato nicht mehr hergegeben als ein paar Goldstücke.

Das Geld floss über Konten auf den Virgin Islands, in Luxemburg, der Schweiz und Deutschland an einen Mittelsmann namens Aliou Boubacar Diallo. 

Wenn alles mit rechten Dingen zuging, warum überwies Airbus das Geld nicht direkt an die Minenbetreiber? Das fragt sich der Genfer Staatsanwalt Yves Barbossa, der in einem Korruptionsfall eines anderen Unternehmens im Zusammenhang mit besagter Goldmine ermittelt.

Im Laufe seiner Ermittlungen ist er auf die außergewöhnliche Transaktionskette von Airbus aufmerksam geworden. Stutzig macht ihn vor diesem Hintergrund, dass die malische Regierung Ende 2016 und Anfang 2017 zwei gebrauchte Super Puma Helikopter der Marke Airbus gekauft hat.

"Airbus sollte erklären, warum sie in eine brach liegende Goldmine in Mali investiert haben", meint auch Andrew Watson, Chef der Einheit für Waffenindustrie bei Transparency International. Airbus-Sprecher Rainer Ohler wollte die Angelegenheit gegenüber "Bloomberg" nicht kommentieren. 

Diallo selbst streitet ab, das Geld verwendet zu haben. "Ich hatte nie etwas mit Korruption zu tun. Ich hatte auch nie besondere Beziehungen zur Regierung und habe nichts mit irgendeinem Helikopter-Deal zu tun", ließ er sich zitieren.

Spezialfonds

Das Geld für die Minen-Investition floss offenbar aus einem Spezialfonds einer Airbus-Verkaufssparte, die für größere Vertragsabschlüsse zuständig ist. Insidern zufolge sollte der Fonds dazu genutzt werden, in aufsteigende Märkte zu investieren und die Risiken des Unternehmens zu diversifizieren.

Airbus stieg 2014 aus der Mine wieder aus, die Anteile hatten den Großteils ihres Werts zu diesem Zeitpunkt verloren.

Ob die französische Polizei in den Fall ermittelt, ist unklar. Yves Barbossa prüft noch, ob er in der Sache ein offizielles Verfahren einleitet. Es wäre ein weiteres in einer Reihe von Korruptionsverfahren, die in England, Frankreich und Österreich gegen den europäischen Luftfahrtgiganten derzeit anhängig sind.
© Bloomberg | aero.de (boa) | Abb.: Airbus | 14.07.2017 16:43


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