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Lufthansa und Cockpit legen Einigung zur Abstimmung vor

Lufthansa Airbus A350-900
Lufthansa Airbus A350-900, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa und die Pilotenvereinigung Cockpit haben eine Einigung im jahrelangen Tarifkonflikt verkündet. Das Regelwerk definiert die Arbeitsbedingungen für Piloten und erstmals auch für Fluglehrer der Lufthansa. Es tritt erst in Kraft, wenn die Basis in einer Urabstimmung grünes Licht gegeben hat.

Mehr Flexibilität für den Arbeitgeber und dennoch besserer Schutz der Arbeitsplätze - so beschreibt die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) ihren Kollegen den Kern der neuen Einigung. Die Verhandlungen standen unter der Prämisse, dass der Konzern die Cockpitstückkosten um 15 Prozent senken will.

In der Perspektivvereinbarung (PPV) sagt das Lufthansa Management den Piloten zu, dass sie bis zum Jahr 2022 mindestens 325 Flugzeuge mit Piloten des Kernkonzerns bereedern wird. Bis zu sechshundert Piloten sollen zudem bis dahin zu Kapitänen geschult werden. Über siebenhundert neue Piloten will die Lufthansa einstellen.

Gehaltserhöhung und Einmalzahlung

Konzern und Piloten versuchen, einem Konflikt im Vorfeld zu begegnen, falls das Unternehmen die Flottenzusage nicht einhalten kann. Für diesen Fall definiert die Vereinbarung bereits das genaue Vorgehen und die Schiedsregeln, falls es dabei nicht zu einer Einigung kommt.

Alle Piloten der Lufthansa (DHL), der Lufthansa Cargo (LCAG), von Germanwings (GWI) und der Flugschule LAT DE Bremen erhalten eine zeitlich gestaffelte Gehaltserhöhung von insgesamt 10,3 Prozent - davon rückwirkend zum Januar 2016 eine Anhebung des Monatsgehalts um 2,4 Prozent und zum Januar 2017 eine Anhebung um zwei Prozent.

Darüber hinaus erhalten sie bis Mai 2018 eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern. Für Piloten, die bis Ende September 2017 eingestellt wurden, gilt die Regelung des alten Vergütungstarifs (VTV). Piloten, die danach eingestellt wurden, gilt eine andere Struktur, die zwar an die alte angelehnt ist, die aber mit Zulagen arbeitet.

Ende für JUMP

Das Projekt CLH JUMP A340 wird mit der PPV ad acta gelegt. Piloten, die zuletzt für JUMP geflogen sind, werden direkt bei der Lufthansa eingesetzt, ebenso JUMP-Copiloten der CityLine. Piloten der Lufthansa sollen in Zukunft zudem die Möglichkeit haben, sowohl die A380 als auch die A350 zu fliegen.

Betriebsrente mit Risikobeteiligung

Beim Thema Altersvorsorge gibt es eine gravierende Änderung: die Piloten beteiligen sich am Risiko des Rentenfonds. Sie zahlen gemeinsam mit der Arbeitgeberin feste Beiträge ein, die sie garantiert zum Auszahlungsdatum zurückbekommen.

Wie bei anderen Fonds ist die genaue Auszahlungssumme bei Rentenantritt ungewiss. Durch diese Regelung spart der Lufthansa-Konzern eine Summe in dreistelliger Millionenhöhe ein.

Jetzt sind die Pilot am Zug

Die bevorstehende Urabstimmung über das neue Tarifwerk wird kein Selbstläufer, denn hinter den Kulissen rumort es. Einige Piloten werfen der VC eine zuletzt zu lasche Verhandlungsführung vor - und eine verpasste Gelegenheit, andere Flugbetriebe im Lufthansa-Universum einzubeziehen.

"Lufthansa spielt ihre Flugbetriebe gegeneinander aus", sagte ein Pilot aero.de. Im Zuge der Übernahme von Air Berlin ersetze der Konzern externen Wettbewerb durch "firmeninterne Konkurrenz um die niedrigsten Produktionskosten".

Diese Praxis sei nur mit flugbetriebsübergreifenden tariflichen Spielregeln zu stoppen, für die viele KTV-Piloten auch zu größeren Zugeständnissen bereit gewesen wären. Cockpit und Lufthansa dürften daher mit einer gewissen Anspannung auf das Ergebnis der Urabstimmung warten.
© aero.de (boa) | Abb.: Ingrid Friedl/Lufthansa | 11.10.2017 13:20

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Beitrag vom 12.10.2017 - 14:52 Uhr
Wer in Zeiten der höchsten Gewinne, die LH je eingefahren hat, einen solchen Vertrag unterschreibt, ist selbst schuld. 15% Verlust würden die Piloten drangeben, bei gleichzeitiger Aufgabe des KTV und Aufgabe des Streikrechts für 8 Jahre. Wo der Markt für erfahrene Flugzeugführer immer enger wird, muß man sich nicht mit 600 Kapitänsstellen und 700 Neueinstellungen ködern lassen. Die muß es sowieso geben nach 5 Jahren Schulungs- und Einstellungsstopp.


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