Air-Berlin-Übernahme
Vor 7 Tagen

Lufthansa erwartet Übergangsphase mit Gegenwind

Air Berlin Airbus A320
Air Berlin Airbus A320, © Air Berlin

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BERLIN - Lufthansa hat sich lange und akkurat auf die Übernahme großer Teile von Air Berlin vorbereitet. Während der nun beginnenden Übergangsphase werden Lufthansa und Eurowings im täglichen Flugbetrieb trotzdem noch mindestens ein halbes Jahr improvisieren müssen.

"Wir werden das irgendwie hinbekommen", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. Das werde aber nicht ohne "Ruckeleien" gehen.

Man habe Piloten aus dem Urlaub zurückgeholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Boeing 747-400, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrtbundesamt aufwendig.

Ein stabiler Betrieb sei in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Die Lufthansa will 81 Flugzeuge und damit gut die Hälfte der insolventen Air Berlin übernehmen und den Vertrag dafür am Donnerstag unterzeichnen. Für weitere 20 bis 30 Flugzeuge verhandelt Air Berlin mit Easyjet, diese Gespräche sind laut Spohr aber noch nicht abgeschlossen. "Wir werden heute nicht notwendigerweise noch andere Entscheidungen bekommen."

Die Verhandlungen würden noch an diesem Donnerstag fortgesetzt, sagte ein Sprecher von Air Berlin. Ob die Berliner nun auch die Thomas-Cook-Tochter Condor als Kaufinteressentin wieder an den Tisch holen, blieb zunächst offen.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.

Spohr kündigte an, zum Teil auch bei der Langstrecke Lücken zu schließen, die Air Berlin hinterlassen hat. Demnach wird der Kranich-Konzern die Strecke Berlin-New York anbieten und möglicherweise auch eine zweite Langstrecke einrichten. Man freue sich auf die neue Rolle als Marktführer in Berlin, dem dynamischsten Markt in Europa, sagte Spohr.

Spohr: Eurowings macht Lufthansa Konkurrenz

Aus Spohrs Sicht muss das Aus für Air Berlin die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er der "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus."

Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu."

Die Ankündigung Spohrs traf bei Experten sofort auf Skepsis. "Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen", sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons.

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse.

Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Abwinken des zweiten Bieters Easyjet auswirken. "Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein", sagte Wissel.

Auch Anwalt Gramsch sieht zusätzliche Probleme, weil die EU-Kommission letztlich immer den Gesamtmarkt im Blick haben müsse. "Das Wegfallen eines weiteren Bieters ist schlecht für die Marktstruktur." Er rechne mit einem halben Jahr Verfahrensdauer.

Air Berlin stellt Flugbetrieb ein


Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich".

Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werde.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Air Berlin | 12.10.2017 10:17

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Beitrag vom 12.10.2017 - 20:35 Uhr

Schade, dass es so wenig Slots gibt, sonst könnte Germania ja wieder Frankfurt-Berlin und Köln-Berlin fliegen.

Ist das wirklich ein Slot Problem? CGN hat sicher genug Platz zudem könnte Germania ja nach SXF fliegen, da ist gerade MOL am Schwächeln und gibt Slots frei. Auch FRA sollt Platz haben.

In MUC müsste man mal die Startbahngegner fragen, ob sie glücklich sind, dass zu den Hauptzeiten nichts frei ist.
Beitrag vom 12.10.2017 - 15:25 Uhr
Der lachende Dritte ist doch eigentlich DB Fernverkehr und ggf. auch die Fernbusse.

Alle, die unbedingt fliegen möchten oder müssen, warum auch immer das so ist (Zeit, Spaß, Status, Geld spielt keine Rolle etc.) werden weiterhin fliegen.

Die Fluggäste mit den billigen Tickets sind ja nur geflogen, weil die Tickets günstig waren. Das ist jetzt vorbei und gilt nicht nur innerdeutsch, sondern auch auf kürzeren internationalen Routen wie nach Salzburg. Dieser Personenkreis wird jetzt wieder mit der Bahn fahren, einen Bus oder ggf. auch das Auto nutzen oder gar nicht mehr reisen.

DB Fernverkehr wird sich freuen, da es jetzt gerade auf den Rennstrecken wie Frankfurt-Berlin völlig ohne eigenes Zutun einen Wettbewerber weniger gibt. Dazu passt dann ja auch, dass jetzt bald die ICE München-Berlin deutlich schneller werden.

Schade, dass es so wenig Slots gibt, sonst könnte Germania ja wieder Frankfurt-Berlin und Köln-Berlin fliegen.
Beitrag vom 12.10.2017 - 15:22 Uhr
Natürlich muss man die Wochentage und Uhrzeiten berücksichtigen. Ich nehme immer den gleichen Flug am Montagmorgen (LH1981) und Donnerstagabend (LH1992). Daher lassen sich die Preise zwischen den Wochen relativ gut vergleichen. Einfach mal auf LH.com schauen.


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