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Zypries: Millionengehalt von Ex-Air-Berlin-Chef rechtens

Thomas Winkelmann
Thomas Winkelmann, © FMG

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BERLIN - Die scheidende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hält das in der Insolvenz abgesicherte Millionengehalt von Ex-Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann für rechtens.

Der "Welt am Sonntag" sagte Zypries: "Ich will bei der Debatte um das Gehalt von Winkelmann nur sagen, dass man die Fakten korrekt wiedergeben muss." Man könne einen solchen Vertrag moralisch schlecht finden, aber er stamme aus der Zeit vor der Insolvenz.

"Und Etihad zahlt das Gehalt", sagte Zypries. "Ich kann verstehen, dass andere es für problematisch halten. Aber juristisch lässt sich dagegen wenig sagen." Der Ausstieg von Etihad sei Winkelmann zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses nicht bekannt gewesen.

Air Berlin hatte am 27. Oktober den Flugverkehr eingestellt, nachdem die Gesellschaft - mit 1,5 Milliarden Euro verschuldet - im August Insolvenz angemeldet hatte. Großaktionär Etihad wollte den Fortbestand des lange defizitären Unternehmens nicht weiter finanzieren.

Zypries erwartet nach dem Aus für Air Berlin keine steigenden Ticketpreise. Sie kritisierte hingegen Tickets zu Dumpingpreisen "Wenn das Flugticket zehn Euro kostet, dann kann ich nicht glauben, dass das kostendeckend ist", sagte sie der "WamS".
© dpa | 12.11.2017 07:38

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Beitrag vom 13.11.2017 - 11:02 Uhr
@fbwlaie
Ich rege mich nicht über Winkelmann auf. Ich rege mich über die Heuchlerei auf seitens der Politik. Entweder es ist moralisch zweifelhaft oder man muss die Eier habe es auch ohne Wenn und Aber zu verteidigen. Dann soll sich eine Frau Zypries hinstellen und dies auch klar sagen. Aber nicht so rumeiern. Ich würde sogar soweit gehen, dass es Air Berlin ohne diese Regelung zu keinem Vorstand gebracht hätte und schon seit einiger Zeit beerdigt gewesen sein könnte.

Und @bevol
Ich fürchte Sie haben meinen Beitrag nicht oder falsch verstanden. Ich gehe mit Ihnen, dass es für Manager auch eine Absicherung geben sollte, wenn sie sich auf einen solchen Posten einlassen. Ich bin aber auch der Meinung, dass es nicht mehr sein kann, dass diese auch keinerlei Risiko tragen (oder sogar durch entsprechend hohe Summen noch belohnt werden). Ich gehe aber weiter und bin der Meinung, dass es nur rechtens sein sollte, eine Absicherung auch für Mitarbeiter zu haben im Insolvenz-Fall. (Und damit meine ich nicht das ALG/InsoG).

Und um dann die Frage zu klären, wie eine solche von mir erwartete Initiative insbesondere einer SPD (und aller anderen Parteien, die sich als "sozial" verkaufen) aussehen soll:
Es sind Ansätze, keine end-ausgereiften sofort umsetzbaren Vorschläge. Aber ein Ansatz wäre eben eine Insolvenzversicherung privater Natur für alle Mitarbeiter zur Sicherung der Gehälter von x Monaten nach einer Insolvenzanmeldung als Bedingung diese für einzelne Personen oder Personengruppen des Unternehmens zu machen. Eine weiterer Ansatz wäre, diese Versicherung nicht mehr als Geschäftsausgaben geltens machen zu können. Dann bliebe es jedem leitenden Angestellten frei dies privat zu machen und es entsteht kein Gewissenskonflikt. Ein anderer Ansatz wäre die Summe einer solcher Versicherung auch auf einen bestimmten Betrag - sprich letztes Monatsgehalt multipliziert mit einer Laufzeit von einem? Jahr zu deckeln. Und ein weiterer Ansatz wäre das Insolvenzgeld im Falle der Insolvenz auf einen längeren Zeitraum auszudehnen.

Und Ihre Retoure ich möge dazu nichts sagen läuft ins Leere. Denn hier verwechseln Sie zwei Dinge. Einmal ein Statement einer Politikerin, die in meinen Augen als öffentliche Person eine sehr unglückliche Aussage gemacht hat und einmal eine Reaktion darauf. Ich hätte das Thema von mir aus nicht öffentlich angestoßen, wenn die Aussage nicht von Fr. Zypries im Raum gestanden hätte. Ich möchte die Frage zurück geben: Was hat ein Manager eines börsennotierten Unternehmens, dessen Arbeitgeber eine Insolvenzversicherung und eine Manager-Haftpflicht für ihn abschliesst denn an Verantwortung? Keine, die er jemals selber spüren wird. Und jetzt nehmen wir mal den Handwerkermeister mit 8 Angtestellten - am liebsten noch als Einzelgesellschaft ... Wo ist hier die gesellschaftliche Gleichstellung?
Beitrag vom 12.11.2017 - 23:54 Uhr
Zur Anmnahme gehören zwei Seiten:
Winkelmann wollte nicht so einfach weggestossen werden - wie Piechler. Er ist jetzt 58 und fast zu alt für einen neue Geschäftsführerjob. Sein "letzter Aufruf"...

AB hat der Versicherung zugestimmt, obwohl die Lage seit Jahren sehr schlecht war - oder gar perspektivlos. Wer im Aufsichtsrat glaubte, dass die Scheichs Hogan noch lange so walten lassen würden?

Kann man den Deutscher Corporate Governance Kodex im Falle von AB überhaupt anwenden?

Jetzt regt man sich über Winkelmann auf - nicht aber über Winterkorn...
Beitrag vom 12.11.2017 - 23:03 Uhr
Die Diskussion hat folgenden nachvollziehbaren Hintergrund:

Winkelmann hat seinen Vertrag länger als für die Position und Firmengröße üblich absichern lassen, nämlich 4 anstatt 2 Jahre. Das kann man aus dem zumindest für börsennotierte Unternehmen - unverbindlichen - Verhaltenskatalog für gute Unternehmensführung (Deutscher Corporate Governance Kodex)
 http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/gehalt-empoerung-ueber-millionen-fuer-air-berlin-chef-thomas-winkelmann-aid-1.7153875
und dieser Stellungnahme entnehmen:
 https://www.welt.de/wirtschaft/article169978150/Berlin-wird-wie-ein-Dorf-behandelt.html

Zum dem Zeitpunkt des Vertragsschlusses von Winkelmann im Dezember 2016 war sonnenklar, das sich eine Air Berlin nicht länger wird am Markt halten können. Die fast zeitgleich beschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen LH und Etihad lässt stark vermuten, dass Etihad schon Ende 2016 der LH klar gemacht hat, dass der Stecker gezogen wird, wenn die Verluste nicht zeitlich absehbar abgestellt werden können - und zwar in etwa dem, was Etihad auch offiziell Air Berlin in einem Brief zugesichert hatte: bis April 2018. Dass LH dann vorsorglich Winkelmann dort installiert hat, um im Zweifelsfall eine geordnete Abwicklung Air Berlins zu seinen Gunsten sicherzustellen, halte ich für einen positiven Nebeneffekt, aber nicht mehr. Der Umstand, dass Etihad dann den Stecker bereits im August 2017 gezogen hat, hat sicherlich mit dem CEO-Wechsel bei Etihad zu tun. Hier passt auch der Zeitpunkt der Ankündigung von Hogans Rücktritt (Januar 2017) und der Zeitpunkt seines Ausscheidens (Juli 2017) sehr gut ins Bild.

Eher halte ich es für wahrscheinlich, dass es am Ende Winkelmanns eigene Entscheidung war und nichts „Abgekartetes“. Zumal sollte man sich vor Augen halten, dass just ca. 2 Wochen davor LH die CEO-Position bei Eurowings an Thorsten Dierks vergeben hat, die gleichzeitig auch eine Vorstandsmitgliedschaft beinhaltet, die Winkelmanns letzte Position bei der LH nicht beinhaltet hatte:
 http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/thorsten-dirks-mister-o2-steuert-bald-eurowings/14945162.html
Es bleibt spekulativ, aber es ist denkbar, dass Winkelmann sich ebenso intern auf diese Position beworben hat (zumal er ja schon Germanwings-CEO gewesen ist) und damit gescheitert ist. Es passt auch zu C. Spohr Aussage, Winkelmann habe „kein Rückfahrticket“ zur Lufthansa, dass dies Winkelmann eigener Schritt gewesen ist:
 https://02elf.net/headlines/economy-headlines/keine-rueckkehr-von-air-berlin-chef-winkelmann-zu-lufthansa-969611
Vielleicht hat er ja doch noch eine kleine Chance gesehen basierend auf Etihad Unterstützungszusage bis 2018, denn im Erfolgsfall wäre Winkelmann dann der Manager-Star geworden. Und diese (wenn auch kleine) Aussicht zusammen mit seiner vielleicht geschwächten Karriereentwicklung bei der LH könnten zusammen mit einem solch guten Vertrag seine Entscheidung ausgemacht haben.

Moralisch angreifbar bleibt die gesamte Geschichte in zweierlei Hinsicht:
Zum einen hat der AB-Aufsichtsrat und Winkelmann bei der Vertragsgestaltung den Kodex mißachtet. Und dabei ist es unerheblich, wie schlecht die Situation bei Air Berlin im Dezember 2016 schon gewesen ist.
Zum anderen sollte es Winkelmann klar gewesen sein, daß diese Vertragsdetails veröffentlicht werden und das diese bei der sich schon damals abzeichnenden Insolvenz mit der Folge der Arbeitslosigkeit für viele den betroffenen Mitarbeitern einfach nicht vermittelbar sein werden - egal ob berechtigt oder nicht. Da hilft es auch wenig, das Winkelmanns Gehalt von Etihad gezahlt wird und nicht von Air Berlin, welches als Ganzes schon jahrelang nur noch von Etihads Zuschüssen abhängig gewesen war.

Hinzu kommt jetzt der Effekt, das es sich aktuell in vielen Medien so liest, dass die Insolvenz Air Berlin und die Gehaltsabsicherung Winkelmanns zeitlich zusammengefallen seien, was dann kommunikativ noch viel weniger erklärbar ist. Das ist hier wieder ein gutes Beispiel für die verbreitet stattfindende unzulässige Vereinfachung bei der Berichterstattung, bei der dann für den Kontext entscheidende Details verloren gehen.

Winkelmanns grundsätzliches Interesse, sich einen solchen Schleudersitz-Job gut bezahlen und absichern zu lassen, ist legal, legitim und m.E. moralisch an sich nicht verwerflich. Aber innerhalb des gesamten Kontextes sieht das etwas anders aus. Die Aussage des Threadstarters zur moralischen Angreifbarkeit halte ich deswegen aus den zuvor genannten Gründen für stichhaltig.

Dieser Beitrag wurde am 12.11.2017 23:34 Uhr bearbeitet.


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