Irland
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In Ryanairs Hinterhof formiert sich Widerstand

Ryanair Boeing 737-800
Ryanair Boeing 737-800, © Ryanair

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DUBLIN – Ryanair akzeptiert keine Gewerkschaften. Dennoch schlingert die Airline in Richtung kollektiver Verhandlung mit ihren Piloten: die haben nun auch an der Heimatbasis in Irland eine neue Vereinigung gegründet und fordern Verhandlungen mit der Discount-Airline.

Das Management sollte auf nationaler Ebene ausschließlich mit dem "Ryanair Company Council" verhandeln, schrieb die irische Pilotengewerkschaft (IALPA) in einem Brief an Ryanair-Chef Michael O´Leary. Sechs Kapitäne und ein erster Offizier mit festen Verträgen bei Ryanair wurden dafür ernannt.

Der Schritt verstärkt die Bemühungen der Ryanair-Piloten, sich zu organisieren. Auch in Schweden, Deutschland und Portugal haben Ryanair-Piloten diesen Schritt mit Unterstützung von Gewerkschaften gewagt. Nun ist die Bewegung in Ryanairs eigenem Hinterhof angekommen.

"Seit über zwei Monaten signalisieren Ihnen Piloten Ihres Unternehmens, dass sie direkt mit Ryanair verhandeln möchten", schreibt IALPA-Präsident Evan Cullen in dem Brief an O´Leary. "Das ist der beste Ansatz für alle Beteiligten, um die vielen Probleme zu lösen, mit denen die Passagiere, die Crew und Ryanair im Allgemeinen kämpfen."

Die jüngste Entwicklung könnte auch einen Streik einläuten: solche Vereinigungen bieten dafür den Grundstock. Das schreibt der "European Employee Representative Council" (EERC), eine weitere neue Organisation von Ryanair-Mitarbeitern, die sich mit Unterstützung der IALPA und mit dem gleichen Ziel wie der "Ryanair Company Council" formiert hat.

Taube Ohren bei Ryanair

Ryanair hat den Piloten mehr Geld geboten, neue Mitarbeiter angestellt und angekündigt, sein Dienstplan-System zu verbessern – in der Hoffnung, die gewerkschaftlichen Bestrebungen ihrer Mitarbeiter zu bremsen.

Denn das Unternehmen will nach wie vor nur mit den Mitarbeitervertretern der 86 Standorte verhandeln. Das Ryanair-Management sagt, dass es den Brief der IALPA nicht bekommen hat und erteilt dem Gesprächsversuch gleichzeitig eine Absage.

Laut Unternehmensleitung funktioniert das Kommunikations-System mit den einzelnen Standorten seit 25 Jahren und die Piloten stimmen dort anonym über Gehalt und Arbeitsbedingungen ab.

Ryanair wiederholte auch, dass der EERC und andere Gruppen ihrer Ansicht nach Organisationen der Gewerkschaften konkurrierender Airlines sind. "Eine Linie, die in den Sand gezeichnet wird" – so bezeichnet der Professor für Luftfahrt-Strategie am Trinity College in Dublin die gewerkschaftlichen Bemühungen der Ryanair-Mitarbeiter.

"Ich kann nicht sehen, dass Ryanair sich in irgendeiner Weise bewegt", sagte er. "Das wäre eine große Umstellung für sie, die Abkehr von einer Strategie, die sie seit über dreißig Jahren fahren. Die Konfrontation wird weitergehen. Die Konfliktparteien werden sich weiter belauern und schauen, wer zuerst blinzelt."
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Ryanair, DAA | 21.11.2017 10:41

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Beitrag vom 22.11.2017 - 18:10 Uhr
Aber warum kommen die Ryanair Piloten gerade jetzt darauf, eine Gewerkschaft zu gründen? Gerade jetzt wo es besonders viele Piloten auf dem Markt gibt? Vielleicht wegen der Hilfe aus den USA und den Europäischen Personalvertretungen, Hilfe die natürlich genau zum "richtigen Zeitpunkt" kommt? (Welche gemeinsamen Interessen verbindet eigentlich die VC mit der Lufthansa?)
Warum passiert das gerade jetzt?



Keine Ahnung in welcher Welt Sie leben, aber der Pilotenmarkt ist gerade sowohl global als auch in der EU so gut wie seit mind 8 Jahren nicht mehr (für die Arbeitnehmerseite wohlgemerkt!)
Beitrag vom 22.11.2017 - 06:53 Uhr
Hat da etwas jemand etwas eingefädelt? Lufthansa flüsterte "Frau EasyJet" ins Ohr, dass die Ticketpreise in Deutschland bald steigen werden, man habe diverse Hebel dafür. Schließlich willigt EasyJet dem Air Berlin Deal ein....
Alles nach Plan!!!

Ach herrjeh ... sowas lässt sich ja ganz leicht in das böse Weltverschwörer-Bild einbinden. Auch nur ansatzweise einen "Beweis" für diese ganzen Behauptungen? Davon abgesehen - das sind doch ganz logische Dependentien, dafür muss man kein Experte sein.
Beitrag vom 21.11.2017 - 17:40 Uhr
Weil es das Konzept der FR-Piloten war, dort nur 4-5 Jahre im Schnitt zu bleiben und sich dann einen besseren Arbeitgeber zu suchen. Die Piloten merken aber, wie sich der Arbeitsmarkt für Piloten im Allgemeinen verschlechtert und sehen ihre Perspektive zunehmend auch bei FR. Damit steigt der Anreiz sich dort für Verbesserungen stark zu machen.


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