WestJet
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Kanadischer Tausendsassa

WestJet Boeing 737
WestJet Boeing 737, © WestJet

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CALGARY - WestJet plant ein einzigartiges Geschäftsmodell: die Airline fordert Air Canada heraus und will die erste Adresse für Pfennigfuchser ebenso wie für Geschäftskunden werden. Das Management vollzieht eine radikale Kehrtwende, um auf dem kanadischen Luftfahrtmarkt ganz vorne mitzuspielen.

WestJet fliegt Boeing 737 und ab 2019 auch 787. Ein neues Premiumkonzept sieht Langstrecken mit ausgefallenen Speisen, kuscheligen Betten, neun neue, schickere Flughafen-Lounges und viele weitere hochpreisige Extras vor.

Gleichzeitig bringt WestJet 2018 eine Ultra-Billigairline namens "Swoop" an den Start, um Kunden mit kleinem Geldbeutel zu gewinnen. Die "high-end, low-end"-Strategie ist das kanadische Ergebnis der weltweit geführten Auseinandersetzung klassischer Airlines mit Billigfliegern.

Bisher verblieben traditionelle Airlines eher in der Defensive und antworteten mit neuen Tarifklassen oder neuen Ablegern mit günstigeren Kostenstrukturen. Was ist bei WestJet anders? Im Juni 2018 wird WestJet "Swoop" auf den Markt bringen, ein Preisbrecher, der sich an Jetstar orientiert.

Swoop wird 189 Sitze in ihre zehn Boeing 737-800 quetschen - 21 mehr, als WestJet in die gleichen Flugzeuge der Stammflotte einbaut. Im Oktober 2017 hat WestJet ihre erste Boeing 737 MAX entgegengenommen. Bis 2027 sollen insgesamt 50 der Maschinen die Flotte ergänzen. Ausgestattet werden sie mit 174 Sitzen.

Zugleich bereitet sich Westjet auf die Inbetriebnahme der ersten von später insgesamt zehn Boeing 787-9 vor. Die Dreamliner sollen nach Europa und Asien fliegen, der erste ab Januar 2019. Swoop hat die Option auf weitere zehn Dreamliner.

WestJets Marktoffensive fällt mit den Vorstoß ihrer Belegschaft zusammen, sich geschlossen als Verhandlungspartner gegenüber der Airline zu positionieren. Im Juni 2017 stimmten ihre Piloten dafür, sich gewerkschaftlich zu organisieren, die Piloten von WestJets Regionallinie zogen fünf Monate später nach.

Zahlreiche Gewerkschaften sind dabei, die anderen Mitarbeitergruppen bei WestJet zu vereinen, unter ihnen die Flugbegleiter und die Mechaniker. Das Personal schließt die Reihen, WestJet muss steigende Lohnkosten einplanen.

Diese Vorzeichen, zusammen mit den höheren Kosten von Langstreckenflügen könnten das momentan profitable Modell von WestJet gewaltig ins Wanken bringen. Doch die Manager lassen sich davon nicht schrecken. Sie verweisen auf 50 Quartale in Serie, in denen WestJet Profit gemacht hat.

Ein Modell zuwenig

"Wir haben einfach den Punkt erreicht, an dem eine einzige Marke nicht mehr all unsere Missionen erfüllen kann", sagte WestJet-Chef Gregg Saretsky bei einer Präsentation vor Investoren.

Saretsky kennt die Misserfolge großer US-Airlines, die den Vormarsch der Billigflieger mit eigenen Günstiganbietern stoppen wollten und dabei sehr viel Lehrgeld bezahlten.

Schon 2000 gründete Delta Air Lines "Song", um JetBlue Airways die Stirn zu bieten. United Airlines hatte eine Billigfluglinie namens "Ted" aus dem Boden gestampft. Keine Airline flog wesentlich günstiger als ihre Muttergesellschaft - und beide stellten den Betrieb nach fünf Jahren wieder ein.

Die WestJet-Manager nehmen sich daher ein anderes Modell zum Vorbild: Jetstar Airways aus Melbourne, die Qantas vor 13 Jahren gegründet hat, um gegen den Billig-Rivalen Virgin Blue (heute Virgin Australia) anzutreten.

Jetstar fliegt unabhängig von Qantas in Australien und Neuseeland und hat Qantas dabei geholfen, die weniger lukrativen Reiseziele des Marktes zu bedienen. "Jetstar ist die eine große Ausnahme der Regel, dass Billigairlines innerhalb einer klassischen Airline nicht funktionieren", sagt Seth Kaplan von der Zeitschrift "Airline Weekly".

WestJet plant Swoop hauptsächlich für Inlandsflüge ein. Die Kosten sollen 40 Prozent geringer sein als bei der Muttergesellschaft und nur 0,1 Cent über den durchschnittlichen 5,9 Cent Sitzplatzkosten pro Meile, zu denen die drei größten US-Billigairlines fliegen.

"Swoop soll das Netzwerk von WestJet bereichern und es nicht zerfleddern", beschreibt der stellvertretende Geschäftsleiter Ed Sims die Vision.

Alle in einem Flugzeug

In den USA probieren die drei großen Rundum-Service-Airlines die "high-low"-Strategie ebenfalls aus, wenn auch ohne neue Airlines zu gründen. Sie stecken alle Passagiere in ein Flugzeug - vom Grundtarifflieger bis hin zum Business Class-Vielflieger.

Manche Airlines unterteilen Passagiere inzwischen in fünf verschiedene Tarifklassen mit zahlreichen Kabinen in nur einem Flugzeug. Das Ziel besteht darin, den Billigrivalen wie Spirit Airlines und Frontier so wenige Passagiere wie möglich zu überlassen. Das ist eine Kehrtwende, denn bis vor kurzem dachten die Konzerne, dass ihre Zielgruppe sich ganz anders zusammensetzt als die der Billigflieger.

In Europa haben sich die globalen Giganten mit neuen günstigeren Airlines aufgestellt: Air France-KLM mit Joon, IAG startete mit Level zu Flügen über den Atlantik und Lufthansa ist ebenfalls dabei, das Netzwerk von Eurowings über den Atlantik auszuweiten - vor allem in die USA.

Dieses Trio versucht, budgetbewusste Reisende mit neuen Marken zu gewinnen und nicht, sie mit Anpassungen ihrer bewährten Marken zu locken.

Vertretbare Risiken

Trotz dieser Versuche sehen viele Kenner der Branche große Risiken in dem Trend, alle Segmente bedienen zu wollen. Die sprichwörtliche "Alles für Jeden"- Strategie hat eine durchwachsene Erfolgsbilanz.

Natürlich kommen die großen Veränderungen bei WestJet nicht von Irgendwo. Die Airline antwortet damit auf eine Reihe von Bedrohungen. Zu ihnen gehören die neuen kanadischen Ultrabilligflieger ebenso wie die Billiglinie von Air Canada, Rouge.

Analysten den Plänen von WestJet durchaus eine Chance. Ihrer Ansicht nach wird Swoop voraussichtlich von Anfang an profitabel sein - sie muss jedoch konsequent dran bleiben. Marktkenner Ben Cherniavsky sieht in Swoop Risiken, die angesichts der Aufstellung von WestJet vertretbar sind.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: WestJet | 24.12.2017 10:14

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Beitrag vom 02.01.2018 - 18:19 Uhr
OK, danke für die Erklärung.
Entschuldigung angenommen :-)
Ihnen und allen anderen wünsche ich auch noch ein Gesundes Neues Jahr 2018

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2018 18:19 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 02.01.2018 - 18:12 Uhr
@Alblaus
Entschuldigung. Ich wollte Ihnen eigentlich nicht unterstellen, dass die Hochzeitsreise insgesamt nicht schön war. Mit "schade um die Reise" meinte ich eigentlich nur, dass ich Ihnen, wie jedem anderen auch, eine rundum zufriedene Hochzeitsreise gegönnt hätte, ohne den kleinen Markel mit der PremEco. Und auch das mit dem "Siebten Himmel" war halt eine Unterstellung von mir, weil es halt die Hochzeitsreise war. Auch dafür Entschuldigung.
Ansonsten Ihnen und allen Anderen hier ein Frohes Neues!

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2018 18:14 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 01.01.2018 - 13:09 Uhr
"Wer am Schalter (Also beim Einchecken!?!) von Eco auf PremEco upgraded ohne sich vorher zu informieren, was für ihn dabei raus springt - der - ja der ist wohl gerade im Siebten Himmel und sich seiner Handlungen nicht ganz bewusst. Sorry für die Anspielung, schade um die Hochzeitsreise, aber das ist halt sehr naiv"


Es ist schon faszinierend was einem hier alles unterstellt wird.
Ich habe mich sehr wohl vorher Informiert was Premium Eco kostet und was es bietet!!
Trotzdem haben wir dann spontan upgegraded beim Check in(ohne im siebten Himmel zu sein), auch wenn sie es anscheinend nicht fassen können dass man sowas am Schalter macht. Ich verlasse mich nicht nur auf dämliche Kommentare und Meinungen und Kritiken um mitreden zu können.
Wir wollten es einfach mal selber testen und waren uns sehr wohl bewusst was wir tun.
Und trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen hier meine, leider negativen, Eindrücke zu schilden und was ich besser finden würde.
Es ging mir auch nicht ausschließlich um die von uns gebuchte Premium Eco, ich habe dies nur so ausführlich beschrieben weil andere hier auch nicht verstanden habe was ich meine und Sachen hinein interpretiert wurden und mir unterstellt wurden die ich nicht geschrieben habe.
Wieso schade um die Hochzeitsreise? Habe ich geschrieben dass diese nicht gut war oder dass ich mir diese habe vermiesen lassen?. Wie kommen Sie darauf, was sollen diese Anspielungen?, das habe ich nie geschrieben.
Sie brauchen sich keine sorgen um unsere Hochzeitsreise zu machen, die war sehr schön.
Der Flug war auch sehr schön.
Ich sagte in meinem Beitrag lediglich dass der Aufpreis auf Premium Eco meiner Meinung nach nicht im Preis Leistungs Verhältnis steht.


Dieser Beitrag wurde am 01.01.2018 13:11 Uhr bearbeitet.


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