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Airbus senkt Produktionsziel im A330-Programm

Airbus A330-900
Airbus A330-900, © Airbus

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TOULOUSE - Die Probleme der Triebwerkshersteller für den Mittelstreckenjet A320neo haben dem Flugzeugbauer Airbus den Jahresstart kräftig verhagelt. Umsatz und Gewinn gingen deutlich zurück. In der A330-Produktion nimmt Airbus 2019 deutlich Tempo raus.

Der Vorstand um Airbus-Chef Tom Enders stellt sich darauf ein, den Großteil der A320neo-Auslieferungen erst in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne zu bringen. Am Vortag hatte Lufthansa erklärt, 2018 nur sechs statt der zugesagten zwölf A320neo zu erhalten.

"Damit bleibt noch viel zu tun, um das Ziel von rund 800 Auslieferungen bei Verkehrsflugzeugen zu erreichen", sagte Enders am Freitag in Toulouse. Auch beim generalüberholten Großraumjet A330neo läuft es nicht rund.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Airbus-Gewinn im ersten Quartal unter dem Strich um fast ein Drittel auf 283 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem Verlust gerechnet. Der Umsatz ging um zwölf Prozent auf 10,1 Milliarden Euro zurück. Airbus hat seine Vorjahreszahlen wegen einer veränderten Rechnungslegung deutlich nach unten korrigiert und bilanziert nun nach neuen Grundsätzen, bei denen etwa der Umsatz nicht mehr nach Listenpreisen erfasst wird.

Ebenfalls positiv überraschen konnte der Konzern beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). Dieser lag bei 14 Millionen Euro, nach einem Minus von 19 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Experten hatten hier erneut mit roten Zahlen gerechnet.

Trotz der schwachen Zahlen zum Jahresstart geht der Vorstand davon aus, das bereinigte Ebit im Gesamtjahr von zuletzt 4,25 Milliarden Euro auf rund 5,2 Milliarden Euro zu steigern. Er will dazu wie geplant rund 800 Verkehrsflugzeuge ausliefern und läge damit knapp hinter seinem US-Rivalen Boeing. Der peilt 810 bis 815 Flugzeug-Auslieferungen an.

Airbus macht seine Pläne davon abhängig, ob die Triebwerkshersteller ihre Zusagen für die Antriebe der A320neo-Reihe einhalten. Im ersten Quartal lieferte der Konzern insgesamt 121 Verkehrsflugzeuge aller Typen aus, 15 weniger als ein Jahr zuvor. Boeing hingegen legte im gleichen Zeitraum in gleichem Umfang zu.

Bei Airbus liegt vor allem die United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney wegen technischer Probleme weit hinter den Lieferplänen zurück. Der Hersteller zeichnet für die Antriebe für rund die Hälfte der viel gefragten Mittelstreckenjets verantwortlich. Airbus hatte deshalb schon 2016 und 2017 um seine Auslieferungsziele zittern müssen.

Allerdings gibt es auch beim Konkurrenztriebwerk von CFM, einem Gemeinschaftsunternehmen des französischen Safran-Konzerns und General Electric, Schwierigkeiten.

Airbus würde die A320- und A320neo-Produktion in den kommenden Jahren gern auf 70 Maschinen pro Monat hochfahren. Dafür gebe es eindeutig Bedarf, sagte Finanzchef Harald Wilhelm. Allerdings wehren sich die Triebwerkshersteller dagegen.

Safran-Chef Philippe Petitcolin bezeichnete die Pläne wiederholt als "verrückt". Vor 2021 sei eine Rate von monatlich 70 Flugzeugen nicht machbar. Ab Mitte 2019 plant Airbus bereits fest mit 60 Maschinen pro Monat. Schon 2015 habe der Konzern seine Zulieferer wegen einer Steigerung auf 63 Exemplare angefragt, sagte Wilhelm.

Im ersten Quartal verbuchte Airbus im Verkehrsflugzeug-Geschäft - seiner größten Sparte - beim operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) rote Zahlen. Auch die Hubschraubersparte blieb leicht im Minus. Dass auf den Gesamtkonzern betrachtet ein leichtes Plus stand, verdankte der Konzern einzig seinem Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft, das nur einen leichten Gewinnrückgang verbuchte.

Airbus drosselt A330-Linie


Bei den Langstreckenjets A350 und A330 entwickelt sich das Geschäft unterdessen in gegensätzliche Richtungen. Während die Produktion der noch jungen A350 bis Ende 2018 wie geplant auf 10 Maschinen pro Monat wachsen soll, streicht der Hersteller die Pläne für die A330 und ihre spritsparende Neuauflage A330neo zusammen.

Ab 2019 sollen pro Jahr nur noch 50 Maschinen der gesamten A330-Reihe das Werk verlassen - zehn weniger als für 2018 geplant. Grund sei die noch zu geringe Nachfrage für die A330neo, räumte Wilhelm ein. Die erste A330neo will Airbus in diesem Sommer an TAP Portugal ausliefern.

Nach dem Übergang auf die A330neo wollte Airbus die Linie zunächst auf sechs Flugzeuge pro Monat einstellen. Wílhelm hatte dem Programm vor einem Jahr sogar noch "Potenzial für sieben Flugzeuge" pro Monat zugeschrieben und sieht auch heute noch "mittel- bis langfristig" gute Marktchancen für den Flieger.

So sei die Nachfrage nach Großraumjets in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Im kommenden Jahrzehnt müssten aber viele Airlines ihre alten Maschinen in diesem Segment ersetzen.

Aktuell liegen für die A330-900 214 Aufträge vor. Hinzu kommen noch 89 offene Aufträge für Modelle der Vorgängerserie. Die A330-800 verlor Anfang des Jahres ihren einzigen Kunden als Hawaiian Airlines ihren Auftrag über sechs Flugzeuge zurückzog. Begründung: zu wenig andere Betreiber.
© dpa-AFX | Abb.: Airbus | 27.04.2018 06:55


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