BERLIN- Nach monatelangem Streit über den Militärtransporter Airbus A400M zwischen den Käuferländern und dem Rüstungskonzern EADS liegt eine Lösung in der Luft. Bei Verhandlungen in Berlin wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums eine weitgehende Einigung über den Zeitplan für die geplante Auslieferung der Flugzeuge sowie die technischen Anforderungen erzielt. Bei der wichtigsten Frage, der Aufteilung der Milliarden-Mehrkosten, habe es eine Annäherung gegeben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy forderten eine rasche Lösung.
Deutschland und die sechs anderen Kundenstaaten sind dem «Figaro» zufolge bereit, weitere 1,5 Milliarden Euro der Mehrkosten des Airbus-Militärtransporters A400M zu übernehmen. Insgesamt würden die Staaten damit 3,5 Milliarden Euro zuschießen, um das größte europäische Rüstungsprojekt zu retten. Damit würde aber immer noch eine erhebliche Lücke bestehen. Der Airbus-Konzern EADS habe den Vorschlag noch nicht angenommen, berichtet das regierungsnahe Pariser Blatt am Donnerstag im Internet.
Merkel sagte beim deutsch-französischen Ministerrat in Paris: «Wir waren uns einig, dass es sich um ein Projekt strategischer Bedeutung handelt.» Alles müsse daran gesetzt werden, dass es zu einer Lösung komme. Die Verhandlungen sollen auf Arbeitsebene weitergehen. Die Relevanz des Projekt stehe jedoch außer Frage. Sarkozy äußerte sich ähnlich. «Das ist ein entscheidendes Projekt, dass ganz schnell zu einem Ergebnis geführt werden muss», sagte Sarkozy.
Missmanagement und technische Probleme haben das größte Rüstungsprojekt Europas um mehrere Jahre verzögert und verteuert. Die Mehrkosten könnten bis zu 11 Milliarden Euro betragen. EADS forderte zuletzt von den Staaten eine Nachzahlung von 6,4 Milliarden Euro. Die Käufer wollten nur bis zu 2 Milliarden Euro anbieten.
In Verhandlungskreisen hieß es nun, die Länder seien unter bestimmten Bedingungen bereit, ihr Angebot zu verbessern. Aber auch EADS müsse sich deutlich bewegen.
EADS unter Zeitdruck
In mit den Verhandlungen vertrauten Industriekreisen hieß es, EADS steht unter Zeitdruck, weil die Wirtschaftsprüfer die Bilanz für das Geschäftsjahr 2009 inklusive der A400M-Planung abschließen müssen.
Die Gespräche sollen rasch fortgesetzt werden. Termin und Ort stehen noch nicht fest. Deutschland soll 60 von 180 Maschinen erhalten. Schon länger war spekuliert worden, dass die Käuferländer auf bestimmte von den Militärs geforderte Flugeigenschaften verzichten. Dies könnte die A400M-Produktion erheblich verbilligen. Auch eine zeitliche Streckung der Auslieferung würde den Streit entschärfen.
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