FRANKFURT - Im europäischen Luftverkehr herrschte am Dienstag trotz Aussetzung des Pilotenstreiks bei der Lufthansa weiterhin Chaos. Während die deutsche Fluggesellschaft nach einem Streiktag versuchte, ihr internationales Netzwerk wieder zu flicken, streikten in Griechenland und Frankreich die Fluglotsen, was erneut zu hunderten Flugausfällen führte. Am Montag wurde der auf vier Tage geplante Streik der Konzernpiloten in einem gerichtlichen Vergleich bis 8. März ausgesetzt.
Die Lufthansa flog am Dienstag weiterhin nach ihrem Notflugplan, der am ersten Tag nach dem Streik nur um vereinzelte Maschinen ergänzt wurde. Die zusätzlichen Flüge gab es laut Lufthansa vor allem auf den innerdeutschen «Rennstrecken» wie etwa Frankfurt-Hamburg oder Frankfurt-München. Ab Mittwoch werde der Flugplan schrittweise wieder hochgefahren. Ziel sei es, dass das Netz spätestens bis Freitag wieder zu hundert Prozent zur Verfügung stehe, erklärte Lufthansa- Sprecher Klaus Walther im ZDF-«Morgenmagazin».
Die Lufthansa begründet das nur langsame Wiederanlaufen mit den komplizierten Abläufen im weltweiten Flugnetz. Weder Maschinen noch Besatzungen seien in vielen Fällen dort, wo sie laut Flugplan sein müssten. Ein großer Teil der Jets steht auf Parkpositionen an den Knotenpunkten Frankfurt und München. Das Unternehmen arbeite mit Hochdruck daran, die Abläufe geordnet wieder hochzufahren.
An den deutschen Flughäfen blieb die Situation trotz hunderter Flugausfälle weiterhin ruhig. In Hamburg fielen rund 60 Prozent der Flüge aus. Zusätzliche Verbindungen gab es nach Frankfurt und München. Frankfurt als Hauptknotenpunkt der größten europäischen Fluggesellschaft war an dem Streiktag mit zahlreichen Lufthansa-Jets vollgelaufen. «Wir stehen reichlich voll», erklärte der Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, Jürgen Harrer. Die Maschinen sollten Stück für Stück wieder in Betrieb genommen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Großkunden Lufthansa funktioniere hervorragend.
Noch kein Termin für Fortführung der Tarifverhandlungen Verhandlungen zwischen VC und Lufthansa
Der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und den Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) zieht sich bereits seit einem Jahr hin. Grundlage der folgenden Ausführung sind Informationen der Tarifparteien.
31. Dezember 2008: Die Friedenspflicht für die beiden von VC gekündigten Manteltarifverträge bei Lufthansa-Passage und LH Cargo AG läuft aus
13. Februar 2009: VC kündigt die Vergütungstarifverträge bei beiden Gesellschaften
13. Mai 2009: VC fordert unter anderem 6,4 Prozent mehr Gehalt
Mai bis November 2009: Intensive Verhandlungen zu Vergütung, den Arbeitsbedingungen und dem zwischenzeitlich aufgesetzten Sparprogramm «Climb 2011»
10. November 2009: VC beendet Verhandlungen zu «Climb 2011»
02. Dezember 2009: VC verlangt Angebot zu den offenen Tarifverträgen Mantel und Vergütung
16. Dezember 2009: VC bricht Verhandlungen ab, nachdem die Lufthansa kein Angebot abgegeben hat. Vorher soll es laut Lufthansa konstruktive Ergebnisse auf Arbeitsebene gegeben haben
15. Januar 2010: Beginn der Urabstimmung, dennoch laut LH vertrauliche Gespräche auf höchster Ebene
17. Februar 2010: Ende der Urabstimmung, VC kündigt Streik an
22. Februar 2010: Nach eintägigem Ausstand wird vor dem Arbeitsgericht Frankfurt eine Aussetzung des Streiks vereinbart
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) begrüßte die Wiederaufnahme der Verhandlungen, für die er sich am Wochenende eingesetzt hatte: «Ich wünsche mir jetzt und fordere die Tarifpartner dazu auf, dass es in den kommenden 14 Tagen zu einer nachhaltigen, gütlichen Einigung kommt und dass kein Flugzeug mehr am Boden bleibt», erklärte er in Berlin. Einen Termin für die Fortführung der Tarifverhandlungen für die Piloten gebe es noch nicht, teilten übereinstimmend Lufthansa und VC mit. Die Parteien wollen so schnell wie möglich über Gehälter, Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzsicherung für die rund 4500 Piloten im Konzern-Kern verhandeln.
Sämtliche Flüge an diesem Mittwoch von und nach Griechenland sind gestrichen. Der griechische Luftraum werde ab Mitternacht für 24 Stunden geschlossen bleiben, teilten die wichtigsten Fluglinien am Dienstag in Athen mit. Der Streik richtet sich gegen ein schmerzhaftes Sparprogramm der Regierung, die damit gegen die massive Staatsverschuldung ankämpft. Auch in Frankreich gibt es seit Dienstag massive Probleme im Luftverkehr.
Wegen eines Streiks der Fluglotsen sollte am Pariser Flughafen Orly jeder zweite und am Flughafen Charles de Gaulle jeder vierte Flug ausfallen. Die Fluglotsen protestieren gegen das Vorhaben, die Kontrollen von sechs europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Schweiz und Benelux) miteinander zu verschmelzen. Auf diese Weise sollen bis 2025 etwa ein Fünftel der Kosten für die Flugsicherheit eingespart werden. Ein entsprechender Vertrag soll Ende des Jahres unterzeichnet werden.
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