Die Boeing KC-135 Stratotanker - ein Rückblick
SEATTLE Vor dem Hintergrund der anstehenden Bestellung neuer Tankflugzeuge durch die US Air Force lohnt ein Blick auf die bisher eingesetzte Flotte aus Maschinen des Typs Boeing KC-135 Stratotanker. Ein Flugzeug, das Anfang der 50er Jahre auf Basis der Boeing 367-80 (Dash 80) entwickelt wurde und am 17. August 1956 seinen 19-minütigen Jungfernflug absolvierte.
Im Juni 1957 übergab Boeing an der Castle Air Force Base in Kalifornien die erste KC-135 an die Luftwaffe der Vereinigten Staaten. Bis zum Programmstopp im Jahr 1965 produzierte das Unternehmen 732 KC-135 der Ausbaustufe A für die Air Force. Von diesem Flugzeugtyp wurde auch eine Frachtversion (KC-135 Stratolifter) und ein militärisches Passagierflugzeug (KC-137 Stratoliner) abgeleitet.
Den KC-135 Stratotankern gingen strategische Erwägungen im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg voraus. Das im März 1946 gegründete Strategic Air Command beabsichtigte, mit Langstreckenbombern der Luftwaffe im Ernstfall jeden Punkt der Erde erreichen zu können. In Ermangelung eines hierzu dem Grunde nach unabdingbaren Netzes an weltweit verteilten Stützpunkten begann man, Luftbetankungssysteme zu entwerfen.
Diese basierten zunächst auf dem Schwerkraftprinzip. Ein Empfängerflugzeug konnte nur durch einen nach unten gerichteten Schlauch betankt werden, durch den Treibstoff von einem Tank in den anderen sank. Doch bereits 1948 begann Boeing mit der Entwicklung eines Druckbetankungssystems. Die noch heute genutzte Teleskoptechnik Flying Boom ermöglichte den Transfer von 600 US-Gallonen pro Minute. Zum Vergleich: Mit der Schlauchbetankung konnten zuvor nur Transferraten von 250 US-Gallonen pro Minute erreicht werden.
Die ersten Tankflugzeuge der Luftwaffe waren die B-29, die B-50 und ab 1951 die KC-97 Stratotanker auf Basis des Langstrecken-Passagierflugzeugs B-377. Die KC-97 galt jedoch bereits bei ihrer Inbetriebnahme als nicht mehr zeitgemäß. Ende 1951 nahm die Air Force ihre ersten Hochgeschwindigkeitsbomber des Typs B-47 entgegen. Das Zeitalter der strahlgetriebenen Militärflugzeuge hatte begonnen. Eine Luftbetankung der B-47 durch die noch mit Propellertriebwerken ausgerüstete KC-97 war aufwändig und hochgradig ineffizient, weil die Bomber dafür in niedriger Höhe und mit verringerter Geschwindigkeit fliegen mussten.
Obwohl einige KC-97 noch auf GE-47 Strahltriebwerke umgerüstet wurden, erkannte man, dass kurzfristiger Bedarf für ein konzeptionell neues Tankflugzeug bestand.
Obschon neben Boeing auch die Firmen Convair, Douglas, Fairchild und Lockheed an der ersten Ausschreibung der Luftwaffe zur Beschaffung 200 neuer Tankflugzeuge für das Haushaltsjahr 1954 teilnahmen, gab es nur wenig Zweifel daran, dass Boeing den Auftrag erhalten würde. Zum einen bestellte die Regierung schon im August 1954 als Übergangslösung 29 Tankmaschinen auf Basis der Dash-80 in Seattle.
Zum anderen hatten die Konkurrenten nur Entwürfe neuer Flugzeuge anzubieten, während die Dash-80 schon ihren erfolgreichen Jungfernflug feierte. Der Koreakrieg sowie eine Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion erhöhten zudem den Druck auf die Entscheidungsträger, in der Tankerfrage einen raschen Beschluss zu fassen.
© aero.de | Abb.: Boeing Media | 18.02.2007 10:30
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