Zoff um Belair
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Aeropers: Air Berlin spielt mit der Flugsicherheit

Air Berlin Airbus A320
Air Berlin Airbus A320, © Air Berlin

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ZÜRICH - Die Schweizer Pilotengewerkschaft Aeropers sieht sich von Air Berlin bei der Einstellung von Belair hinter die Fichte geführt. Statt Arbeitsverträge bis März 2018 zu garantieren will Air Berlin ihr Schweizer Flugpersonal jetzt mit einem Sozialplan loswerden, der eine pikante Fußnote enthalte.

Ende Oktober gehen bei Belair die Lichter aus. Air Berlin legte sich im März fest, ihren Schweizer Außenposten zu schließen. Den Mitarbeitern stellte Air Berlin eine zwölfmonatige Anstellungsgarantie und Job-Angebote "im Umfeld der neuen Air Berlin" in Aussicht.

Nur einen Monat später will das Management von solchen Zusagen nichts mehr wissen, ärgert sich die Schweizer Pilotenvertretung. Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffmann spricht gegenüber aero.de von einem "Zick-Zack-Kurs", den das Air-Berlin-Management im Umgang mit Belair fahre.

Diese Woche habe Air Berlin die Belair-Belegschaft unterrichtet, noch im April die ersten Kündigungen auszusprechen, und einen "freiwilligen Sozialplan" in den Raum gestellt.

"Der angekündigte freiwillige Sozialplan soll die Anstellungsgarantie – die man nun nicht mehr einhalten will – durch eine Prämie ersetzen, welche eine Einmalzahlung in Höhe von sechs Monatslöhnen vorsieht", fasst Aeropers die Erkenntnisse der zweitägigen Beratungen zusammen.

Diese Prämie sei jedoch an eine "unverschämte und unanständige Bedingung" geknüpft. Laut Aeropers will Air Berlin nämlich nur dann zahlen, wenn sich der Krankenstand im fliegenden Personal über den Sommer nicht auffällig verändert.

Offenbar will Air Berlin so verhindern, dass der Flugbetrieb in den letzten Monaten von Belair unter erhöhten Krankmeldungen leidet. Denn genau das ist schon einmal passiert: als Belair im Januar zum ersten Mal wackelte, sollen die Krankmeldungen sprunghaft in die Höhe geschnellt sein.

"Wenn die Belegschaft im Vergleich zu den jeweiligen Monaten im Jahr 2016 häufiger krank ist, gibt es keine Prämie durch die Belair und zwar für niemanden", sagt Hoffmann. Das sei nicht nur eine Erpressung der Mitarbeiter, sondern auch ein gefährliches Spiel mit der Flugsicherheit.

Enormer Druck

"Die Kollegen stehen unter einem enormen Druck, der eine klare Gefährdung der Flugsicherheit darstellt", so Hoffmann. "Kein Mitarbeiter will die Schuld daran tragen, dass der freiwillige Sozialplan platzt, weil er eventuell krank war."

Dennoch bleibt der Belegschaft am Ende wohl nichts anderes übrig, als sich auf den freiwilligen Sozialplan einzulassen, denn einen Anspruch auf einen Sozialplan sieht das Schweizer Recht erst ab 250 betroffenen Arbeitnehmern vor. Belair liegt knapp unterhalb dieser Schwelle, "auch weil zuletzt einige Copiloten zu Air Berlin wechselten", sagt Hoffmann.

Eigentlich sollte NIKI mit Wirkung zum April den Belair-Flugplan in Zürich übernehmen. Weil das nicht klappte, plante Air Berlin kurzfristig um und entschied, Belair noch bis Ende Oktober weitermachen zu lassen.
© aero.de | Abb.: Air Berlin | 13.04.2017 11:30

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Beitrag vom 14.04.2017 - 17:11 Uhr
Und kleiner Nachtrag: nichts ist im DACH Arbeitsrecht so einfach, wie "krankfeiern" obwohl man nicht krank ist

Und nichts wird so konsequent und drastisch gehandhabt, wenn man jemanden erwischt!
Das hat mit dem in diesem Fall sehr eindeutigen Arbeitsrecht nichts zu tun, sondern damit, dass man das Krankfeiern eben auch beweisen muss und eine einfache Vermutung für eine Kündigung oder Abmahnung zum Glück nicht reicht!

Gerade in der Fliegerei ist eine Krankmeldung "heilig", da sie auch das "unfit" oder (vorübergehende) Flugdienstuntauglichkeit beinhaltet. Das bedeutet, dass man eben auch "krank" ist, wenn man sich eben nicht in der Lage sieht, seinen Flugdienst absolut ohne Einschränkungen ausüben zu können. Dann besteht sogar die gesetzliche Pflicht seinen nicht(!) Dienst anzutreten.

Daher finde ich, dass ein tariflicher Bonus, der von einer Krankheitsqoute abhängt, in der professionellen Fliegerei absolut unpassend ist!

Dieser Beitrag wurde am 14.04.2017 17:20 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 14.04.2017 - 17:09 Uhr
@digiflieger:
Kann ich alles soweit nachvollziehen und auch teilen. Aber zu glauben die Gewerkschaften würden die Krankmeldungen nur tolerieren kann ich nicht teilen. Gewerkschaften sind über die Jahre zu etwas unantastbarem geworden und haben einen "Glaubensbonus und Vorschuss" wie sonst auf dem Arbeitsmarkt keiner. Auch Gewerkschaften greifen inzwischen zu Mitteln die ich nicht mehr nachvollziehen kann und stellen jede Aussage eines AG zunächst mal öffentlich an den Pranger anstatt sich für ein förderliches miteinander einzusetzen.

Das mag daran liegen, dass auch die Firmen nicht davor zurückschrecken, eine Gewerkschaft sofort zu verklagen, wenn man dazu auch nur den kleinsten Hebel sieht. Das hat dann in aller Regel auch deutliche monetäre Konsequenzen für die Funktionsträger und gerade die "kleinen", spezialisierten Gewerkschaften sind danach in der Regel Pleite.
Siehe z.B. Klagen gegen die Fluglotsen oder gegen die VC hier in D.

Das pauschale Gewerkschaftsbashing ist hier Fehl am Platz. Insofern gebe ich Ihnen Recht, dass wir leider mal wieder nicht die echten Hintergründe für diese Aktionen kennen...
Beitrag vom 14.04.2017 - 12:08 Uhr
Und kleiner Nachtrag: nichts ist im DACH Arbeitsrecht so einfach, wie "krankfeiern" obwohl man nicht krank ist


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