BREGENZ - Nach dem angekündigten Rückzug von Air Berlin sei der Allgäu Airport Memmingen für die am nachbarlichen Bodensee Airport beheimatete Intersky derzeit kein Thema. Wie Claus Bernatzik, Chef der österreichischen Regionalairline, gegenüber aero.at erklärte, hat es dafür auch gute Gründe: "Grundsätzlich haben wir ein klares Ziel, das wir nachhaltig und konsequent verfolgen - wir wollen hier in der Region Marktführer bleiben-, derzeit sind wir es in Friedrichshafen".
Der durch den Rückzug Air Berlins frei werdende Markt sei zwar verlockend, das Ziel von Intersky sei es aber aus eigener Kraft nachhaltig zu wachsen. Bernatzik wörtlich: "Schuster bleib bei deinen Leisten, Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Unser Geschäft ist durch hohe Investitionen und niedrige Margen geprägt - an diesen Risiken haben sich schon einige Airlines überhoben."
Gegenüber lokalen Medien äußerte sich Bernatzik, er sehe in der Memminger Entwicklung die eigene Strategie bestätigt, ein Regionalflughafen sei mit großen Flugzeugen nicht wirtschaftlich zu betreiben. "Es ist schön zu sehen, wie der Flughafen Friedrichshafen und Intersky in den vergangenen Jahren gemeinsam bewiesen und es geschafft hätten, als Partner in fast allen Bereichen Erfolg zu haben."
Im Krisenjahr 2009 standen beide Unternehmen freilich gehörig unter Stress. Während die erfolgsverwöhnte Intersky dank einer schwarzen Null 'mit einem blauen Auge' davon kam (Intersky Miteigentümerin Renate Moser), schrieb der Bodensee-Airport mit einem Betriebsverlust von 2,76 Mio EUR rote Zahlen. Durch den Rückzug von Ryanair musste der Flughafen auch deutliche Verkehrseinbußen hinnehmen. Bernatzik sieht zwar auch 2010 als weiterhin schwierig, er sei aber 'vorsichtig optimistisch'. Wie berichtet, verzeichnete die Airline im laufenden Jahr eine Steigerung der Nachfrage von teilweise bis zu 40 Prozent.
Intersky betreibt ab dem Bodenseeflughafen zur Zeit fünf 50-sitzige Turboprops (4 eigene Bombardier Dash-8 und 1 geleaste ATR), die auf bis zu vier täglichen Flügen nach Köln, Düsseldorf, Münster/Osnabrück, Hamburg und Berlin, sowie nach Wien und Graz unterwegs sind. Im Sommer fliegt die Airline auch zu zahlreichen Zielen am Mittelmeer.
Bis auf Köln seien alle Strecken wirtschaftlich. Auf der im Wettbewerb mit Germanwings beflogenen Kölnstrecke wären freilich die Flieger beider Airlines stets halbleer. Germanwings fliegt die Strecke seit Frühjahr 2010 zwei Mal täglich mit 150-sitzigen Airbus-Jets, zusätzlich zu den vier werktäglichen Turboprops der Intersky. Darüber hinaus fliegt Intersky seit Sommerfugplan auch zweimal im Tagesrand nach Düsseldorf.
Unabhängig von der Einstellung der Memminger Berlinstrecke hat Intersky ab November eine zusätzliche (vierte) Verbindung nach Berlin geplant. Die Auslastung der Intersky-Maschinen in die Bundeshauptstadt liege derzeit zwischen 50 und 60 Prozent.
.