SEATTLE - Boeing Commercial Airplanes Vorstand Scott Carson hat sich in einem Gastbeitrag für das "Wall Street Journal" für eine Effizienzrichtlinie zur Senkung der Treibhausemissionen im Luftverkehr ausgesprochen. "Ein Effizienzstandard sollte an der Entwicklung neuer Verkehrsflugzeuge ansetzen", schreibt Carson. Dieser Weg sei zielführender, als Betreibern Vermeidungspflichten aufzuerlegen.
Es sei selten, dass ein Unternehmen sich für zusätzliche staatliche Regulierung ausspreche. "Eine geordnete Regulierung könnte sich gleichwohl als sinnvoll erweisen", so Carson. Boeing, General Electric und auch andere Flugzeug- und Triebwerkshersteller seien überzeugt, dass eine verbindliche Effizienzrichtlinie die Entwicklung treibstoffsparender Techologien fördere.
Das Rahmenwerk könnte von der International Civil Aviation Organization (ICAO) gesetzt werden, die bereits erfolgreiche Standards für Lärm- und Stickstoffoxidemissionen entwickelt habe, führt Carson aus. Mit dem Vorschlag einer an die Hersteller gerichteten Regulierung stellt sich Boeing gegen das Emissionshandelssystem (EU-ETS) der Europäischen Kommission. EU-ETS legt die Einhaltung von Emissionsgrenzen Flottenbetreibern auf.
Der Umgang mit dem Klimawandel stelle den Flugzeugbau vor besondere Herausforderungen, kommentiert Carson. Batteriesysteme, wie sie die Automobilindustrie einsetzt, eigneten sich nicht für Flugzeuge, die auf starke Schubaggregate angewiesen sind. Daher seien in der Luftfahrt alle Ansätze auszuschöpfen.
Carson wies in diesem Zusammenhang auf eigene Initiativen des Flugzeugbaus zur Erhöhung der Treibstoffeffizienz hin. Da Flugtreibstoffe für Flottenbetreiber historisch den zweitgrößten Betriebskostenfaktor nach menschlicher Arbeit darstellen, habe in der Branche von jeher ein hoher Anreiz zur Entwicklung treibstoffsparender Technologien bestanden.
Allein in den vergangenen 50 Jahren sei so die Effizenz neuer Verkehrsflugzeuge um 70 Prozent gesteigert worden.
Förderung alternativer Treibstofftechnologien
Der Flugzeug- und Triebwerksbau unternehme gegenwärtig erhebliche Anstrengungen, alternative Flugtreibstoffe zu entwickeln. Treibstoffe auf Grundlage erneuerbarer Rohstoffe, die nicht in Wettbewerb zum Lebensmittelanbau stehen, würden mit zwischen 50 und 80 Prozent weniger Kohlenstoffdioxidemissionen verbrennen als konventionelles Kerosin.
"Wir haben bereits Testflüge mit vielen unterschiedlichen Gemischen auf Algen- und Leindotterbasis durchgeführt", schreibt Carson. "Alle haben extrem gute Leistungswerte gezeigt." Zudem wiesen diese Treibstoff einen niedrigeren Gefrierpunkt als konventionelle Flugtreibstoffe auf - ein wichtiger Faktor für den Einsatz in Flugzeugmotoren.
Carson regte an, den Übergang zu alternativen Treibstoffen durch Regierungsdarlehen an Raffinernien zu fördern. "Wir hoffen sehr, dass Regierungsvertreter diese Ideen aufgreifen, denn unserer Ansicht nach sind Biotreibstoffe die einzig nachhaltige Antwort auf die Klimaschutzfragen der Luftfahrt."
Carson erneuerte zudem seine Forderung nach der zeitnahmen Einführung eines optimierten Verkehrssystems ("NextGen") im Luftraum der Vereinigten Staaten. Die Regierung sollte die hierzu erforderlichen Mittel so schnell wie möglich zur Verfügung stellen.
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