FRANKFURT - Nach der vorläufigen Beruhigung des Vulkans in Island rechnen die deutschen Fluggesellschaften noch nicht mit einem Ende der millionenschweren Belastungen. "Es kommt noch viel mehr auf uns zu", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), Ralf Teckentrup, am Mittwochabend beim Luftfahrt-Presse-Club in Frankfurt. Von der Politik erwarten die Airlines Schadenersatz für die erlittenen
Belastungen.
Nach dem Flugverbot im April könnten die Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Flughäfen ihre entgangenen Einnahmen in den kommenden Jahren zumindest teilweise über höhere Gebühren von den Fluggesellschaften zurückholen.
Insgesamt hat die Sperrung des europäischen Luftraums den deutschen Fluglinien laut BDF einen Schaden von 180 Millionen Euro eingebrockt. Darin sind die Auslandstöchter - etwa bei der Lufthansa - noch nicht eingerechnet. Teckentrup, der im Hauptberuf Chef der Thomas-Cook-Fluglinie Condor ist, rechnet nun damit, dass alleine die DFS in den kommenden Jahren den erlittenen Einnahmeausfall von 30 bis 40 Millionen Euro auf die Fluglinien umlegt.
"Die Flugsicherung arbeitet nach dem Kostendeckungsprinzip", sagte der Manager. Sie kann sich ihre Kosten stets von den Fluglinien zurückholen. Auch Flughäfen könnten sich von den Behörden höhere Start- und Landegebühren genehmigen lassen, wenn sie ihre Kosten für den Flugbetrieb sonst nicht decken könnten, sagte der BDF-Chef.
Deshalb erwartet Teckentrup nun Unterstützung von der Politik: Sie soll weiteren Belastungen für die Airlines einen Riegel vorschieben. Zudem will der Verbandspräsident einen Ausgleich für die erlittenen Schäden erreichen. "Wir glauben, wir haben ein Recht auf Schadenersatz." Dazu gebe es bis jetzt "das eine oder andere Gespräch, aber nichts Offizielles". Ihm komme es derzeit darauf an, das Krisenmanagement für künftige Vulkanausbrüche zu verbessern, sagte er.
Inzwischen gehe man davon aus, dass die Aschewolke, die den Flugbetrieb in Europa fast eine Woche lang großenteils lahmgelegt hatte, "gar nicht da war". Nach fünf Wochen des Aschespuckens hatte sich der Vulkan Eyjafjallajökull am vergangenen Wochenende beruhigt.
Weltweit 2,4 Prozent weniger Fluggäste befördert Wegen der isländischen Vulkanasche waren die Passagierzahlen im internationalen Luftverkehr im vergangenen Monat stark zurückgegangen. Weltweit wurden im April 2,4 Prozent weniger Fluggäste befördert als noch vor einem Jahr. In Europa, wo mehr als 100.000 Flüge ausfielen, gingen die Zahlen gar um 11,7 Prozent zurück. Dies teilte die Internationalen Luftfahrtorganisation IATA am Donnerstag in Genf mit.
Die Auswirkung der Aschewolke habe die Industrie in dem Moment getroffen, als diese sich gerade von der globalen Finanzkrise erholte, erklärte die IATA. Gleichzeitig übte die Organisation erneut harsche Kritik am Vorgehen der europäischen Regierungen wegen der «unkoordinierten und exzessiven Flugstreichungen».
Außer in Europa gingen auch in Nordamerika die Fluggastzahlen leicht zurück (-1,9 Prozent), während in anderen Regionen wie dem Mittleren Osten (13,0) und Afrika (8,6) deutlich mehr Personen flogen als im Vorjahresmonat. Den internationalen Luftfrachtsektor traf die Aschewolke weniger hart, die Zahlen gingen im Vergleich zu März nur leicht zurück.
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