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Tankerausschreibung

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Ein Pokerspiel mit gezinkten Karten

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EADS/Northrop Grumman KC-45, © Northrop Grumman
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PARIS - Es wirkt wie ein Poker mit gezinkten Karten. Die Amerikaner bieten dem europäischen Rüstungskonzern EADS die Chance auf ein gigantisches Geschäft mit 179 Tankflugzeugen im Wert von 35 Milliarden Dollar. Doch Marktexperten raunen, das sei gar nicht ernst gemeint und solle nur politischen Streit mit Europa vermeiden.

EADS wirft sich mit den forschen Worten «Wir treten an, um zu gewinnen» in die Schlacht. Aber in der Branche wird gemunkelt, das Geschäft sei eine Fata Morgana und EADS wolle nur Druck ausüben, damit sein Erzrivale Boeing keine freie Hand bei Preisen und Gewinnmargen habe. Im März hatte EADS-Chef Louis Gallois nach dem Ausstieg des US-Partners Northrop Grumman noch erklärt: «Ich sehe nicht, wie wir alleine gewinnen könnten.»

Derweil sitzen die US-Streitkräfte auf heißen Kohlen. Jeden Monat mustert die Air Force einen ihrer betagten Lufttanker aus. Die Nachfolger sollten längst bereit stehen. Boeing hatte den Auftrag als Monopolist schon in der Tasche, doch er wurde wegen Regelverstößen storniert und nach neuer Ausschreibung an EADS vergeben - um auf Protest von Boeing 2008 erneut zurückgezogen zu werden. Dabei wurde das Geschäft immer mehr zum Politikum.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy warfen sich für EADS in die Bresche und nötigten US-Präsident Barack Obama das Versprechen eines fairen Wettbewerbs ab. Sarkozy versicherte Obama dafür, dass EADS sich um den Tankerauftrag bewerben werde. Das macht es für den Airbus-Konzern schwer, einfach das Handtuch zu werfen.

Doch drei Fakten sprechen Insidern zufolge gegen einen Auftrag an EADS: Die jüngste Ausschreibung wurde stark auf Boeings Tanker 767 zugeschnitten. EADS hat noch keinen US-Partner für die Anpassung seines A330-Tankers an die US-Militärstandards; Gespräche mit L3 oder Raytheon brachten bisher kein Ergebnis. Drittens treibt mit der Krise der Wirtschaftspatriotismus in Washington kräftige Blüten.

Das Pentagon will EADS nur bis zum 9. Juli Zeit für sein Angebot lassen. Die Entscheidung könnte dann in den Kongress-Wahlkampf fallen, der einen fruchtbaren Boden für protektionistische Argumente bildet. Schon bisher sind die Lobbyisten hyperaktiv. Der Vorsitzende des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses, Norm Dicks, riet US-Konzernen öffentlich von einem Pakt mit EADS ab. Dabei müsste er eigentlich nach Wettbewerb trachten, um die Preise zu drücken.

Boeing versucht unterdessen, EADS in politischer Quarantäne zu isolieren. Man sei «tief besorgt über die Fähigkeit des hoch subventionierten Unternehmens Airbus/EADS, finanzielle Risiken in einer für ein kommerzielles Unternehmen wie Boeing unmöglichen Höhe einzugehen.» Washington habe «vor einem Weltgericht bewiesen, dass diese Subventionen den Wettbewerb zwischen Airbus und Boeing direkt verzerren», erklärte Boeing.

Es dürfe «keine weiteren Änderungen zu Gunsten eines nicht-amerikanischen Hauptauftragnehmers» geben. In der Hinterhand stets das Argument der Arbeitsplätze. Allein bei Zulieferunternehmen und Fertigungsstätten in Kansas würden bei einer Auftragsvergabe an Boeing 7.500 neue Arbeitsplätze entstehen, legte Boeing Anfang Mai nach.

Für Boeing steht viel auf dem Spiel. Erst 2009 wurde der Konzern von BAe Systems als weltgrößter Rüstungskonzern entthront. Nach dem Verlust sicher geglaubter US-Aufträge für Kampfflugzeuge, C-17- Transporter und Raketen will Boeing nicht noch eine Schlappe beim Tanker einstecken. Auch für EADS ist der Einsatz hoch.

Verwurzelung im Dollarraum

Es geht um den Ausbau des Militärgeschäfts und die Verwurzelung im Dollarraum - für den Tanker soll ein Airbus-Werk in Alabama gebaut werden. Nach den Milliardenkosten beim Militärtransporter A400M und bei der A380 soll es aber kein Dumpingangebot geben, sagt Airbus-Chef Thomas Enders.

Immerhin: Washington akzeptiert die Europäer als Hauptlieferant, was die Einweihung in bestimmte Militärgeheimnisse einschließt. Doch «wir brauchen unbedingt einen örtlichen Partner», sagt Gallois. Sollte die Suche scheitern, hätte EADS zumindest beim Pentagon guten Willen gezeigt. Das könne die Chancen bei künftigen Aufträgen erhöhen, heißt es. Bei Hubschraubern für die US Army ist EADS schon jetzt als «prime contractor» mit US-Produktion im Geschäft.

© Hans-Hermann Nikolei (dpa), aero.de | Abb.: The Boeing Company | 03.05.2010 10:10




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