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100 Jahre Erstflug von Laroche

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Eine Frau geht in die Luft

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Elise Laroche, © PD
Die junge Elise ließ sich einfach nicht zähmen. Ohne Starterlaubnis gab die 23-jährige Künstlerin Elise Deroche Gas und hob ohne Kopiloten als erste Frau überhaupt mit einem Motorflugzeug ab. Es war der Beginn einer abenteuerlichen Fliegerkarriere, bei der die Französin mehrere Rekorde aufstellte. Am 22. Oktober 2009 jährt sich ihr nur 270 Meter langer Erstflug zum 100. Mal.

Deroche wurde am 22. August 1886 als Tochter eines Klempners geboren. In einer Zeit, als Frauen kein Wahlrecht und kaum Zugang zu Bildung und qualifizierten Berufen hatten, tingelte sie als Sängerin und Schauspielerin durch Varietés. Sie malte und schuf Plastiken - und stieg mit Fesselballons in die Lüfte. Die junge Künstlerin kam in der Gesellschaft an. Sie war jung, sie war schön, sie war draufgängerisch und hatte technisches Verständnis. Auf der Bühne trat Elise selbstbewusst als Baronin Raymonde de Laroche auf. Unter diesem Namen wurde die Flugpionierin international berühmt.

Bei einem Essen der «Baronin» mit dem vier Jahre älteren Piloten Charles Voisin kam 1909 die Idee auf, Laroche solle das Fliegen lernen. Voisin steuerte die von seinem Bruder Gabriel gebauten Doppeldecker. Er konnte Laroche keinen Wunsch abschlagen. «Mein Bruder stand ganz unter ihrem Daumen», schrieb Gabriel Voisin später.

Am 22. Oktober 1909 war es soweit. Elise durfte sich in Châlons (Champagne) mit Voisins Einsitzer vertraut machen. Der Pilot verbot der Schauspielerin strikt, die Maschine zu starten. Doch Elise hielt sich nicht daran. Nach einigen Rollversuchen drehte sie den Doppeldecker gegen den Wind und gab dem 50-PS-Motor Vollgas. Die junge Frau sei drei bis fünf Meter aufgestiegen und habe die Maschine kühl und präzise gesteuert, heißt es. Bei der Landung applaudierten die Zuschauer. Tags darauf flog die falsche Baronin bei kräftigem Wind bereits sechs Kilometer weit. Laroche erklärte, sie habe die Maschine stets völlig unter Kontrolle gehabt.

Am 8. März 1910 machte Elise, gefördert von Voisin, als erste Frau den Pilotenschein des Internationalen Luftfahrtverbandes FAI. Noch im selben Jahr nahm sie als einzige Frau an einer Flugschau in der Champagner-Metropole Reims teil. Doch Laroche stürzte ab und verletzte sich schwer. Von zahlreichen Knochenbrüchen genesen, setzte sich die «Baronin» erneut in die «Teufelsmaschinen» und gewann einen Frauenwettflug über vier Stunden. Dabei schaffte sie einen Längenrekord von 323 Kilometern.

Mit Schauvorführungen und Wettflügen von Ägypten bis Sankt Petersburg erntete Laroche weltweit Anerkennung. 1912 überlebte sie nur knapp einen Autounfall, bei dem Voisin starb. Doch ihren Drang zu Geschwindigkeit und Motorkraft konnte das nicht bremsen. Nur im Weltkrieg musste sie pausieren und fuhr mit dem Auto Offiziere zur Front. 1919 erreichte Laroche in Issy als erste Frau die Flughöhe von 3900 Metern. Schnell von der Amerikanerin Ruth Law entthront, startete Laroche erneut und setzte mit 4800 Metern einen neuen Rekord.

Bei ihrem letzten Flug im Sommer 1919 saß die «Baronin» nicht selbst am Steuer. Laroche wollte Testpilotin werden. In Le Crotoy an der Seine-Mündung flog sie als Begleitung in einer neuen Caudron- Maschine mit. Sie sollte die Seile kontrollieren. Die Maschine stürzte beim Landeanflug ab. Elise Deroche wurde nur 32 Jahre alt.

© dpa | Abb.: PD | 21.10.2009 19:21




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