"Messer im Rücken"
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Eurowings-Piloten rechnen mit Cockpit ab

Eurowings Airbus A320-214
Eurowings Airbus A320-214, © Michael Lassbacher

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FRANKFURT - Die Vereinigung Cockpit ließ eine Verständigung mit Lufthansa über die Einstellung von Air-Berlin-Piloten bei Eurowings Deutschland platzen. Für die überraschende Volte muss sich die Pilotengewerkschaft jetzt deutliche Kritik aus den eigenen Reihen anhören.

Es war eine schwere Geburt: erst nach drei Verhandlungsrunden einigten sich Tarifkommission und Lufthansa über die Erweiterung von Eurowings Deutschland. Hier sollten vor allem Piloten von Air Berlin eine neue berufliche Perspektive finden, doch am Montag kippte der VC-Vorstand den Plan, legte sein Veto ein.

Cockpit begründete den Rückzieher mit "verbandsübergeordneten Gründen" - und erntet bei Piloten von Eurowings Deutschland dafür blankes Entsetzen.

"Gegen uns"

"Die Gewerkschaft, die unsere Interessen und Rechte schützen und vertreten soll, (...) zog drei Minuten vor Ablauf ihr Vetorecht, gegen unsere TK, gegen uns und vernichtete schlagartig jede Hoffnung auf Wachstum, Perspektive für externes sowie für Bestandspersonal", machen die Piloten in einem offenen Brief ihrem Ärger Luft, der aero.de vorliegt.

Der VC-Vorstand verbaue "vollwertigen Mitgliedern" Karrierechancen, konkret 80 Copiloten, "die nun nicht zum Kapitän befördert werden". Die Piloten sprechen gar von einem "Messer im Rücken".

Nach dem Veto muss Lufthansa bei Eurowings Deutschland weiterhin nach den Spielregeln eines Tarifvertrags arbeiten, der noch bis 2019 gilt und eine Haltelinie bei 23 Flugzeugen zieht. Mit der Kappung grenzte die VC Günstig- und Kernflotte voneinander ab - in Stein gemeißelt ist sie nicht.

"Eine Überschreitung von 23 Flugzeugen löst ein Sonderkündigungsrecht des Vergütungstarifvertrages für die Vereinigung Cockpit aus. Ob dieses Sonderkündigungsrecht wahrgenommen wird, steht dabei gar nicht fest", sagt Markus Wahl von der VC.

Eurowings kann also durchaus über die 23 Flieger hinaus wachsen, muss dann allerdings damit rechnen, dass die Gewerkschaft zu neuen Verhandlungen über das Tarifniveau lädt.

Lufthansa hat inzwischen einen Plan B - der Konzern will Piloten nun eben doch bei Eurowings Europe in Österreich einstellen und nach deutscher Gehaltstabelle entlohnen. Neue Eurowings-Langstrecken aus Düsseldorf zieht Lufthansa mit Hilfe und Personal der Tochter Brussels Airlines hoch.

Stresstest oder handfeste Vertrauenskrise?

Cockpit verweist darauf, dass man Lufthansa bereits weit entgegengekommen sei als Eurowings Deutschland ihre Flotte von CRJ auf größere A320 umstellte. Am Vergütungsniveau für eine A320 wollte die Gewerkschaft nicht weiter sägen, ist aus Pilotenkreisen zu erfahren.

Zudem gebe es innerhalb der VC Zweifel daran, dass Lufthansa bei Eurowings Deutschland tatsächlich organisches Wachstum über die von Air Berlin übernommenen Flugzeuge hinaus plane - selbiges wäre allerdings die Voraussetzung, um Copiloten der aktuellen Flotte zu befördern.

Die Interessenvertretung unterschiedlicher Pilotengruppen war für Cockpit schon immer ein Spagat. Jetzt gerät sie vollends zum Drahtseilakt.

Man sei "schon in der Vergangenheit nicht richtig vertreten worden", stellen die Eurowings Deutschland-Piloten der Gewerkschaft die Vertrauensfrage. "Es ist kurz vor Zwölf, aber man fragt sich für wen? Für die Mitarbeiter oder für die Gewerkschaft?"
© aero.de | Abb.: Michael Lassbacher | 09.11.2017 14:55

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Beitrag vom 12.11.2017 - 12:31 Uhr

wenn man in Deutschland stationiert ist, zahlt man auch deutsche Sozialabgaben und ist in Deutschland steuerpflichtig. Auch Österreich hat Gewerkschaften und in deutschen Niederlassungen ausländischer Unternehmen können genauso Betriebsräte gegründet werden

Fragen sie doch mal Kollegen in Österreich, wie gut das funktioniert.... Z.B. die Gewerkschaftsanbindung und Betriebsratsgründung bei EWE im Cockpit....
Beitrag vom 12.11.2017 - 12:29 Uhr
Ich denke, bei Überschreitung von 23 Flugzeugen bei EWD besteht ein Sonderkündigungsrecht für den bis 2019 geltenden Tarifvertrag. Dass dieses Recht auch wahrgenommen wird, ist natürlich nicht vorauszusehen.
In der jetzigen, schon recht komplizierten Umstrukturierungsphase tut LH aber gutes daran, dieses Risiko nicht einzugehen.
Das Kann man jetzt Grenze nennen oder auch nicht.

Man kann es auch Erpressung nennen ;-) Von welcher Seite, kann man hier im Forum sehr gut erkennen, hängt immer davon ab, mit wem man sympathisiert...

Meine Sympathien sind eher auf der VC-Seite einzuordnen, insofern gebe ich Ihnen Recht, dass meine Sichtweise "gefärbt" ist.

Natürlich kann und soll ein LH-Konzern nicht 1 zu 1 die gleichen Bedingungen liefern, wie eine Pleite AB liefern. Sich aber komplett aus der Tarifverantwortung zu ziehen halte ich auch nicht für legitim. Ein Job-"Angebot" zu EWE-Beidingungen, bzw. zu EWD-Einstiegsbedingungen sind da meiner Meinung nach eher als Farce einzuordnen...
Beitrag vom 12.11.2017 - 11:50 Uhr
Ich denke, bei Überschreitung von 23 Flugzeugen bei EWD besteht ein Sonderkündigungsrecht für den bis 2019 geltenden Tarifvertrag. Dass dieses Recht auch wahrgenommen wird, ist natürlich nicht vorauszusehen.
In der jetzigen, schon recht komplizierten Umstrukturierungsphase tut LH aber gutes daran, dieses Risiko nicht einzugehen.
Das Kann man jetzt Grenze nennen oder auch nicht.


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