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Showcase Le Bourget

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Paris Air Show, © Aeroport Le Bourget

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» Die gemeinsame Arbeit an künftigen Antriebssystemen ist der beste Beitrag, den unsere Branche zu einem ‚grüneren‘ Luftverkehr leisten kann (Paris Air Show 2013)«
Tom Enders- EADS

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»Wir stecken in einer Zwickmühle: immer mehr Menschen fliegen, die Passagierzahlen steigen. Gleichzeitig steigt der Kerosinpreis und wir müssen strengere Umweltauflagen erfüllen. Einen Ausweg bietet nur unser Erfindungsreichtum (PAS 2013)«
Peter Löscher - Siemens
PARIS - Der "Aerosalon Le Bourget" ist längst vom Schauplatz der Grande Nation zur globalen Arena mutiert. Das 50.Pariser Turnier endete dennoch mit einem Heimsieg. Mit 466:442 Neuverträgen hielt Airbus den Erzrivalen Boeing hauchdünn auf Distanz. Hinter der spektakulären Auftragsflut stehen aber zunehmend Fragezeichen zu spekulativen Märkten, die alles andere als stabil sind.

Euphorie statt Krisenstimmung? Vor allem in den BRIC-Staaten, aber auch in Süd-Ost Asien, Lateinamerika und Afrika ist der Aufholbedarf nach zeitgemäßer Mobilität ungebrochen. Geflogen wird dort aber vor allem auf Kredit. Bezahlt wird mit künftiger Wirtschaftsleistung, die erheblich vom Import der alten Industrieregionen abhängt.

Natürlich ist dieses Szenario stark vereinfacht, genauso wie die Prognosen von Airbus, Boeing und Co. Tatsache ist aber, das Wachstum der Verkehrsluftfahrt finanziert sich zunehmend mit Blankoschecks auf eine unberechenbare Zukunft. Was sich künftig in der Luft tut, werden nicht nur wirtschaftliche sondern zwingend auch natürliche Faktoren bestimmen, wie Klimawandel oder verfügbare Rohstoff- und Energieressourcen.

Kürzliche Megaorders wie jene von Lion Air, Air Asia oder Indigo, aber auch von 'Westerners' wie Ryanair, Southwest, Spirit, Norwegian oder Wizzair basieren vor allem auf dem stetig steigenden Bedarf nach leistbaren Flugreisen. Mit reziproken Wirkungen. Je mehr geflogen wird, desto teurer wird der Zugang zum Naturgut Sprit. Und über Emissionssteuern auch zum Naturgut Luft.

Die Hersteller kontern diese Effekte mit effizienterem Gerät. Neubauten wie Boeings Dreamliner oder zuletzt der Airbus A350 XWB sind wie die nachgebesserten NEO, MAX und X-Versionen allesamt Derivate herkömmlicher Verbrennungstechnik mit einem ökonomischen Ziel: leistbare Kosten sollen die Verkehrsluftfahrt auf Wachstumskurs und damit Bedarf und Angebot in Balance halten. Investiert wird nicht in neue, nachhaltig ÖKOnomische Technologien, sondern in eine nachhaltige Produktion von mehr Maschinen.

Mit einem Backlog von über 10.000 Maschinen und einem bis 2032 erwarteten Weltbedarf von 35.000 neuen Verkehrsflugzeugen, gehen Airbus wie Boeing längst bis an die Grenzen des (derzeit) Möglichen. Mit neuen Verfahren in der Produktion, wo Flugzeuge wie Autos nach dem Legoprinzip auf beweglichen 'Montagebändern' maschinell zusammengebaut werden, aus weltweit angelieferten Systemkomponenten, sollen künftig monatlich bis zu 175 neue Maschinen einen Monatsumsatz von über 20 Milliarden USD bringen. 2012 lieferten Airbus und Boeing jeden Monat zusammen rund 100 Maschinen aus.

Das Dilemma der Hersteller ist offensichtlich. Angetrieben von den um jeden Kostendollar ringenden Airlines, ist jedes Prozent mehr Effizienz zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Bei einer prognostizierten Verdreifachung der Nachfrage in nur zwanzig Jahren sind aber selbst Verbesserungen von 15 bis 25 Prozent nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein der Anstieg der Energiekosten wird die Ertragsbilanz der Airlines auch weiterhin und wohl sogar verstärkt belasten.

Der Druck zum Wagnis völlig neuer Technologien, vor allem bei den Antrieben, wird mit jeder in Le Bourget bestellten Maschine noch weiter steigen. Und damit auch die Notwendigkeit einer globalen Bündelung der kreativen Kräfte.

Die  Entwicklung einer völlig neuen Generation von Verkehrsflugzeugen mit einer wirtschaftlich relevanten Programmlaufzeit, die weit über den Prognosezeitraum hinausgeht, kann schon heute kein Anbieter mehr alleine leisten.

Nach über 100 Jahren Verbrennungstechnik, gut 60 Jahre davon mit Turbinenantrieben, steht auch in der Luftfahrt ein fundamentaler Paradigmenwechsel an: Fliegen muss künftig nicht nur leistbar sein, sondern auch naturverträglich. Und dafür wird es eine globale Zusammenarbeit brauchen, über alle historischen Grenzen hinweg, kommerziell, politisch wie makroökonomisch.
© Bob Gedat, aero.at | Abb.: Aeroport Le Bourget | 23.06.2013 22:44

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Beitrag vom 26.06.2013 - 19:44 Uhr

Ich persönlich setz' weder auf Nostradamus, noch auf schier grenzenlose Ressourcen gleich welcher Art, sondern auf unsere naturgegebene Kreativität, und das ist das Einzige, was auf dem Planeten wirklich unbegrenzt ist.

Cheers. Was ich schrieb nur etwas freundlicher ausgedrückt.
Beitrag vom 26.06.2013 - 18:16 Uhr
Darf mich als Autor des Blogs hier mal in die Diskussion einschalten. Vorab, ich find's gut, dass das Thema dabei über die Fliegerei hinaus geht. Mit gerade mal 2 Prozent Anteil ist die Luftfahrt in der Energie- und Umweltthematik ja nur ein kleiner Randbereich, wenn auch mit katalytischer Schlüsselwirkung.

Grundsätzlich ist wohl offensichtlich, dass man mit der heutigen Technik unmöglich 10 Milliarden Menschen nach westlichem Maßstab "mobilisieren" kann, und das in nur einer Generation. Weder am Boden, noch in der Luft oder am Wasser. Zusätzlich zu der postulierten Versorgung auf angemessenem "Wohlstandsniveau". Dazu braucht's schließlich weder wissenschaftliche Belege, noch Expertisen von McKinsey, Berger oder dem Club of Rome.

Eine Generation ist freilich eine verdammt kurze Zeit für einen elementaren Kurswechsel auf allen Ebenen, technisch, wirtschaftlich, politisch, und nicht zu vergessen auch kulturell.

Sixpence hat das Eigeninteresse der Energiewirtschaft angesprochen, erschlossene Ressourcen und Infrastrukturen so lange wie möglich zu nutzen, verständlicherweise, darin ist enormes Kapital und Material gebunden, eben jene Masse die die Wirtschaft aktuell im Gang hält. Das Gleiche gilt freilich für die Transportwirtschaft. Ohne elementaren Kurswechsel sägen sie sich damit aber allesamt den Ast ab, auf dem sie sitzen. Die Verantwortlichen in der Energie. und Transportwirtschaft sind sich dessen sehr wohl bewusst, aber genauso wie ihre Partner in der Finanzwirtschaft und Politik sind sie völlig ratlos, wie sie in dem komplexen Umfeld und der Trägheit ihrer selbstgeschaffenen Eigenmasse von A nach B kommen. Das in der Diskussion zitierte AKW in der Hosentasche ist schlicht eine unerfüllbare Illusion.Wozu auch? Jeder Grashalm ist zu 100 Prozent in den Energiekreislauf senes Umfelds eingebunden. Selbst wenn er verdörrt, hat er immer noch Wert als Nahrung.

Mit den NEO, MAX und X-Entscheidungen versuchen die Hersteller erstmal Zeit zu gewinnen, bei überschaubarem Risiko. Das Thema geht aber weit über ihre eigenen Möglichkeiten hinaus, NEW GEN ist ein kollektives Thema, das vor allem politisch umsetzbare Perspektiven verlangt, auf die sich die Industrie verlassen kann, genauso wie die Investoren- Derzeit wartet einer auf den anderen, wie der ganze Kyoto-Prozess ja deutlich zeigt. Was fehlt, ist die existentielle Notwendigkeit entschlossen zu handeln, und davon sind wir (leider oder Gott sei Dank) noch lange weg. Dazu kommt auch, dass völlig neue Technologien heute (wie gestern) ja nicht einfach 'sanft' bis zur Einsatzreife erprobt werden können, wie in einem ADAC-Übungspark. Allein deren Zertifizierung würde in einem zivilen Umfeld Jahrzehnte brauchen.

Grundlegende Veränderungen hatten in der Vergangenheit ihren Ursprung stets in einer existentiellen Bedrohung. Das Gebot jeder Krise ist Veränderung. Unsere heutige Technik basiert überwiegend auf Kriegsentwicklungen bis hin zu den Innovationsschüben des kalten Krieges. Ohne B52 hätte es keine B707 gegeben und ohne Badger keine Tu-104, die letztlich den Grundstein für die moderne Verkehrsluftfahrt legten. Selbst unsere moderne IT-Technik hat ihre Wurzeln in dem strategisch getriebenen Wettlauf der Raumfahrt.

Der 'Gegner' der Zukunft ist niemand Geringerer als die Natur, deren Teil wir alle sind. Ein Wahnsinn dagegen 'Krieg' zu führen, bloß um die Wallstreet am Leben zu halten. Die neue Herausforderung ist nicht weniger als die Transzendenz der Widersprüche zwischen Ökonomie und Ökologie. Die Natur ist 100 Prozent ökonomisch. Sie kennt weder 'Wirkungsgrad' noch 'Effizienz' und damit auch keinen 'schädlichen' Abfall. Was wir zu einem grundlegenden Umbau unserer Lebensbereiche brauchen, ist ein Wandel der Werte, und damit verbunden, ein erweitertes Veständnis von Wertschöpfung. Statt Nutzen durch mehr Gewinn, mehr Gewinn durch Nutzen. Das stammt übrigens nicht von mir, sondern von ex LH-Chef Mayrhuber.

Ich persönlich setz' weder auf Nostradamus, noch auf schier grenzenlose Ressourcen gleich welcher Art, sondern auf unsere naturgegebene Kreativität, und das ist das Einzige, was auf dem Planeten wirklich unbegrenzt ist.

Dieser Beitrag wurde am 26.06.2013 18:30 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 26.06.2013 - 14:38 Uhr
@saftfrucht,

nicht alles läßt sich über das Knie brechen! Z. B. ein international akzeptierte Standard für eine sichere Endlagerung von Kernspaltungsabfällen..
Die kommerzielle praktisch rückstandsfreie Kernfusion wäre wohl die eierlegende Wollmilchssau, von der wir alle träumen... Einige müssen davon aber schon seid über 40 Jahren träumen.Das war übrigens auch eine Schnittmengen von Kapitalismus und Kommunismus!

Erdöl wird es erstmal ein paar Jahre/Jahrzehnte geben. Keine Starts- und Landungen in FRA wg. eines weltweiten Kerosinmangels ist noch arg utopischl


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