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B747-Werten droht freier Fall

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Japan Airlines-Insolvenz schlägt auf Flugzeugmarkt durch

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Boeing 747 der Japan Airlines am Narita Airport, © Derrick Coetzee
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LONDON - Die Insolvenz der japanischen Fluggesellschaft Japan Airlines stellt den Fortbestand platzierter Unternehmensaufträge für neue Verkehrsflugzeuge des Herstellers Boeing in Frage. "Japan Airlines hat 71 unerfüllte Bestellungen (bei Boeing, Red.)", erklärte Konzernsprecher Bernard Choi am Mittwoch gegenüber aero.de. Das offene Ordervolumen teilt sich Einzelaufträge über 20 737, neun 767, sieben 777 und 35 787 auf.

Die Abnahme dieser Flugzeuge wird von der für den Weiterbetrieb der Japan Airlines entwickelten Strategie abhängig sein. Die überschuldete Fluggesellschaft wurde in dieser Woche unter Gläubigerschutz gestellt und soll unter staatlicher Aufsicht saniert werden. Japan Airlines hält sich seit Monaten nur mit Notkrediten in der Luft.

Der staatliche Umstrukturierungsplan sieht eine Kreditlinie über 600 Milliarden Yen (4,6 Mrd Euro) vor. Zudem will die Enterprise Turnaround Initiative Corp (ETIC), die mit der Sanierung beauftragt ist, 300 Milliarden Yen in JAL investieren. Die Verbindlichkeiten der Airline beliefen sich zum 30. September auf 2,32 Billionen Yen. JAL soll im Geschäftsjahr 2012, das bis 31. März 2013 läuft, wieder profitabel werden.

Der genaue Sanierungsplanung liegt noch nicht vor. Japan Airlines wird sich allerdings erheblich verkleinern. Ein Drittel der Belegschaft - rund 15.600 Mitarbeiter - wird Japan Airlines verlassen. Das Unternehmen hatte zudem bereits im Dezember damit begonnen, sich von unprofitablen Langstrecken zurückzuziehen. Der künftige Betriebsschwerpunkt soll in den regionalen Netzen liegen.

Der Umbau der Gesellschaft wird sich damit auch in der Flotte wiederspiegeln. Nach japanischen Medienberichten soll JAL für ihren Neuanfang mit bis zu 50 neuen Regionaljets ausgerüstet werden. Neben 16 MD-90 soll zeitgleich auch die gesamte Boeing 747-400 Flotte der JAL - 37 Flugzeuge der Klassen -400F, -400BCF, -400D und -400I - stilllgelegt werden.

Werte gebrauchter 747-400 im freien Fall


Nach Experteneinschätzung wird die JAL-Insolvenz damit auch unmittelbar auf den nach der Wirtschaftskrise ohnehin erheblich ins Ungleichgewicht geratenen Markt für gebrauchtes Fluggerät durchschlagen. Insbesondere die Bewertungen für gebrauchte Boeing 747-400 könnten weiter erheblich unter Druck geraten und auch Betreiber aktiver Flotten zu Sonderabschreibungen veranlassen.

"Stand Januar 2010 sind bei Airfax (Handelsbrief für gebrauchtes Fluggerät, Red.) 31 Boeing 747-400 zum Verkauf gelistet", erklärte Rob Morris, Chefanalyst des europäischen Flottenvermarkters BAE Systems Asset Management, in einer Stellungnahme gegenüber aero.de. Dies sind nur vier Flugzeuge mehr, als im Januar 2009.

"Allerdings ist die Aufteilung der Maschinen sehr interessant", erklärte Morris. "21 der 31 verfügbaren Flugzeuge sind Passagiermaschinen. "Die 747-400 ist im Vergleich mit modernen zweimotorigen Passagierflugzeugen zusehens unwirtschaftlicher zu betreiben." In der jüngeren Vergangenheit dienten gebrauchte 747-400 daher regelmäßig als Ausgangsmaterial zum Frachterumbau.

"Mit den gegenwärtigen Überkapazitäten am Markt wird es aber auch hier immer schwieriger, Absatzpotenziale auszumachen", kommentierte Morris. "Dies hat sich natürlich erheblich in den Preisen niedergeschlagen. Gegen Ende 2009 waren die Werte bereits um 30 Prozent gegenüber 2008 zurückgegangen und ich gehe davon aus, dass es weitere Abschläge geben wird."

Stilllegungsquote bereits auf neuem Allzeithoch

Die Stilllegungsquote in der weltweiten 747-400 Flotte schnellte nach einer Markteinschätzung der Luftfahrtberatung 7Seas Aviation im Krisenjahr 2009 von 2,8 auf 9,3 Prozent hoch. Damit blieben 64 Flugzeuge geparkt. Auch wenn nicht jede dieser Maschinen zum Verkauf gelistet wurde, macht die Stilllegungsquote das Risikopotenzial für die weitere Wertentwicklung der 747-400 deutlich.

Der Umbau der Japan Airlines wird von Flottenvermarktern daher mit größter Sorge verfolgt. "Das potenzielle Auftreten von 37 weiteren Flugzeugen am Markt (...) wird bei unveränderter Nachfragesituation zusätzlichen Druck auf die Angebotsseite ausüben", kommentierte Morris.


© aero.de | Abb.: randomduck, cc by sa | 21.01.2010 09:38




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