SANTA FE - Die Tankerausschreibung der US Air Force wird allein zwischen Boeing und EADS entschieden. Das Gebot eines dritten Konsortiums aus dem ukrainischen Hersteller Antonov und U.S. Aerospace wird in dem Vergabeverfahren wegen einer verpassten Frist nicht mehr berücksichtigt. Am 9. Juli um 14.00 Uhr lief die Bieterfrist ab. Der Stempel auf dem Gebot von Antonov/U.S. Aerospace dokumentiert einen Eingang um 14.05 Uhr.
Das von dem Konsortium vorgeschlagene Konzept AN-112 KC sollte die Ausschreibung mit einem Kampfpreis aufmischen. Für die Lieferung von 179 Flugzeugen kalkulierten Antonov/U.S. Aerospace 29,5 Milliarden
US Dollar - und unterboten damit den veranschlagten Ausschreibungswert von 35,0 Milliarden US Dollar deutlich.
Beobachter hatten dem Angebot von Beginn an keinerlei Aussicht auf Erfolg eingeräumt. Mit dem Ausschluss will sich Wortführer U.S. Aerospace dennoch nicht abfinden. Anfang August reichte das Unternehmen eine förmliche Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde GAO am US Kongress ein, die im Jahr 2008 bereits die jüngste Vergabeentscheidung an EADS nach einem Protest von Boeing aufgehoben hatte.
Der entsandte Bote sei mit den Unterlagen eine halbe Stunde vor Fristablauf an der Wright Patterson Air Force Base zur Einreichung des Gebots erschienen, schreibt U.S. Aerospace in der Beschwerde. Das Personal des Stützpunkts habe dem Boten zunächst den Zugang zur Basis verweigert und anschließend eine falsche Wegbeschreibung gegeben.
"Mit unserem Protest legen wir auch unserere Ansicht dar, dass einzelne Bedienstete der Air Force die Abgabe der Unterlagen durch unseren Boten absichtlich verzögert haben könnten, um aus politischen Erwägungen gegen unseren osteuropäischen Zulieferer einen Vorwand für unseren Ausschluss zu schaffen", erklärte U.S. Aerospace.
Ebenso rügt das Unternehmen, dass die Bieterfrist für EADS nach dem Rückzug seines Partners Northrop Grumman problemlos um 60 Tage verlängert wurde.
Bereits dritter Anlauf der AusschreibungEs ist bereits die dritte Ausschreibung für den Tankerauftrag der
US-Luftwaffe. Einmal hatte Boeing gesiegt, einmal EADS. Wegen
Mauscheleien und angeblicher Formfehler wurden aber beide Zuschläge
wieder einkassiert. Europäische Politiker warfen der US-Regierung
Protektionismus vor. Die US-Luftwaffe muss insgesamt 534 Tanker und Frachter ersetzen.
Im
ersten Los geht es um 68 Maschinen und undatierte Folgeaufträge für 111
Flugzeuge. Boeing geht mit der 767 NewGen Tanker in die Ausschreibung. EADS bietet die KC-45 auf Basis des Airbus A330 an. Eine Entscheidung der Vergabestelle wird frühestens im November erwartet.
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