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Linienpilot fliegt 13 Jahre mit gefälschter Lizenz

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AMSTERDAM - Mehr als 13 Jahre hat ein schwedischer Pilot mit einer gefälschten Fluglizenz Passagiere durch die Welt geflogen. Jetzt wurde der 41-Jährige auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol festgenommen.

Der Mann habe gerade eine Boeing 737 der türkischen Fluggesellschaft Corendon Airlines startklar gemacht, die mit 101 Passagieren nach Ankara fliegen sollte, teilte die Flughafenpolizei am Mittwoch mit.

Ein Anwalt von Corendon Airlines erklärte, die Gesellschaft habe selbst aktiv bei der Festnahme mitgewirkt. «Im Rückblick war es Glück im Unglück, dass der Mann bei uns niemals allein geflogen ist.» Er habe alle Leute in der Firma «professionell getäuscht». Es sei selbstverständlich, dass der Schwede nie wieder in ein Cockpit von Corendon gelassen werde.

In den vergangenen Jahren habe der Betrüger auch für verschiedene Gesellschaften in Belgien, Großbritannien und Italien gearbeitet, hieß es bei der Polizei. Bei der Festnahme am Dienstag erklärte der Mann, er sei erleichtert, dass sein Betrug doch noch aufgeflogen sei. «Er nahm sich sofort selbst die Kapitänsstreifen auf seiner Uniform ab», sagte ein Polizeisprecher.

Die niederländischen Behörden waren durch einen Tipp schwedischer Ermittler auf den Betrüger aufmerksam geworden. Er hatte vor längerer Zeit tatsächlich einen Flugschein gemacht, aber nur für kleinere Privatmaschinen. Wie er gelernt hat, auch größere Maschinen zu beherrschen und schließlich die Lizenz für Verkehrsflugzeuge so fälschen konnte, dass sie 13 Jahre akzeptiert wurde, blieb zunächst unklar.

© dpa | 03.03.2010 16:31




Leser-Kommentare (3)

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04.03.2010 11:22
Fachliche Kompetenz und Betrug sind zwei paar Schuhe. Natürlich könnte er jetzt versuchen alle nötigen Qualifikationen nachzuholen - aber was nützt Dir das, wenn Du vorbestraft bist wegen Betrugs, und dann auch noch, weil Du fliegerische Befähigungen vorgetäuscht hast. So jemanden will kein Personaler und kein Flottenchef noch Geschäftsführer in einem Cockpit sehen.
04.03.2010 10:00
Stimme dieser Ansicht inhaltlich voll zu. Am Anfang war der Man ein wirklich eine große Gefahr. Wenn ich da den Bericht mit dem Crossairpiloten mit gültiger Lizenz gegen halte wäre mir der lieber. Aber es ist natürlich richtig auch jetzt noch zu handeln und sei es nur um Nachahmer abzuschrecken. Könnte der denn jetzt den Schein offiziell mit allen Prüfungen nachträglich noch machen?

So etwas hat es ja auch schon im Medizinsektor gegeben wo Leute mit abgebrochenem Medizinstudium oder sogar nur mit Sanitäterausbildung scheinbar erfolgreich an Kliniken tätig waren. Davor kann einem wirklich nur grausen.

PS: Mit der Ansicht im vorletzten Absatz macht man sich (auch wenn es logisch nachvollziehbar ist) in einschlägigen Kreisen kaum beliebt oder sehe ich das falsch?
04.03.2010 00:51
Na jetzt wär's auch egal gewesen - nach 13 Jahren wird er ja wohl so gut fliegen können wie ein Pilot mit echter Lizenz.

Im speziellen Fall wird die Maschine in seinen Händen wohl sicherer gewesen sein als in denen eines Jungpiloten, der frisch von der Flugschule gekommen ist. Die Zeiten, in denen durch ihn ein echtes Risiko bestand, die gab es - aber die sind schon locker 10 Jahre her...

Ja, trotzdem muß man da selbstverständlich handeln, insofern war die Aktion natürlich vollkommen ok. Nur hätte sie 13 Jahre früher kommen müssen, als echte Gefahr im Verzug war. Jetzt bestand keine mehr. Immerhin hat er ja bei all seinen Airlines alle Prüfungen und Sims bestanden. Im Zweifel ist das sogar höher zu bewerten als ein Stück Papier, auf dem "ATPL" steht.

Erstaunlich ist, daß er selbst so erleichtert war - offenbar sollte es am Anfang eine Art Abenteuer werden, und dann ist ihm die ganze Sache über den Kopf gewachsen, und er kam nicht mehr aus eigener Kraft heraus. Wahrscheinlich, weil die Alternative Arbeitslosigkeit gewesen wäre.

Lustig ist der letzte Satz. Es ist offenbar immer noch sehr verwurzelt, daß Flugzeugfliegen Hexenwerk ist, oder zumindest nur von speziellen Übermenschen beherrscht werden kann... Dabei geht eine ATPL schneller als jede Facharbeiterausbildung - und wenn er bereits eine PPL hatte, ist der Umstieg auf die 737 vergleichbar mit dem vom Golf auf den Reisebus. Der fährt auch mit Gas, Bremse, Kupplung, Lenkrad und Gangschaltung.

Ich kann nicht anders - die Leistung des Mannes nötigt mir Respekt ab. Allein die Nervenstärke, die er gehabt haben muß, als er zum ersten Mal den großen Bock fliegen mußte...

Dieser Beitrag wurde am 04.03.2010 01:42 Uhr bearbeitet.


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