Historische Schmalspur-Eisenbahn
Älter als 7 Tage

Mit dem Vulkan-Expreß von Brohl nach Engeln

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Vulkan-Expreß, © Brohltal-Schmalspureisenbahn Betriebs-GmbH

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Vulkan-Expreß

Weitere telefonische Informationen unter 02636 / 80303. Zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben wurde ein Spendenkonto: 518548 bei der Kreissparkasse Ahrweiler, BLZ 57751310, Verwendungszweck: 11sm, eingerichtet. Spender erhalten selbstverständlich eine steuerlich wirksame Spendenquittung.
BROHL - Nicht viele wissen, wo der linksrheinische Ort Brohl auf der Landkarte zu finden ist. Bekannter ist vielleicht der alte Werbespruch: "Trink Brohler, dann geht`s Dir wohler", der für die Qualität des bekannten Mineralwassers aus diesem Ort am Mittelrhein steht.

Es gibt aber auch ein anderes Highlight in Brohl, der Vulkan-Expreß (eingetr. Name), eine 17,5 km lange Schmalspur-Eisenbahn (1000 Millimeter), die sich nicht nur an Sonn- und Feiertagen durch das romantische Brohltal bis auf 465 Meter Höhe hinaufschlängelt.

Die Bahn hat alles, was die Fahrt interessant macht, eine fast 111jährige Historie, einen 100 Meter langen Tunnel, zwei Viadukte, eine Steilstrecke und herrliche Ausblicke in die vulkanisch geprägte Landschaft.

Man fährt vorbei an blühenden Gärten, trutzigen Häusern aus Vulkangestein, einem Sägewerk, der Rennsportwagen-Schmiede Zakspeed, aber auch an den nicht so prickelnd anzusehenden Anlagen des Rhodius-Getränkewerkes.

Der Zug stoppt an mehreren Haltestellen mit klingenden Namen. Bad Tönisstein ist nur eine davon, aber Engeln, die heutigeEndstation, fühlt sich irgendwie himmlisch an, was übrigens auch für den dortigen Restaurationsbetrieb "Royal´s" gilt.

Schöne Landschaft, nettes "Personal"

Was will man mehr? Die Passagiere sind zufrieden, denn das freiwillige und ehrenamtlich arbeitende "Personal" ist freundlich und hilfsbereit, und für Speis und Trank ist ebenfalls bestens gesorgt. Die Mitglieder der sehr aktiven Interessengemeinschaft Brohltal-Schmalspureisenbahn e. V. (IBS) sind wirklich rührend um die Gäste bemüht. Zu Ostern, Nikolaus und zu Weihnachten werden Sonderfahrten durchgeführt, bei denen nicht nur für Kinder zahlreiche Überraschungen bereitgehalten werden. Auch zu anderen festlichen Gelegenheiten können Fahrten arrangiert werden.

Die Züge führen übrigens einen extra Güterwagen mit, in den die Fahrräder kostenlos verladen werden können. Die Talfahrt per Velociped erfreut sich offenbar großer Beliebtheit ebenso, wie die interessanten Spaziergänge, die man von unterwegs aus unternehmen kann.

Ein und eine halbe Stunde dauert die Fahrt des sieben Wagen langen Zuges, der zurzeit von einer ehemals in Kassel gebauten 45 Jahre alten vierachsigen Diesellokomotive mit bewegter Vergangenheit gezogen wird. Es stehen aber noch einige weitere Lokomotiven zur Verfügung.

Die Vereinsmitglieder haben nicht weniger als zehn lange Jahre gebraucht, um diese in Spanien gekaufte deutsche Henschel-Lok D5 wieder fahr- und zulassungsfähig zu machen.        

Die Anforderungen an Lok und Wagen sind auf einer maximalen Steigung von 1:20 (ein Meter Steigung auf 20 Meter Horizontale) ziemlich hoch, und dafür sind eben nicht viele Lokomotiven und Wagen geeignet. Zwei kleinere polnische Dampfloks fuhren nur bis Oberzissen, waren aber jedenfalls auf die Dauer zu schwach und wurden deshalb wieder verkauft.

Projekt historische Mallet-Dampflokomotive 11 sm

Die ganze Hoffnung liegt nun auf der historischen, schweren Mallet-Dampflokomotive 11smaus dem Jahr 1906, die seit ihrer Außerdienststellung vor mehr als 40 Jahren nicht mehr in Betrieb war und auf Umwegen zu ihrem früheren Eigentümer und Einsatzort zurückgekehrt ist.

Dieses bei der Firma Humboldt in Köln gebaute Schätzchen befindet sich zurzeit im 420 km entfernten Benndorf, Mansfeld-Südharz / Sachsen-Anhalt in Wiederherstellung bei der Firma Malowa. Diese letzte, auf der Strecke eingesetzte Dampflokomotive soll im zweiten Halbjahr 2011 zur Brohltalbahn zurückkehren und ihren Dienst wieder aufnehmen.

Für Enthusiasten nicht zu teuer

Über 450.000 Euro Restaurierungskosten sind eine Menge Geld für die Interessengemeinschaft, deshalb darf unter dem Bild das Spendenkonto genannt sein. Mit der Instandhaltung der Gleis- und Signalanlagen verursacht der Bahnbetrieb erhebliche weitere Kosten, die nur knapp durch die Fahrpreise wieder eingespielt werden können.

Man fragt sich vielleicht, weshalb die Brohltal-Bahn nicht bekannter ist? Das liegt wohl daran, dass die Anlage ursprünglich vorwiegend für den Transport von Vulkangestein, insbesondere des sog. Phonolith zur Glasherstellung,gegründet wurde und der Personenverkehr nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Am Brohler Rheinhafen gibt es denn auch diverse Umschlaganlagen zum Weitertransport per Schiff, die man beim Vorbeifahren auf der Bundesstraße9 erkennen kann.

Die Brohltalbahn besteht aus zwei Gesellschaften. Als Infrastruktur-Unternehmen: die Brohltal-Eisenbahn GmbH (BEG), deren Mehrheits-Gesellschafter die Verbandsgemeinde Brohltal mit Sitz in Niederzissen ist. Als Eisenbahn-Verkehrsunternehmen: die Brohltal-Schmalspur-Eisenbahn Betriebs-GmbH. Sie wurde von der IBS gegründet und erhielt 1993 die gesetzliche Genehmigung für das "Einbringen von Eisenbahn-Verkehrsleistungen im öffentlichen Personen- und Güterverkehr", sprich Beförderungserlaubnis.

Mehrmals vor der Stilllegung gerettet


Mindestens schon zweimal, 1987 und 1991-93, stand die Bahn kurz vor der Stilllegung. Die Rettung ist den engagierten Eisenbahnfreunden der Interessengemeinschaft zu verdanken, ohne deren tatkräftigen Einsatz die Bahn heute nicht betrieben werden könnte.

Man kann dem Verein nur wünschen, dass bald wieder die Schläge der historischen Dampflok im Tal erklingen, die zweifellos den höchsten Genuss für die Fangemeinde darstellen. Begeisterung und Leistungsfähigkeit konnten bereits durch den Betrieb zweier geliehener Dampfloks der Selfkantbahn und insbesondere der Harzer-Schmalspurbahnen für kurze Zeit getestet werden.
© Prof. Dr. Claus Schwarze, Köln | Abb.: Brohltal-Schmalspureisenbahn Betriebs-GmbH | 15.08.2011 10:38


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