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Metropole der Superlative

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Shanghai findet Anschluss an die Weltspitze

Foto
Die Skyline von Shanghai, © Keith Marshall, cc by sa
Anreise
Lufthansa, Air China und China Eastern fliegen täglich von Deutschland nach Shanghai. Der Flug dauert etwa zwölf Stunden. Vom Flughafen Pudong lässt sich mit dem Taxi (150 bis 200 Yuan) oder der Magnetschnellbahn Transrapid (50 Yuan) in die Stadt fahren. Es gibt auch Airport-Shuttle-Busse zu Metrostationen oder großen Hotels.
Klima und Reisezeit
Für Reisen am besten sind das Frühjahr (März bis Mai) und der Herbst (Oktober bis November). Die Expo 2010 geht vom 1. Mai über den feuchtheißen Sommer bis zum 31. Oktober. Die Temperaturen können im Sommer 40 Grad erreichen, während sie im Winter bis auf den Nullpunkt fallen können.
Formalitäten
Deutsche benötigen einen noch sechs Monate gültigen Pass und ein Visum: Botschaft der Volksrepublik China, Brückenstraße 10, 10179 Berlin (Tel.: 030/27 58 85 72, www.china-botschaft.de).
Währung
Der Yuan, auch Renminbi (RMB) genannt, verändert sich im Verhältnis von etwa 10:1 zum Euro nur wenig. Zehn Yuan sind ein Euro. Große Hotels, teure Restaurants und Kaufhäuser nehmen Kreditkarten. An Geldautomaten kann auch mit der EC-Karte Bares abgehoben werden.
Informationen
Fremdenverkehrsamt der VR China, Ilkenhansstraße 6, 60433 Frankfurt (Tel.: 069/52 01 35, www.china-tourism.de).
SHANGHAI - Es ist zweifellos die beeindruckendste Stadt Chinas: Selbstbewusst erhebt Shanghai einen Anspruch auf neue Größe und schließt schnell den Abstand zu anderen Weltmetropolen wie New York, London oder Berlin. Vor allem will die Hafenstadt Hongkong den Rang als asiatisches Finanzzentrum ablaufen.

Zwei der weltgrößten Wolkenkratzer im Finanzviertel Pudong dokumentieren den Ehrgeiz. Daneben entsteht trotz globaler Finanzkrise noch das Shanghai Center: 632 Meter wird sich der Megaturm bis 2014 in den Himmel schrauben und dann weltweit nur vom Burj Khalifa in Dubai übertroffen werden.

Was Olympia 2008 für Peking war, soll die am 1. Mai beginnenden Expo 2010 für Shanghai werden. Mit erwarteten 70 Millionen Besuchern und 250 teilnehmenden Ländern und Organisationen wird es die größte Weltausstellung aller Zeiten - ein Superlativ, der zum «Drachenkopf am Jangtse» passt. Shanghai ist das wirtschaftliche Zentrum Chinas. Rund 10 000 ausländische Firmen haben sich hier niedergelassen.

Wo früher Tee und Opium verschifft wurden, wird heute mit Aktien, Stahl und Computern gehandelt. In dem Häusermeer der 18 Millionen Einwohner zählenden Mega-City findet sich eine einzigartige Mischung aus Modernität, Konsum und chinesischem Alltag - gepaart mit Resten asiatischer Exotik, die zunehmend bedroht ist. Um den Yuyang-Garten mit dem alten Teehaus im chinesischen Viertel ist die Tradition aber noch spürbar: Geschwungene Dächer recken sich gen Himmel, rote Lampions schmücken die Straßen. Dampfende Garküchen bieten auf Holzspießen frittierte Krebse, Tintenfische und vieles mehr an.

Menschenmassen schieben sich durch die Gassen. Geschäfte bieten Schmuck, Perlen, Papierdrachen, Seidenschals, Plastikspielzeug und Kitsch an. Der penetrante Geruch von «Chou Doufu», einer stinkenden, frittierten Art des Tofu-Sojabohnenkäses, liegt in der Luft. Wer auf gutes Eis und teuren Kaffee nicht verzichten will, findet auch internationale Ketten wie Starbucks und Häagen Dazs.

«Rolex watch?», «iPhone?», «Do you want a bag?», sprechen Schwarzhändler Ausländer an, halten ihnen Prospekte mit gefälschten Designer-Taschen und Luxusuhren unter die Nase. Mancher wird hier über den Tisch gezogen. Auch kann bei der Rückreise Ärger mit dem heimischen Zoll drohen.

Westliches Dinner, Gulasch-Suppe und Jazz

Entspannter geht es in der Old China Street (Fangban Lu) zu, wo alte Frauen selbst gebastelten Kopfschmuck oder süße Backwaren verkaufen. Über den Ladenlokalen gibt es im oberen Stock Nudelsuppen und die in Shanghai berühmten gefüllten Teigtaschen Baozi und Xiaolongbao. Selbst bei Straßenhändlern lassen sich diese Dampfnudeln bedenkenlos essen. Für ausländische Besucher gilt: Wo viele Chinesen essen, muss es gut sein. Und wenn es keine bebilderte Speisekarte gibt: einfach auf die Teller auf Nachbartischen zeigen.

In Shanghai lässt sich auch ausgezeichnet westlich essen, doch wird das schnell etwas für den großen Geldbeutel. Im Touristenviertel Xintiandi («Neues Paradies») kann ein westliches Dinner zu zweit locker mehr als 100 Euro kosten. Ausgerechnet hier, wo 1921 die Kommunistische Partei Chinas gegründet wurde, herrscht der blanke Kapitalismus. Ohne Vorbehalt lässt sich hingegen die Gulasch-Suppe für umgerechnet fünf Euro im «House of Jazz and Blues» empfehlen.

«Die Musik ist schon gut, aber ich würde auch nur für die Suppe kommen», schwärmt eine 45-jährige deutsche Touristin aus Shanghais Partnerstadt Hamburg. «In Shanghai wirkt Jazz- und Blues-Musik auch gar nicht fremd, sondern hat hier ihre eigenen Wurzeln.»

Der Club liegt an der Fuzhou-Straße, einer Nebenstraße des Bund, der alten Uferpromenade am Huangpu-Fluss. Die Kolonialbauten sind Zeugnis der ruhmreichen Vergangenheit, während die Wolkenkratzer auf der anderen Flussseite den Aufbruch in eine neue Zukunft verheißen.

Am Bund sind das Zollamt von 1927 zu finden, das Gebäude der Bank of China von 1936 oder das im Chicago-Stil gebaute «Peace-Hotel», wo schon Charlie Chaplin gewohnt hat. Das legendäre Hotel mit seinem Art-Deco-Foyer ist aber wegen Renovierung geschlossen, und die Arbeiten scheinen langsam voranzukommen.

Manches alte Gebäude steht leer oder hätte dringend eine Sanierung nötig. Nur die Uferpromenade wird zur Expo renoviert. Es gibt wenig Flair, auch wenn globale Marken wie Prada oder Zegna glauben, mit Läden am Bund vertreten sein zu müssen.

Vom Garden Hotel zu den King Albert Apartments

Schön restauriert, mit betulichem Charme von gestern, zeigt sich hingegen im alten französischen Viertel das «Garden Hotel» aus den 30er Jahren. Das Gebäude war einst der exklusive französische Club. Er nahm als einziger Frauen und als erster auch Chinesen als Mitglieder auf. Nach dem Sieg der Kommunisten 1949 erkor Mao Tsetung das Clubhaus zu seiner Residenz. Der Ballsaal mit dem bunten Glasdach ist für Hochzeitsfeiern beliebt, und im angrenzenden Park bieten alte Bäumen, der Springbrunnen und dicke Palmen eine schöne Kulisse.

Nicht weit entfernt ist das Herz der französischen Konzession: die «King Albert Apartments» von 1930, die wie eine Oase in der Großstadt neben der Shaanxi-Südstraße liegen. Der Verkehrslärm verschwindet hier zwischen den sandfarbenen viergeschossigen Gebäuden und wird von Vogelgezwitscher ersetzt. Sonnenlicht bricht sich durch die hohen Bäume. An langen Stangen hängt Wäsche zum Trocknen an den Fenstern.

Im Pyjama zum Einkaufen

Dass die Wäsche so ins Freie gehängt wird, passt den Stadtoberen nicht mehr ins Bild einer modernen Metropole. Ebenso wollen sie den Shanghaiern austreiben, im Pyjama zum Einkaufen zu gehen - eine charmante Eigenart, die sich durch das heiße Sommerwetter und die beengten Wohnverhältnisse erklären lässt. Früher mussten sich häufig mehrere Familien ein Bad teilen. Jeder sah jeden im Schlafanzug. Warum also nicht den ganzen Tag im bequemen Nachtanzug herumlaufen? Nicht umsonst haben Pyjamas auch Taschen für Schlüssel und Geldbörse.

Typisch für die engen Behausungen ist die «Cité Bourgogne» von 1930 im französischen Viertel. In den Lilongs genannten Gassenhäusern lebte in den 40er Jahren die Hälfte der Shanghaier. Nur wenige wurden in den 90er Jahren unter Denkmalschutz gestellt, viele andere wurden abgerissen - und ihre Bewohner in weit entlegene Vororte umgesiedelt.

Auch die Expo ist manchmal nur ein Vorwand für den Abriss alter Quartiere. «Die Leute, die da wohnten, können sich die neuen Wohnungen nicht mehr leisten und müssen ganz weit weg ziehen», sagt der 44-jährige Wang Jinjun. Der Taxifahrer hofft in diesem Sommer auf viele Fahrgäste: «Die Expo ist schon gut für die Stadt.» Für die einfachen Leute werde das Leben aber immer härter. «Alles wird teurer. Du verdienst aber nicht mehr. Ob es reicht, weißt Du nicht.»

Ganz ohne Geld gibt es im Fuxing-Park noch das Tanzvergnügen. Aus einer Stereoanlage, betrieben mit Autobatterien, klingen Walzertöne. Einige Tänzer haben sich mit Krawatte herausgeputzt, andere tragen Daunenjacke und Pudelmütze. Auf der Wiese lassen Familien im Wind die Drachen steigen. Hier in den Parks ist das pralle Leben zu finden.

Heiratsmarkt hiflt bei Suche nach "Qualitätsmann"


Im Volkspark, wo zu Kolonialzeiten die Pferderennbahn war, gibt es samstags und sonntags einen Heiratsmarkt. «Unsere Kinder haben keine Zeit und müssen arbeiten. Deswegen helfen wir ihnen, einen Ehepartner zu finden», sagt Yang Jieyun, ein Vater.

Auf Zetteln, die an Leinen aufgehängt sind, stellen sich Heiratskandidaten vor. «Weiblich, 27 Jahre, gut aussehend, weiße Haut, aus intellektueller Familie, hoher Standard, Jahreseinkommen 70.000 Yuan, arbeitet für ein Top-500-Unternehmen» - so werden Vorzüge angepriesen und Wünsche geäußert: «Suche ausgeglichenen Qualitätsmann mit Shanghaier Wohnortregistrierung und Bachelor-Abschluss.»

«Wie groß ist Ihre Tochter?», tauschen sich Eltern erwachsener Kinder aus. «Wie auf dem Viehmarkt», staunt eine ausländische Touristin. Doch arrangierte Hochzeiten haben in China Tradition. Yang Jieyun erklärt die Prioritäten: «Der Mensch ist entscheidend, dann kommt die Ausbildung, der Beruf und dann, ob er eine eigene Wohnung hat.» Liebe als Voraussetzung für eine Ehe mag ihm nicht einfallen.

Heute wie früher blüht in Shanghai die gewerbliche Liebe. «Kann ich Ihnen unsere Bar zeigen?», spricht ein junger Mann in bestem Englisch ausländische Männer direkt vor einem Luxushotel an. «Wir haben viele hübsche Mädchen.» In den Kneipen mit den roten Lampen auf der anderen Straßenseite reißen die Mädchen sofort die Türen auf, wenn potenzielle Kunden vorbeigehen: «Hello Boy!», «Come in!», rufen sie und pflegen damit alte Traditionen einer großen Hafenstadt.

© dpa, aero.de | Abb.: Emile Brenner, cc by | 26.03.2010 09:00




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