MONTREAL - Es ist der von vielen Beobachtern vorhergesagte Bieterkampf: American Airlines und ihre Bündnispartner in der Allianz oneworld stocken im Ringen um den Erhalt des schwer angeschlagenen Mitglieds Japan Airlines (JAL) ihre Zusagen auf. In einer Erklärung vom Mittwoch stellen American Airlines und oneworld JAL eine Kapitalspritze von 1,1 Milliarden US Dollar in Aussicht. Das Beteiligungsangebot wurde mit dem Finanzinvestor TPG entwickelt.
Nach einem erfolgreichen Abschluss der Open Skies-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan will American Airlines mit JAL zudem eine enge Kooperation im Nachbarschaftsverkehr eingehen. Über die kommenden zehn Jahre könnte JAL in diesem Joint Venture 700,0 Millionen US Dollar an zusätzlichem Umsatz ziehen, erklärte American Airlines in einer Stellungahme.
Erst im November hatten Delta Air Lines und ihre Partner im Luftfahrtbündnis SkyTeam JAL ein Milliardenangebot gemacht - im Gegenzug für einen Bündniswechsel. Das Paket
beinhaltet 500 Millionen US Dollar in direkten Investitionen von SkyTeam sowie weitere 500 Millionen
US Dollar von Delta in Form von Umsatzgarantien und forderungsbesicherten Wertbpapieren (asset-backed financing).
SkyTeam erhöhte damit den Druck auf oneworld weiter, deren Mitglieder
Japan Airlines als Eckpfeiler der Asienanbindung des Netzwerks in der
Allianz halten wollen.
Insbesondere für American Airlines steht in
Tokio viel auf dem Spiel.
Die Fluggesellschaft will mit ihrem Gebot für eine
Minderheitsbeteiligung an JAL verhindern, dass Delta
ihre
internationale Dominanz weiter ausbaut und auf den Netzen zwischen
Nordamerika und Japan weiter erstarkt. Auch British Airways will einem Bündniswechsel der JAL
entgegenwirken.
Delta Air Lines hatte bereits im September ihre Absicht
bekundet, bei JAL einzusteigen. Verkehrsinteressen dürften
bei diesen Schritt gegenüber strategischen Erwägungen indes
zurückgestanden haben - der Zusammenschluss mit Northwest Airlines (NWA) im Jahr
2008 gab Delta bereits eigenen Zugang zum strategisch wichtigen
NWA-Drehkreuz in Narita.
oneworld auf Japan Airlines angewiesenAmerican Airlines und oneworld bleiben demgegenüber unmittelbar auf
Bündnispartner JAL angewiesen, wollen sie Narita auch weiterhin als Tor
zu Asien nutzen. Branchenanalysten sehen American Airlines und oneworld
daher unter erheblichem Zugzwang. Ein Verlust von JAL würde die
Stellung des Netzwerks in Asien nachhaltig gefährden.
Mitglieder der Bündnisse SkyTeam und Star Alliance, die mit All
Nippon Airways eng an Narita angebunden ist, könnten den oneworld
angeschlossenen Fluggesellschaften bei einem Austritt von JAL
Marktanteile auf dem asiatischen Markt abringen.
American Airlines sähe sich im Asienverkehr damit nicht nur
gegenüber Delta, sondern ebenso gegenüber den weiteren heimischen
Wettbewerbern Continental Airlines und United Airlines (jeweils Star
Alliance) im Hintertreffen.
Japan Airlines hatte im November bei Vorlage tiefroter Quartalszahlen Gespräche mit öffentlichen und privaten Investoren über eine Restrukturierungsfinanzierung bestätigt.
© aero.de | Abb.: world-of-aviation.de, Björn Schmitt Aviation Photography | 03.12.2009 16:59
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