Eisblock vom Himmel

Deutsche Airlinebranche über Berliner Regierung verärgert


BERLIN - In der deutschen Luftfahrtbranche herrscht dicke Luft. Gerade ziehen die Buchungen nach der globalen Konjunkturflaute wieder an, da überrumpelte die plötzliche Einführung der Ticketsteuer für Starts von deutschen Flughäfen die Airline-Bosse. «Diese eine Milliarde kam ja aus dem Himmel wie ein Eisblock geflogen», sagt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber mit Blick auf die von der schwarz-gelben Koalition eingeplante Jahresbelastung der Fluggesellschaften.

Wie viel von den Extrakosten am Ende auf den Tickets der Passagiere landet, liegt weiterhin im Nebel. Über den Umgang mit der Steuer beharken sich die Rivalen am deutschen Himmel auch untereinander.

Dass sie vom derzeitigen Kurs der Bundesregierung alles andere als begeistert sind, machen Luftfahrtmanager unisono deutlich. Schon im Frühjahr brachten sie die tagelangen Luftraumsperrungen wegen der Vulkanaschewolke aus Island auf die Palme. Ausgerechnet während der prestigeträchtigen Jahresversammlung des Weltluftfahrtverbands IATA Anfang Juni in Berlin verkündeten die Koalitionäre dann die neue Steuer für Abflüge ab 1. Januar 2011 - und setzten sie überraschend noch am Tag des Kabinettsbeschlusses in Kraft: am 1. September.

Ein «Konjunkturprogramm für ausländische Airlines» sei der Aufschlag, beklagt die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin, die sich gegen die «einseitigen Belastungen» weiter wehren will. Wie beim Branchenprimus Lufthansa nehmen aber auch die Planer von Vorstandschef Joachim Hunold die entfernungsabhängige Steuer von 8, 25 oder 45 Euro jetzt wohl oder übel in die Buchungssysteme auf.

Was dies für die konkreten Ticketpreise bedeutet, ist jedoch noch immer nicht abzusehen. Denn über ihre Computer steuern die Airlines komplexe Preissysteme mit diversen Variablen - etwa nach Tag und Uhrzeit des Fluges, der Auslastung und dem aktuellen Buchungseingang. Die Steuer ist da nur ein Faktor unter vielen.

«Ich gehe nicht davon aus, dass wir das eins zu eins weitergeben können an die Kunden», meint Lufthansa-Chef Mayrhuber. «Das haben wir noch nie geschafft. Dazu ist einfach die Wettbewerbsintensität zu groß.» Als Werbegag lockten Billigflieger schon mit reinen Flugpreisen von 0 Euro. Und die Lufthansa will trotz der Steuer weiterhin 99-Euro-Tickets anbieten.

Zusätzlich wurmt Air Berlin-Chef Hunold, dass die Steuer «massiv wettbewerbsverzerrend» im Inland wirke - gemeint ist: zugunsten der Lufthansa. Denn Fracht- und Umsteigeflüge, bei denen die Kranich- Linie viel stärker engagiert ist, sind davon ausgenommen. Lufthansa- Kapitän Mayrhuber hält dies für eine «Milchmädchenrechnung». Auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken, wo beide tatsächlich im Wettbewerb stünden, seien sie gleichgestellt. «Wir werden nicht bevorzugt, wir werden nicht benachteiligt gegenüber Emirates und anderen.»

Dass die Steuer noch vom Bundestag verändert werden könnte, glaubt Mayrhuber nicht mehr. «Dann hätten wir hinterher ein heilloses Durcheinander.»



© Sascha Meyer, dpa