Gutachten übt Kritik an Ermittlungsbehörde BEA
PARIS (dpa) - Gut vier Monate nach dem Absturz von Air France Flug AF447 über dem Atlantik haben Experten schwere Vorwürfe gegen die Ermittler erhoben. Den aus vereisten Geschwindigkeitsmessern entstehenden Risiken werde nicht ausreichend Rechnung getragen, urteilen zwei Piloten in einer Untersuchung, aus der die Zeitung "Le Journal du Dimanche" am Sonntag vorab zitierte.
Die A330 der Air France war am 1. Juni mit 228 Menschen an Bord auf dem Nachtflug Rio-Paris während eines Sturms abgestürzt. In wochenlanger Suche wurden bislang 51 Leichen und 1.000 Wrackteile geborgen. "Die Ermittlungsbehörde (BEA) versucht, die Rolle der Geschwindigkeitsmesser herunterzuspielen", sagte Gérard Arnoux, einer der Autoren der Studie, die in den kommenden Tagen der Justiz übergeben werden soll.
Die Probleme mit den Sonden seien lange bekannt gewesen. Die Sicherheitskriterien seien seit 1947 unverändert. Damals flogen die Flugzeuge niedriger, und das Problem einer Vereisung in großer Höhe stellte sich nicht. "Ohne die Panne der Pitot-Sonden wäre es nicht zum Absturz gekommen", sagte Arnoux.
Die Piloten seien nicht ausgebildet, um auf eine Vereisung der Geschwindigkeitsmesser angemessen zu reagieren. Bisher wurde empfohlen, beim Ausfall der Sonden die Geschwindigkeit zu steigern. Dies erhöhe jedoch das Absturzrisiko, heißt es in der Untersuchung. Air France habe die Piloten vier Tage nach dem Unfall aufgefordert, dieses Notfallmanöver nicht mehr zu fliegen.
Die BEA hatte bislang betont, dass der Ausfall der Pitot-Sonden keine Erklärung für den Absturz liefere und mehrfach vor vorschnellen Interpretationen gewarnt. Der Flugzeughersteller Airbus hatte den Fluggesellschaften nach dem Absturz empfohlen, die betroffenen Thales-Sonden durch Goodrich-Geräte auszutauschen. Im Herbst soll die Suche nach dem Wrack und dem Flugschreiber wieder aufgenommen werden.
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