A380 Taufe

Lufthansa bekennt sich zum Standort Wien


WIEN - Lufthansa Verbundvorstand Stefan Lauer und AUA-Vorstand Andreas Bierwirth nutzten die Taufe des Airbus A380 Wien zu einer politischen Bestandsanalyse und einem klaren Bekenntnis der Lufthansa-Gruppe zum Standort Wien. Wien und die AUA seien für die Lufthansa ein Kernelement im Aufbau eines starken europäischen Airlineverbunds, so Lauer vor Medien und 250 Ehrengästen. Dazu soll nun auch das AUA-Management durch einen dritten Vorstand verstärkt werden.

In Anwesenheit von Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Finanzchefin Renate Brauner präsentierte AUA-Vorstand Andreas Bierwirth zwei Jahre nach der AUA-Übernahme durch die Deutsche Lufthansa für den Standort Wien eine ansehnliche Zwischenbilanz. Trotz des unvermeidlichen und schmerzlichen Abbaus der AUA-Mannschaft von rund 8500 auf 6000 Mitarbeiter und einer Reduzierung der Flotte von 95 auf 80 Maschinen sei es der Airline nicht nur gelungen, die für Österreich so wichtigen Verbindungen nach Osteuropa  zu halten, sondern die Netzqualität noch deutlich zu verbessern.

Nicht zufrieden ist Bierwirth nach wie vor mit den Standortbedingungen. So sei die Gebührenbelastung hier immer noch viel zu hoch, sowohl am Flughafen Wien als auch durch die Austrocontrol und die neue Flugsteuer. Jedes verkaufte Ticket wäre hier inzwischen mit rund 28% Gebühren belastet. Zum Vergleich:  Eine SAS kommt mit 15% hin, eine Emirates gar mit 10%. Damit rangieren die Leistungsgebühren sogar noch vor Sprit und Personalkosten. Die Politik wolle zwar das Drehkreuz Wien, müsse dafür aber auch was tun.  

Inzwischen könne man davon ausgehen, dass die immer noch im Sanierungskorsett fliegende Airline ihr Jahresziel eines positiven EBITs nicht erreichen werde. So käme zu den operativen Belastungen wie die Nahost-Unruhen, Japankrise und steigende Energiekosten jetzt auch noch ein Rückgang der Nachfrage auf den USA-Strecken, bedingt durch eine zunehmende Rezessionsangst in der Region. Dies werde sich  auf das erhofft starke zweite Halbjahr ergebnismindernd auswirken.

Lufthansa Vorstand und AUA-Aufsichtsratsprecher Stefan Lauer übte sich indessen mit Geduld. Anders als von vielen Kreisen in Politik und Wirtschaft befürchtet, habe die Lufthansa ja nicht einen unerwünschten Mitbewerber aus dem Markt gekauft. Vielmehr setze der Konzern auf das starke Potential der AUA in ihrem erweiterten Heimatmarkt. Dazu gehöre neben dem Erhalt der Langstrecke vor allem auch die Weiterentwicklung des Standorts Wien als vierter Hub im Verbund der Lufthansa-Airlines. Wien sei ein Kernelement in der strategischen Planung des Konzerns, betonte Lauer. In diesem Sinne sei auch die Namensgebung ihres Flagschiffs zu verstehen.

Auch wenn die AUA dieses Jahr noch kein positives Ergebnis erreichen wird, zeigt Lauer sich zuversichtlich, dass die inzwischen von allen Verbundpartnern am besten integrierte Airline in einem vertretbaren Zeitrahmen eine ordentliche Rendite erwirtschaften werde. Dazu soll Austrian nun auch die bereits im Frühjahr 2011 vorgesehene Verstärkung im Vorstand erhalten. Einer APA-Journalistin gegenüber deutete Lauer an, die Lufthansa sei auf der Suche nach einem Nachfolger für AUA-Vorstandsanwärter Thierry Antinori nun im Hause fündig geworden: Jemand aus der 'Ersten Liga', mehr wollte Lauer nicht verraten. Wer das ist, soll noch in diesem Quartal bekannt gegeben werden. Die Ankündigung selber sei aber auch für die AUA überraschend erfolgt, so AUA-Sprecher Hehemann zu aero.at.

Eher kryptisch verblieb Wiens Bürgermeister Michael Häupl mit seiner Antwort auf seine Vorredner. Offensichtlich gut gelaunt freute sich Häupl über das gewaltige Flugzeug als neuen Namensträger seiner Heimatstadt, ging aber im Einzelnen nicht auf die hier von AUA und Lufthansa öffentlich gestellten Forderungen ein. Immerhin betonte Häupl aber die Wichtigeit eines guten Einvernehmens unter allen Systempartnern, auch wenn man in der Sache nicht immer einer Meinung sein muss und kann.



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