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Beitrag vom 28.03.2015 - 07:29 Uhr
Userlion737
Flugkapitän
User (5 Beiträge)
Was soll die Aufregung. Wenn nur ein einziger Unfall durch eine / nen CA im Cockpit verhindert werden kann, ist es die Sache wert. Das hat mit dem "Vieraugenprinzip" nichts zu tun. Es soll nur verhindern, dass der zweite Pilot nicht so ohne Weiteres ausgesperrt werden kann.

Was wird es wohl für Aufregung geben, wenn nächstens ein FB (im Schnellverfahren geschult, ohne tiefgehende psychologische Eignungsuntersuchung) das Flugzeug zum Absturz bringt, sobald er mit einem Piloten allein im Cockpit ist ?

Oder wenn mehrere Terroristen darauf warten, das nach dem Chime der FB nach vorn geht ?

Es gibt auch ernsthafte Bedenken, die mit Security nichts zu tun haben, aber sehr wohl mit Flugsicherheit. Warum gab es bis jetzt die strikte Anordnung, dass sich eben NIEMAND außer dem FO im Cockpit aufhalten darf, wenn der Commander das Cockpit verlässt ?

Es entschieden nun leider Leute (aufgrund des Mediendrucks), die vom Fach keine Ahnung haben. Schade !
Beitrag vom 28.03.2015 - 10:39 Uhr
UserFW 190
User (1943 Beiträge)

Es entschieden nun leider Leute (aufgrund des Mediendrucks), die vom Fach keine Ahnung haben. Schade !

Heute morgen war Peter Hinze beim DF zu hören. Neue Forderung Notrufmöglich aus der Kabine. Ich fasse es nicht wie dumm die Politiker sind. Ich habe ihm folgendes geschrieben:

Sehr geehrter Herr Hinze,

ich habe heute morgen Ihre Aussagen zu dem tragischen Unglück im DF gehört. Was ich mich frage: Was soll die Notrufmöglichkeit aus der Flugzeugkabine bewirken? Was kann - wie im vorliegenden Fall - damit damit erreicht oder verhindert werden? Nur das Wissen darum was kurz vor dem Einschlag passiert. Ansonsten nichts!

Diese Forderung ist nicht durchdacht sondern soll nur purer Populismus. Sie lenkt zudem von der Mitverantwortung der Politik zu diesem Vorfall ab. Denn die Sicherheitsmassnahmen nach 9/11 sind mit der absoluten Zutrittsverwehrung der Piloten einfach zu weit getrieben worden. Spätestens nach den Suiziden in Asien, Marokko und Namibia (eventuell auch MH 307) war diese theoretische Möglichkeit Realität geworden.

Es wurde aber von der Politik nichts, aber auch gar nichts unternommen um dieser neuen Bedrohung entgegen zu wirken. In Pilotenkreisen wurde es diskutiert (aber eher hinter vor gehaltener Hand um nicht in einen schrecklichen Verdacht der Absicht zu geraten) und von einer Österreichischen Flugzeitung im Mai 2014 ebenso.

Hier der link dazu:  http://www.austrianwings.info/2014/05/verriegelte-cockpittueren-notwendigkeit-oder-gar-sicherheitsrisiko

Anstatt nun die Mitverantwortung offen zu bekennen wird der Öffentlichkeit durch solche Forderungen - Notruf aus der Kabine - Sand in die Augen gestreut.

Es muss die Notfall Zutrittsmöglichkeit - eventuell auch nur für Piloten - mit einem weiteren Sicherheitscode gegeben werden. Alles andere ist weisse Salbe für das Volk die Effekt heischend von den Politikern nun vorgetragen wird.
Beitrag vom 28.03.2015 - 20:30 Uhr
UserMuck
User (287 Beiträge)
@FW 190: "Denn die Sicherheitsmassnahmen nach 9/11 sind mit der absoluten Zutrittsverwehrung der Piloten einfach zu weit getrieben worden."

Mag sein, dass man hier wieder umdenken muss, das muss in Ruhe unter die Lupe genommen werden.

Aber wenn ein Pilot immer die Tür öffnen kann, dann gibt es nunmal für Attentäter auch wieder die Möglichkeit ins Cockpit zu kommen. Sie müssten nur abwarten bis ein Pilot mal auf den Lokus muss und ihn dann unter Todesandrohung befehlen die Tür zu öffnen.

Nach 9-11 war die Politik der Meinung, der Tod aller in der Kabine sei besser als das ein Flugzeug nochmals als Waffe eingesetzt werden könnte. Ich denke nicht, dass man nun umdenken wird und die größere Gefahr nun bei den Piloten vermutet.

Aufgrund ihrer Beiträge vermute ich, dass sie ein Pilot sind, also Hand auf's Herz: Ist ihr mehrfach überprüfter Kollege das größere Risiko oder einer der vielen Tausend Gäste, die sie jedes Jahr befördern?
Beitrag vom 28.03.2015 - 22:22 Uhr
UserFW 190
User (1943 Beiträge)
Aber wenn ein Pilot immer die Tür öffnen kann, dann gibt es nunmal für Attentäter auch wieder die Möglichkeit ins Cockpit zu kommen. Sie müssten nur abwarten bis ein Pilot mal auf den Lokus muss und ihn dann unter Todesandrohung befehlen die Tür zu öffnen.

Dann hat er zwei Möglichkeiten: Sofort allein oder später mit allen zu sterben. Es sind ja aber auch noch Passagiere da, die gerne helfend eingreifen wen es um das Wohl des Flugzeuges geht. Die Tür an sich ist gut nur wurde die Sicherheit ein Stufe zu weit getrieben. Das fatale daran, hätte ein Pilot sein solches Szenario beschrieben, hätte er sich u.U. dem Verdacht ausgesetzt so etwas selbst zu planen.

Dieser Beitrag wurde am 28.03.2015 22:23 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 29.03.2015 - 01:30 Uhr
UserLumi
User (706 Beiträge)
Der eingetretene Fall war eine "asymetrische" Bedrohung, auf welche die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen gaaaaaaaaar nicht ausgerichtet waren ; das 4-Augen-Prinzip wird eine einfache und effektive Maßnahme sein um es mit dieser Art von "Bedrohung" von Innen aufzunehmen.

Aufgrund meiner bisherigen Beobachtungen der Kommentierung des Ereignisses hier in diesem Forum habe ich auch festgestellt daß es einem großen Teil der Kommentatoren hier schwer fällt diese Krankheit zu verstehen, geschweige denn daß sie in der Lage wären darauf adequat zu reagieren.

Eine Aufhebung des Schweigegebot des behandelnden Arztes in diesem Fall hätte mit dazu beigetragen diese Katastrophe zu verhindern. Sollte nicht einem Individuum, dem das Leben Hunderter anderer Menschen anvertraut ist, Einschränkungen bezüglich dieser Rechtsprivilegien zu gemutet werden können ?

Dieser Beitrag wurde am 29.03.2015 01:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 29.03.2015 - 19:30 Uhr
UserMuck
User (287 Beiträge)
@FW 190: "Dann hat er zwei Möglichkeiten: Sofort allein oder später mit allen zu sterben. Es sind ja aber auch noch Passagiere da, die gerne helfend eingreifen wen es um das Wohl des Flugzeuges geht."

Er wird sich nicht gleich Opfern. Dann haben wir das Szenario von 9-11 mit dem Unterschied, dass helfende Passagiere nicht mehr helfend eingreifen können, da der Terrorist die Cockpit-Tür verriegeln kann.

@Lumi zum "Schweigegebot des behandelnden Arztes": "Sollte nicht einem Individuum, dem das Leben Hunderter anderer Menschen anvertraut ist, Einschränkungen bezüglich dieser Rechtsprivilegien zu gemutet werden können ?"

Ein klares Jein!

Ja, eine Aufhebung des Schweigegebots wäre moralisch richtig.

Mein, eine Aufhebung wäre nicht sinnvoll.

1) Hätte es kein Schweigegebot gegeben, dann hätte der Co dem Arzt sicher nicht verraten, dass er Pilot ist - um seinen Arbeitsplatz nicht zu gefährden.

2) Gefährdet mann damit noch mehr Menschen, denn jeder Pilot der erkennt, dass er psychologische Hilfe bräuchte würde sie nicht in Anspruch nehmen - um seinen Arbeitsplatz nicht zu gefährden.

3) Der Arzt kann nur vom Patienten erfahren, dass dieser für Hunderte anderer Menschen verantwortlich ist. Dieses Problem kann man nur durch eine Zentraldatei umgehen in der diejenigen verzeichnet werden, welche psychologisch nicht geeignet sind, dass Ihnen hunderte Menschen anvertraut werden. Das öffnet Tür und Tor zu Missbrauch. Außerdem müsste in die Datei sowieso JEDER aufgenommen werden, da jeder mehrfach in seinem Leben einen ihm sehr nahe stehenden Menschen verlieren wird und dadurch in eine, wenn auch kurzzeitige, depressive Phase kommt. Diese reicht aber schon aus.

Es ist alles nicht so einfach wie es erscheint. Man muss bei jedem Vorschlag an die Konsequenzen denken.
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