Community / Kommentare zu aktuellen Nachrichten / Boeing will geparkte 737 MAX zügig ...

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Beitrag vom 07.10.2019 - 09:45 Uhr
UserEricM
User (1584 Beiträge)
Der Regelbereich wurde ausgeweitet, weil Testflüge die Notwendigkeit dafür ergeben haben.

Ich habe das bei der ST so verstanden, dass MCAS ursprünglich nur als schwach regelnde Trimm-Automatik eingeführt wurde, die nur das Fugverhalten an die NG angleichen sollte.
Als unkritische Convenience Funktion, daher nur ein Sensor.

Bei Testflügen haben aber diese schwachen MCAS Einstellungen nicht genügt, das durch den Auftrieb der Cowlings erzeugte Drehen um die Querachse in den Stall zu verhindern.

Daraufhin wurden die MCAS Inputs für "nose-down" verstärkt und häufiger angewendet - ohne zu beachten dass MCAS dadurch in zweifacher Hinsicht sicherheitskritisch wurde.
Zum einen war es jetzt offenbar notwendig um den Auftrieb der Cowlings bei hohem Anstellwinkel zu kontern, zum anderen konnte es durch die Änderung so stark nose-down trimmen, dass der Flieger nur durch Stick-Input nicht mehr oben zu halten war.
Und das Ganze weiterhin an nur einem einzigen Sensor und ohne Plausibilitäts-Checks.

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2019 10:07 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.10.2019 - 11:22 Uhr
UserNicci72
User (64 Beiträge)
Ein kluger Mensch hat kürzlich gesagt: "Boeing konnte früher gute Flugzeuge bauen. Heute können sie nur noch Geld verdienen. Das gute Flugzeuge bauen haben sie verlernt."
Ich denke: Auch das Geld verdienen verlernen sie gerade.

Mit der Entscheidung, auf Kosten der Sicherheit kurzfristige Kosteneinsparungen zu generieren, um höhere Dividenden an die Shareholder ausschütten zu können, haben sie das bereits verlernt. In der Luftfahrtbranche geht so etwas immer, immer, immer nach hinten los, gerade auch in der GuV. Begriffen wurde das von Seiten der Shareholder aber offenkundig noch nicht, sonst wäre Dennis Muilenburg schon längst nicht mehr CEO und der Börsenkurs von Boeing schon längst nicht mehr bei den Topwerten, bei denen er immer noch steht.
Beitrag vom 08.10.2019 - 11:47 Uhr
UserNicci72
User (64 Beiträge)
Ich verstehe dass Boeing seine Aktionäre bei Laune halten möchte, die getätigten Aussagen sind jedoch so verdammt positiv, dass sich schon die Frage stellt inwiefern das unlautere Beeinflussung des Aktienkurses darstellt.

So weit würde ich jetzt nicht gehen. Das „Leistungspotential“ von Boeings Marketingabteilung ist ja hinlänglich bekannt. Man erinnere sich nur an die Entwicklung der 787...

Es soll einfach weiter der Eindruck von Fortschritten und dem Näherrücken des Ende des Groundings geweckt werden.
Wenn Boeing die finale technische Lösung der FAA vorgelegt hat, wird Boeing massiv medialen Druck auf die Behörden ausüben bzw. insbesondere für weitere Verzögerungen den schwarzen Peter auf die Behörden schieben. Alles in allem ein normales Procedere - auch bei Airbus würde das nicht viel anders aussehen.

Alles, was ich seit Oktober 2018 (also seit dem Lion-Air-Absturz) von Boeing zum Thema 737 MAX gelesen habe, kam aus der Marketingabteilung. Alles. Und immer war alles easy, das MCAS im Bedarfsfall zunächst mit einem ganz simplen Handgriff zu neutralisieren und nach dem Ethiopian-Absturz, als die Aufsichtsbehörden weltweit die Notbremse zogen, die MAX demnächst ganz schnell wieder in der Luft. Ich habe von keinem einzigen Boeing-Verantwortlichen mit technischem Sachverstand Informationen zum tatsächlichen technischen Sachstand gelesen - faktisch gab es, soweit ich zu sehen vermag, überhaupt kein offizielles Statement eines technischen Sachverständigen von Boeing, allenfalls Fernseh-Interviews von Dennis Muilenburg, in denen er ebenfalls kund tat, dass alles ganz easy sei und die 737 MAX demnächst wieder in der Luft - und dann gegenteilige Whistleblower-Infos in der Seattle Times. Das zeigt in meinen Augen, dass Boeing von Muilenburg immer noch so geführt wird wie es immer geführt wurde seit er dort CEO ist: Mit Blick auf die Shareholder und den Börsenkurs und ohne Interesse, ja, nach meinem Empfinden sogar ohne Verständnis für die Relevanz der Technik in der Luftfahrtbranche.
Daher würde ich alles, was zum Thema 737 MAX von Boeing kommt, nur mit der ganz, ganz spitzen Zange anfassen und mich in meiner Einschätzung der realen Situation allein nach den offiziellen Statements richten, die von den Aufsichtsbehörden kommen (vor allem von FAA und EASA - noch einmal gegenüber Boeing so vertrauensselig zu sein wie vormals können die sich nämlich politisch inzwischen nicht mehr leisten).
Natürlich wird Boeing - genauer gesagt: die PR-Abteilung von Boeing und der CEO - versuchen, den Aufsichtsbehörden die Schuld in die Schuhe zu schieben, sollte die MAX nicht mehr in die Luft kommen (und das ist eine Option, die man nach meinem Dafürhalten inzwischen in Rechnung zu stellen hat). Nach ihrer bisherigen Öffentlichkeitsarbeit zu urteilen wird ihnen etwas Besseres nicht einfallen. Aber damit werden sie im öffentlichen Diskurs auch nicht sehr viel weiter kommen als bisher, schließlich ist es Sache von Boeing, ein zertifizierungsfähiges Flugzeug zu liefern.

Dieser Beitrag wurde am 08.10.2019 11:53 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.10.2019 - 16:10 Uhr
Userdlehmann66
User (228 Beiträge)
Ich kann verstehen, dass Boeing eine Kommunikationssperre zu dem Thema an alle ausser dem CEO verhängt hat. Das hat sicherlich rechtliche Gründe muss jede Companie die Aktien am Markt verkauft so machen, sonst ist das auch noch Aktienkursbeeinflussung.
Sie könnten aber Fehler eingestehen ohne sie direkt zu benennen und regelmässig über die Aufarbeitung und Verbesserung kommunizieren.
…..So Sicherheitsproblem XY erkannt - das wird so und so behoben, folgende Ziele werden dabei verfolgt, dann werden wir wieder den Status prüfen und kommunizieren....

Es ist ehh schon peinlich, da ja doch alle ausser POTUS denken zu wissen, dass Boeing Schuld auf sich geladen hat. Mit einem Eingeständnis würden sie nichts schlimmer sondern mit der offen geführten Problembehebung würden sie es besser machen.
Beitrag vom 09.10.2019 - 20:54 Uhr
UserFW 190
User (1259 Beiträge)
Laut Seattletimes kann es doch noch etwas länger dauern bis zur Freigabe:
 https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/american-airlines-pushes-out-737-max-return-to-mid-january/

Noch dazu hat Aeroflot heute 22 787 abbestellt und die Southwest Piloten haben Boeing auf 115 Mil $ Schadensersatz verklagt und schwere Beschuldigungen vorgebracht:
 https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/in-scathing-lawsuit-southwest-pilots-union-says-boeing-737-max-was-unsafe/

Nachtrag aus dem obigen Artikel, Jon Weaks, Präsident SWPA, Southwest Airlines Pilot Assoziation:
Zitat
"Wenn fehlerhafte Daten von einem einzigen Anstellwinkelsensor (MCAS) eingespeist werden, wird das Flugzeug ohne Eingaben oder Wissen des Piloten in einen nicht behebbaren nose down befohlen “, heißt es in der Klage und fügt hinzu, dass die beiden Luftunfälle, bei denen a 346 Menschen starben, waren "tragisch und vermeidbar".

"Diese dreht sich um MCAS", sagte Weaks. "Sie können nicht trainieren, was nicht im (Pilot-) Handbuch steht. Und MCAS war nicht im Handbuch. "

Weaks wies die Schuld auf Boeings Design und lehnte die Idee ab, dass die Piloten auf den beiden abgestürzten Flügen zur Verantwortung gezogen werden sollten, da ihnen möglicherweise die Fähigkeiten der bestausgebildeten US-Piloten fehlten."
Zitat Ende
SW ist immerhin der größte Betreiber von B 377 Flugzeugen und wenn deren Pilotenvereinigungs Präsident als CPT solche Aussagen trifft, ist das schon sehr schwerwiegend. Was wohl unsere Forums 737 Piloten zu solchen Anschuldigungen sagen? Da war doch was mit einfach Schalter umlegen und so...

Das wird immer teurer für Boeing...


Dieser Beitrag wurde am 09.10.2019 21:23 Uhr bearbeitet.
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