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Beitrag 1 - 8 von 8
Beitrag vom 07.09.2019 - 08:46 Uhr
UserRunway
User (2618 Beiträge)
Jede Bemühung kommt da zu spät. Der Ruf der Unzuverlässigkeit und des schlechten Service ist weltweit allgenmein bekannt. Kein westlicher Airlinechef wird so wahnsinnig sein in nächster Zeit das Modell zu nehmen. Der Unfall muss nicht zwangsläufig mit der Technik zu tun haben aber kommt noch obendrauf.

Nur die Zwangsorder von Aeroflot können unterm Strich keinen Erfolg aus dem Programm machen. Es ist ein Grundproblem der Russs. Wirtschaft das sie die Marktmechanismen in der westlichen Welt noch immer nicht verstanden haben. Preiswert allein reicht nicht und das können die Chinesen ohnehin besser. Es gehört auch Vertrauen in das Produkt dazu. Bei Flugzeugen ist zudem der techn. beste Flieger nutzlos wenn er häufig ausfällt und dann stehen bleibt weil Ersatzteile lange nicht greifbar sind.

Boeing und Airbus haben mit ihrer weltweiten schnellen Ersatzteil-Organisation einen uneinholbaren Vorsprung den auch die Chinesen mit C919 im Ausland nicht wettmachen können. MS 21 wird ebenfalls daran scheitern.
Beitrag vom 07.09.2019 - 09:46 Uhr
UserA320Fam
User (771 Beiträge)

Boeing und Airbus haben mit ihrer weltweiten schnellen Ersatzteil-Organisation einen uneinholbaren Vorsprung den auch die Chinesen mit C919 im Ausland nicht wettmachen können. MS 21 wird ebenfalls daran scheitern.

Ich finde Ihre immerwiederkehrende Argumentation der Ersatzteilbelieferung durch Airbus bzw Boeing interessant. Können Sie das mal näher Ausführen?!

Nach meinen täglichen Erfahrungen bestreiten die Ersatzteilversorgung die Fliggesellschaften selbst bzw lassen dies durch Provider wie LTL oder AJW sicherstellen. In den Fällen, bei denen nix im eigenen Lager vorhanden ist wird auf AOG-Basis bei verschiedenen anderen möglichen Lieferanten angefragt. Das geht bei Umlaufteilen (reparaturfähige Teile) dann oft auf Leihbasis, kann aber auch gekauft werden. Verbrauchsmaterialien (Schrauben, Dichtungen, ...) werden gekauft. Bei nicht Verfügbarkeit kommen auch die Hersteller ins Spiel, bei denen aber auch nicht immer alles sofort verfügbar ist, da ja in erster Linie deren Vorrat für die Produktion besteht und dort auch, wenn überhaupt, nur geringer Überhang vorgehalten wird.
Ersatzteil bedeutet bei Umlaufteilen auch selten Neu-Teil, da diese Teile in speziellen, meist herstellerunabhängigen Werkstätten repariert oder überholt werden und dem Kreislauf wieder zur Verfügung gestellt werden.

Lange Rede kurzer Sinn, auch wenn mittlerweile die Hersteller mit in dieses Geschäft hineindrängen (hierbei sowohl als Reparaturbetrieb als auch als Teileversorger, nicht aber als Hersteller)
so erfolgt die Sicherstellung einer vernünftigen Ersatzteilversorgung letztlich durch herstellerunabhängige Serviceprovider.
Beitrag vom 07.09.2019 - 23:09 Uhr
Usersf260
User (477 Beiträge)
Ich glaube er spielt darauf an, dass der Hersteller es selbst nicht gebacken bekommt, die Ersatzteilversorgung für die Provider sicherzustellen und es somit seit jeher Probleme damit gibt.
Beitrag vom 08.09.2019 - 07:18 Uhr
UserForzaRWE
User (56 Beiträge)
Mir drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass Aeroflot in Bezug auf Ersatzteile bevorzugt wird, man betrachte nur einmal  https://russianplanes.net/airline/Aeroflot_-_Russian_Airlines . Die sind alle als "fliegend" gelistet, was unter den Betreibern doch eine Ausnahme darstellt. Das Muster, was ich hingegen bei sonstigen russischen Airlines beobachte ist, dass mit viel Tam-Tam eingeflottet wird, inklusiver Lackierung etc., sich dann nach kurzer Einsatzdauer Probleme ergeben und die Flugzeuge mehr oder weniger still und heimlich abgestellt werden. Für ein noch relativ junges Projekt mit geringer Stückzahl ist die Liste ehemaliger Betreiber doch erheblich.
Beitrag vom 08.09.2019 - 09:25 Uhr
UserRunway
User (2618 Beiträge)
Boeing und Airbus haben mit ihrer weltweiten schnellen Ersatzteil-Organisation einen uneinholbaren Vorsprung den auch die Chinesen mit C919 im Ausland nicht wettmachen können. MS 21 wird ebenfalls daran scheitern.

Ich finde Ihre immerwiederkehrende Argumentation der Ersatzteilbelieferung durch Airbus bzw Boeing interessant. Können Sie das mal näher Ausführen?!

Nein, kann ich nicht wirklich im Detail da kein Insider. Meine Einschätzung beruht auf verschiedenen Aspekten. Zunächst einmal auf der Tatsache das Airbus per August 19435 Flugzeuge verkauft und davon 12263 ausgeliefert hat. Das wäre Anfangs als Nobody gegen Boeing niemals gelungen wenn Airbus es wie beim Superjet so verbockt hätte.

Darüberhinaus sind mir verschiedene einzelne Meldungen erinnerlich wie Airbus dies Thema anpackt. Insbesondere dabei eine Meldung von 2010 über die "Ersatzteilversorgung aus Hamburg für die weltweite Airbusflotte " als PDF-Datei:

 https://www.fzt.haw-hamburg.de/pers/Scholz/dglr/hh/text_2010_03_18_Airbus-Material-Logistics.pdf

Unter der Rubrik Zahlen, Daten und Fakten:
3,4 Millionen Ersatzeile im Bestand auf 65990 m2 Lagerfläche
600 Mitarbeiter weltweit
24 Stunden Order Desk für alle Kundenaufträge
320000 Kundenaufträge im Jahr
Techn. Unterstützung vor Ort für Ersatzteile

Desweiteren unter Rubrik Weltweite Standorte und Netzwerk von Lägern:
Dort sind die Kundendienstzentren und weltweiten Lägern aufgeführt
Mehr als 80% der bestellten Teile sind danach vorrätig

Das alles bereits 2010 als Airbus erst ca.6000 Flugzeuge geliefert hatte. Das dürfte heute noch alles viel unfangreicher sein. Ihre Schilderung das darüberhinaus auch noch andere im Bereich der Ersatzteilversorgung tätig sind kommt dann noch dazu.
Beitrag vom 08.09.2019 - 10:54 Uhr
UserA320Fam
User (771 Beiträge)
@Runway

Interessanter Link. Danke.

Ich verstehe das so, dass vereinfacht gesagt die Fluggesellschaften beim Aufbau ihrer Flotten sich auch ein Ersatzteillager zulegen. Hier erfolgt eine Erstausstattung mit Hilfe von Airbus. Dabei wird ein Bestand an bestimmten Ersatzteilen benannt und eingekauft. Dieser Bestand unterliegt dem von mir früher schon beschriebenen Kreislauf. Sollte Bedarf an seltenen oder nicht mehr vorrätigen Ersatzteilen bestehen, kann wieder auf Airbus zurückgegriffen werden.

Natürlich ist insofern ein umfangreicher Herstellersupport beim Aufbau einer Ersatzteilversorgung gerade auch beim Neuaufbau von grosser Bedeutung.
Beitrag vom 08.09.2019 - 11:20 Uhr
Userresponsive
User (10 Beiträge)
Ich verstehe das so, dass vereinfacht gesagt die Fluggesellschaften beim Aufbau ihrer Flotten sich auch ein Ersatzteillager zulegen. Hier erfolgt eine Erstausstattung mit Hilfe von Airbus. Dabei wird ein Bestand an bestimmten Ersatzteilen benannt und eingekauft. Dieser Bestand unterliegt dem von mir früher schon beschriebenen Kreislauf. Sollte Bedarf an seltenen oder nicht mehr vorrätigen Ersatzteilen bestehen, kann wieder auf Airbus zurückgegriffen werden.

Natürlich ist insofern ein umfangreicher Herstellersupport beim Aufbau einer Ersatzteilversorgung gerade auch beim Neuaufbau von grosser Bedeutung.

Es wird wohl jede Fluggesellschaft oder die für die Wartung der Flotte verantworliche Firma ständig gebrauchte Verschleißteile vorhalten. Für alles Andere gibt es Wartungsverträge, die entweder schon im Kaufvertrag enthalten sind, oder Extra ausgehandelt werden. In diesen Verträgen wird festgelegt wie schnell der Hersteller oder eine von ihm beauftragte Firma weitere Ersatzteile zu liefern hat. Da ein Flugzeug eine beträchtliche Investition darstellt, ist jeder Inverstor daran interessiert die Standzeiten wegen Reparaturen so gering wie möglich zu halten. Dann hilft es mir auch nicht, wenn ich ein Flugzeug z.B. für 60% des Preisen eines Airbus oder einer Boeing bekomme, wenn es dann Wochen oder Monate am Boden steht, weil bestimmte Ersatzteile nicht verfügbar sind, die bei den beiden Anderen innerhalb von kurzer Zeit zur Verfügung stehen.
Ich denke da kann sich jeder ausrechnen, was auf Dauer billiger ist.
Von Flugausfällen wegen nichtverfügbarkeit ganz zu schweigen.

Dieser Beitrag wurde am 08.09.2019 11:20 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.09.2019 - 18:02 Uhr
UserLP
User (144 Beiträge)
Also rein aus meiner Erfahrung raus ist es schon den Gesellschaften sehr wichtig, an den Airports (Also zumindest an den größeren.) und auch an den Wartungsbasen einen ausgereiften Support zu haben. Das betrifft nicht nur die Sparepart Versorgung, wobei die natürlich richtig gut laufen muss, sondern es gehört ja auch der technische Support was Engineering Leistungen angeht dazu. Weiterhin gibt es weltweit Airbus / Boeing Repräsentanten, welche direkt vor Ort sind, wo es brennt und in der Regel sehr gut vernetzt sind, um verschiedene AOG - Szenarien und ähnliches effizient zu lösen. Das ganze weltweit abzudecken, ziehst Du ja nicht eben mal so auf, sondern das entwickelt sich natürlich über die Jahrzehnte. Und dort denke ich, hat ein neuer Hersteller sein Riesenproblem, auf den Markt zu kommen. Es gibt ja nun noch nicht so viele Betreiber des SSJ, aber man hört ja immer mal, dass selbst diese wenigen nicht ausreichend supported werden können. (Wobei ich zugeben muss, dass höre ich nur so, dafür habe ich keine Fakten.