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Beitrag vom 28.07.2020 - 16:43 Uhr
Usercontrail55
User (2059 Beiträge)
Wollen Sie der Menschheit vorschreiben, warum sie wann wohin zu fliegen hat?

Das sagt niemand. Es wird lediglich gefordert, dass ein Ticket das kostet, was es eben kostet.
Nichts im Leben kostet was es kostet. Das ist Unsinn. Entweder es kostet mehr, dann macht einer Gewinn oder es kostet weniger, dann macht einer Verlust.
Was sollte denn ein Ticket kosten? Gewinn wäre blöd, dann macht sich MOL die Taschen voll. Weniger auch, dann wird der Kostendruck noch größer. Also, was schlagen Sie vor?
Wenn jeder Mitarbeiter der Luftfahrtbranche einen seiner Tätigkeit angemessenen Arbeitsvertrag, ohne unbegründete Befristung und Scheinselbständigkeit hat, Flughäfen kostendeckende Gebühren verlangen und im Idealfall auch die Emissionen gerecht eingepreist sind, resultiert ein Ticketpreis, für den jeder, sei es nun Hinz oder auch Kunz, hinfliegen kann, wo er oder sie will. Sei es zum Kaffetrinken oder Schweinefüttern. Dieser Ticketpreis wird allerdings niemals 10, 20 oder 30 Euro betragen. Und wenn Hinz sich eben dieses Ticket nun nicht mehr mehrmals im Jahr leisten kann, oder dafür auf etwas anderes verzichten muss, ist das sicher keine unerträgliche Ungerechtigkeit, sondern Lebensrealität in einem nicht-planwirtschaftlichen Gesellschaftssystem.
Lebensrealität ist ein gutes Stichwort!
Dass sich nur noch wenige einen fabrikneuen „Volkswagen“ leisten können ist auch keine moralische Verfehlung von VW (es gibt genug andere).
Beitrag vom 28.07.2020 - 16:52 Uhr
User100-58
User (563 Beiträge)
@ 100-58, das Argument "Der Markt regelt das schon" ist mir zu billig und für meine Begriffe als Totschlagargument der Kapitalisten ganz schön ausgeleiert und abgenutzt.
Die blanke Wahrheit ist oftmals nicht mehr ganz taufrisch. Ausgeleiert oder gut eingelaufen, man kann es so oder so nennen.
Wenn man auf diese beiden Argumente das Spielchen "Der Markt regelt das schon" umdrehen würde, hieße es, dass diese Mitarbeiter dann auch einen anderen Job finden werden. Der Markt regelt es ja dann ;-)
Einen anderen schon. Aber nicht irgend etwas zum Aussuchen. Das ist der Haken. Der Markt kann in alle Richtungen regulierend sein. Und jetzt ist gerade etwas Corona. Für alle.

Dieser Beitrag wurde am 28.07.2020 16:53 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 28.07.2020 - 16:52 Uhr
Usergordon
User (2485 Beiträge)
Wenn jeder Mitarbeiter der Luftfahrtbranche einen seiner Tätigkeit angemessenen Arbeitsvertrag, ohne unbegründete Befristung und Scheinselbständigkeit hat, ....

Und wer entscheidet, was ein "seiner Tätigkeit angemessener Arbeitsvertrag" aussieht?
Wie viel Urlaub steht denen zu?
Wie hoch ist das Gehalt? Und soll es in Ungarn genauso hoch sein wie in Deutschland?

Wenn es der Markt nicht regeln soll, wer dann?
Beitrag vom 28.07.2020 - 16:59 Uhr
User100-58
User (563 Beiträge)
Wenn jeder Mitarbeiter der Luftfahrtbranche einen seiner Tätigkeit angemessenen Arbeitsvertrag, ohne unbegründete Befristung und Scheinselbständigkeit hat, ....
Ja aber wer unterschreibt denn so etwas und warum?
Beitrag vom 28.07.2020 - 17:20 Uhr
UserNicci72
User (391 Beiträge)
Das große Verdienst aller LCC ist es, das Fliegen und damit das Reisen über kürzere Distanzen hinaus ("Besuchen Sie doch mal den Harz!") demokratisiert, es vom Luxusgut einer kleinen gesellschaftlichen Elite zum Bestandteil eines durchschnittlichen Lebensstandards gemacht zu haben. So wie Elektrizität und fließend Wasser auch keine Luxusprodukte für die oberen 10% der Gesellschaft mehr sind sondern Allgemeingut (jedenfalls in unserem Teil Europas, es gibt nach wie vor Länder auf dieser Welt, wo es Luxusprodukte sind). Mich stört offen gesagt dieser antidemokratische Elitarismus, der sein soziales Distinktionsbedürfnis seit einiger Zeit immer mehr in das sprachliche Gewand ökologischer Nachhaltigkeit kleidet und damit dann auch noch moralische Selbsterhebung betreibt.

Um erfolgreich einen LCC zu betreiben braucht es allerdings keiner Heuschrecken-Methoden. Dafür gibt es hinreichend Beispiele. Es gibt außerdem LCC, die ihr Geschäft beträchtlich geräuschärmer betreiben als Ryanair. Was wir bei Ryanair seit inzwischen vielen Jahren an - Geschäftsführungsmethoden - erleben ist typisch Unternehmens(un)kultur Ryanair, nicht typisch LCC. Der LCC-Bereich bietet solchen Heuschrecken allerdings mehr Entfaltungs- und damit Missbrauchsmöglichkeiten als andere Sparten der Luftfahrtindustrie.


Dieser Beitrag wurde am 28.07.2020 17:26 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 29.07.2020 - 15:21 Uhr
Usercogito.ergo.sum
User (88 Beiträge)
Nichts im Leben kostet was es kostet. Das ist Unsinn.

Vielen Dank für Ihren sachlichen Einwand. Vielleicht habe ich mich auch etwas unklar ausgedrückt. Ich versuchˋs nochmal: Kosten sind bewerteter Verzehr von wirtschaftlichen Gütern. Aus dieser Bewertung heraus ergibt sich ein Deckungsbeitrag. Werden nun Kosten absichtlich falsch bewertet (Landegebühren) oder ihrem Kostenträger, dem Ticket, nicht zugeordnet, weil etwa Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt werden, ergibt sich ein zu niedriger Deckungsbeitrag. Die Differenz zum tatsächlichen, korrekt bewerteten Deckungsbeitrag zahlt dann über verschiedene Wege die Allgemeinheit bzw. der Arbeitnehmer, während sich der „Produzent“ diese Differenz zu nutze machen kann, um zum eigene Vorteil mit zu niedrigen Preisen die Funktionalität des Marktes zu untergraben. Die Folge ist ein dysfunktionaler Markt der zu selbstständiger Anpassung mit dem Ziel des nutzenmaximierenden Gleichgewichts nicht mehr im Stande ist.
In keiner Weise bedeutet das, dass ein Unternehmen keine Gewinne erwirtschaften darf.

Zur Frage, wer entscheidet, was ein angemessener Arbeitsvertrag ist:
Ein guter Anhaltspunkt ist hier das Arbeitsrecht als Ergebnis politischer und gesellschaftlicher Willensbildung. Unverhältnismäßige Befristung, Scheinselbständigkeit oder zu niedrige Löhne sind hiernach unzulässig, konnten aber leider in jüngster Vergangenheit in Deutschland beobachtet werden. Die Unterbindung solcher Tatbestände ist kein Eingriff in den Markt, sondern Durchsetzung von geltendem Recht. Vieles was darüber hinausgeht, ist Verhandlungsgegenstand der Tarifparteien.
Und soll das in Ungarn genau so sein? Nein. Nicht alles. In der EU gilt das Subsidiaritätsprinzips, und das ist auch gut so.
Beitrag vom 29.07.2020 - 15:58 Uhr
Usergordon
User (2485 Beiträge)
Zur Frage, wer entscheidet, was ein angemessener Arbeitsvertrag ist:
Ein guter Anhaltspunkt ist hier das Arbeitsrecht als Ergebnis politischer und gesellschaftlicher Willensbildung. Unverhältnismäßige Befristung, Scheinselbständigkeit oder zu niedrige Löhne sind hiernach unzulässig, konnten aber leider in jüngster Vergangenheit in Deutschland beobachtet werden. Die Unterbindung solcher Tatbestände ist kein Eingriff in den Markt, sondern Durchsetzung von geltendem Recht. Vieles was darüber hinausgeht, ist Verhandlungsgegenstand der Tarifparteien.
Und soll das in Ungarn genau so sein? Nein. Nicht alles. In der EU gilt das Subsidiaritätsprinzips, und das ist auch gut so.

Dann sind doch die Rahmenbedingungen der Arbeitsverträge für Piloten anscheinend angemessen, schließlich hat sogar die Gewerkschaft VC diesen Bedingungen zugestimmt.

Spannend wird jetzt, wie die VC die Rahmenbedingungen bei der deutschen Konkurrenzairline interpretiert. Nicht dass die unangemessen üppig ausfallen ...
Beitrag vom 29.07.2020 - 17:10 Uhr
UserViri
User (724 Beiträge)
Dann sind doch die Rahmenbedingungen der Arbeitsverträge für Piloten anscheinend angemessen, schließlich hat sogar die Gewerkschaft VC diesen Bedingungen zugestimmt.

Spannend wird jetzt, wie die VC die Rahmenbedingungen bei der deutschen Konkurrenzairline interpretiert. Nicht dass die unangemessen üppig ausfallen ...

Wenn ich die Wahl zwischen Pest und Cholera habe, heißt das lediglich, dass ich das kleinere Übel wähle. Das sagt aber nichts darüber aus, ob ich das kleinere Übel angemessen finde oder nicht.
Beitrag vom 29.07.2020 - 17:59 Uhr
Usergordon
User (2485 Beiträge)
Dann sind doch die Rahmenbedingungen der Arbeitsverträge für Piloten anscheinend angemessen, schließlich hat sogar die Gewerkschaft VC diesen Bedingungen zugestimmt.

Spannend wird jetzt, wie die VC die Rahmenbedingungen bei der deutschen Konkurrenzairline interpretiert. Nicht dass die unangemessen üppig ausfallen ...

Wenn ich die Wahl zwischen Pest und Cholera habe, heißt das lediglich, dass ich das kleinere Übel wähle. Das sagt aber nichts darüber aus, ob ich das kleinere Übel angemessen finde oder nicht.

Die Frage war ja nicht, ob Sie das als angemessen empfinden.
Die VC hat bestimmt nicht einer unangemessen Forderung zugestimmt. Das ist ja wohl nicht ihre Art.

Es ist bitter, erpresserische Methoden mal am eigenen Leib zu erfahren. Dieses Gefühl kennen einige Foristen von vergangenen Erpressungsversuchen zu genüge.
Beitrag vom 29.07.2020 - 17:59 Uhr
User100-58
User (563 Beiträge)
Wenn ich die Wahl zwischen Pest und Cholera habe, heißt das lediglich, dass ich das kleinere Übel wähle. Das sagt aber nichts darüber aus, ob ich das kleinere Übel angemessen finde oder nicht.
Immerhin haben Sie noch die Wahl. Vielleicht gibt es demnächst beides ...
Beitrag vom 29.07.2020 - 18:00 Uhr
Usercontrail55
User (2059 Beiträge)
Nichts im Leben kostet was es kostet. Das ist Unsinn.

Vielen Dank für Ihren sachlichen Einwand. Vielleicht habe ich mich auch etwas unklar ausgedrückt. Ich versuchˋs nochmal: Kosten sind bewerteter Verzehr von wirtschaftlichen Gütern. Aus dieser Bewertung heraus ergibt sich ein Deckungsbeitrag. Werden nun Kosten absichtlich falsch bewertet (Landegebühren) oder ihrem Kostenträger, dem Ticket, nicht zugeordnet, weil etwa Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt werden, ergibt sich ein zu niedriger Deckungsbeitrag. Die Differenz zum tatsächlichen, korrekt bewerteten Deckungsbeitrag zahlt dann über verschiedene Wege die Allgemeinheit bzw. der Arbeitnehmer, während sich der „Produzent“ diese Differenz zu nutze machen kann, um zum eigene Vorteil mit zu niedrigen Preisen die Funktionalität des Marktes zu untergraben. Die Folge ist ein dysfunktionaler Markt der zu selbstständiger Anpassung mit dem Ziel des nutzenmaximierenden Gleichgewichts nicht mehr im Stande ist.
In keiner Weise bedeutet das, dass ein Unternehmen keine Gewinne erwirtschaften darf.
Das Prinzip ist schon klar, muss dann aber für alles gelten. Nicht nur für Flüge. Das bedeutet keinerlei Sonderangebote mehr, die unter dem Deckungsbeitrag angeboten werden. Keine quersubvensionierten Lockangebote mehr. Wären die Subventionen für Landwirte genehm, aber die für Flughäfen nicht? Die Landwirtschaft kann sich schon lange nicht mehr selbstständig anpassen.
Warum werden Landegebühren falsch berechnet? Sie kosten was sie kosten und der Kunde (Airline) kauft. Was ist der Unterschied zwischen subventionierter Infratsruktur und subventionierter Milch?
Zur Frage, wer entscheidet, was ein angemessener Arbeitsvertrag ist:
Ein guter Anhaltspunkt ist hier das Arbeitsrecht als Ergebnis politischer und gesellschaftlicher Willensbildung. Unverhältnismäßige Befristung, Scheinselbständigkeit oder zu niedrige Löhne sind hiernach unzulässig, konnten aber leider in jüngster Vergangenheit in Deutschland beobachtet werden. Die Unterbindung solcher Tatbestände ist kein Eingriff in den Markt, sondern Durchsetzung von geltendem Recht. Vieles was darüber hinausgeht, ist Verhandlungsgegenstand der Tarifparteien.
Aber mit genau der Durchsetzung von geltendem Recht tut man sich schwer. Die Verfahren kommen nicht zum Ende, nicht so klar und einfach wie es scheint. Wenn die gesellschaftliche Willensbildung ein Kriterium ist, dann hat die Gesellschaft es doch in der eigenen Hand, diesem Spiel ein Ende zu machen. Wenn sie es denn so wichtig findet und zwischen Primark und Tönniesfleisch einen Moment der Besinnung findet. Ryanair und all die andernen machen nur was sie können und wir sie lassen. Ich halte diese Ryandiskussion weiterhin für scheinheilig (nicht Sie persönlich, sondern hier ganz allgemein)
Und soll das in Ungarn genau so sein? Nein. Nicht alles. In der EU gilt das Subsidiaritätsprinzips, und das ist auch gut so.

Dieser Beitrag wurde am 29.07.2020 18:03 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 30.07.2020 - 13:07 Uhr
Usercogito.ergo.sum
User (88 Beiträge)
Das bedeutet keinerlei Sonderangebote mehr, die unter dem Deckungsbeitrag angeboten werden. Keine quersubvensionierten Lockangebote mehr.

Dafür kann man sein, meine Position wäre das nicht. Ich argumentiere weder gegen Marktwirtschaft, noch gegen unternehmerische Freiheit. Darunter fällt auch die Preisgestaltung und die Möglichkeit der Sonderangebote und Quersubventionierung, solange, wie oben beschrieben, eine Korrekte Bewertung der (Gesamt)kosten stattfindet.
>Wären die Subventionen für Landwirte genehm, aber die für Flughäfen nicht? Die Landwirtschaft kann sich schon lange nicht mehr selbstständig anpassen.

Das ist eine Frage, die gesamtgesellschaftlich diskutiert und beantwortet werden muss. Ich habe mich mit der Frage der Sinnhaftigkeit von landwirtschaftlicher Subventionierung nicht befasst. Dieses Forum ist sicher auch nicht der richtige Ort, um das zu diskutieren. Subventionierung ist nicht pauschal abzulehnen, deshalb ist sie an einigen Stellen dennoch falsch.

Warum werden Landegebühren falsch berechnet?

Weiss ich nicht und ich wünschte, es wäre nicht so. Fakt ist aber, dass sie an vielen Orten nicht kostendeckend sind. Das halte ich für falsch.

Was ist der Unterschied zwischen subventionierter Infratsruktur und subventionierter Milch?

Siehe oben, beides kann sinnvoll sein. Subventionierte Infrastruktur ist nicht(!) grundsätzlich abzulehnen. Richtig umgesetzte Subventionierung schafft einen großen Mehrwert für viele.

Aber mit genau der Durchsetzung von geltendem Recht tut man sich schwer. Die Verfahren kommen nicht zum Ende, nicht so klar und einfach wie es scheint.

Gewaltenteilung und Demokratie ist halt nicht immer leicht oder gar „einfach“. Die Judikative entscheidet — um Glück! — nicht immer so, wie man es sich gerade wünscht. Darum ist es umso wichtiger einen stabilen gesetzlichen Ordnungsrahmen zu schaffen, der Arbeitnehmer schützt. Da ist man in Deutschland im internationalen Vergleich sicher schon ganz gut, aber Schwachstellen gibt es dennoch.

Wenn die gesellschaftliche Willensbildung ein Kriterium ist, dann hat die Gesellschaft es doch in der eigenen Hand, diesem Spiel ein Ende zu machen.

Richtig. Und deshalb ist es auch so wichtig darüber zu diskutieren, in welcher Art von Gesellschaft wir eigentlich leben wollen und sich nicht einfach darauf zu verlassen, dass dieser ominöse Markt schon alles regeln wird.

Wenn sie es denn so wichtig findet und zwischen Primark und Tönniesfleisch einen Moment der Besinnung findet. Ryanair und all die andernen machen nur was sie können und wir sie lassen. Ich halte diese Ryandiskussion weiterhin für scheinheilig (nicht Sie persönlich, sondern hier ganz allgemein)

Mehr whataboutism geht nicht, oder? Bei Primark läuft vieles falsch, deshalb könnte man an anderer Stelle über ein Lieferkettengesetz diskutieren. Bei Tönnies läuft auch vieles falsch, deshalb könnte man an anderer Stelle über Werkverträge diskutieren. Das hier ist aber ein Luftfahrt-Forum, deshalb diskutieren wir hier über Missstände in der Luftfahrt. Scheinheilig ist daran gar nichts.
Beitrag vom 30.07.2020 - 14:01 Uhr
Usercontrail55
User (2059 Beiträge)
Das bedeutet keinerlei Sonderangebote mehr, die unter dem Deckungsbeitrag angeboten werden. Keine quersubvensionierten Lockangebote mehr.

Dafür kann man sein, meine Position wäre das nicht. Ich argumentiere weder gegen Marktwirtschaft, noch gegen unternehmerische Freiheit. Darunter fällt auch die Preisgestaltung und die Möglichkeit der Sonderangebote und Quersubventionierung, solange, wie oben beschrieben, eine Korrekte Bewertung der (Gesamt)kosten stattfindet.
>Wären die Subventionen für Landwirte genehm, aber die für Flughäfen nicht? Die Landwirtschaft kann sich schon lange nicht mehr selbstständig anpassen.

Das ist eine Frage, die gesamtgesellschaftlich diskutiert und beantwortet werden muss. Ich habe mich mit der Frage der Sinnhaftigkeit von landwirtschaftlicher Subventionierung nicht befasst. Dieses Forum ist sicher auch nicht der richtige Ort, um das zu diskutieren. Subventionierung ist nicht pauschal abzulehnen, deshalb ist sie an einigen Stellen dennoch falsch.

Warum werden Landegebühren falsch berechnet?

Weiss ich nicht und ich wünschte, es wäre nicht so. Fakt ist aber, dass sie an vielen Orten nicht kostendeckend sind. Das halte ich für falsch.

Was ist der Unterschied zwischen subventionierter Infratsruktur und subventionierter Milch?

Siehe oben, beides kann sinnvoll sein. Subventionierte Infrastruktur ist nicht(!) grundsätzlich abzulehnen. Richtig umgesetzte Subventionierung schafft einen großen Mehrwert für viele.

Aber mit genau der Durchsetzung von geltendem Recht tut man sich schwer. Die Verfahren kommen nicht zum Ende, nicht so klar und einfach wie es scheint.

Gewaltenteilung und Demokratie ist halt nicht immer leicht oder gar „einfach“. Die Judikative entscheidet — um Glück! — nicht immer so, wie man es sich gerade wünscht. Darum ist es umso wichtiger einen stabilen gesetzlichen Ordnungsrahmen zu schaffen, der Arbeitnehmer schützt. Da ist man in Deutschland im internationalen Vergleich sicher schon ganz gut, aber Schwachstellen gibt es dennoch.

Wenn die gesellschaftliche Willensbildung ein Kriterium ist, dann hat die Gesellschaft es doch in der eigenen Hand, diesem Spiel ein Ende zu machen.

Richtig. Und deshalb ist es auch so wichtig darüber zu diskutieren, in welcher Art von Gesellschaft wir eigentlich leben wollen und sich nicht einfach darauf zu verlassen, dass dieser ominöse Markt schon alles regeln wird.

Wenn sie es denn so wichtig findet und zwischen Primark und Tönniesfleisch einen Moment der Besinnung findet. Ryanair und all die andernen machen nur was sie können und wir sie lassen. Ich halte diese Ryandiskussion weiterhin für scheinheilig (nicht Sie persönlich, sondern hier ganz allgemein)

Mehr whataboutism geht nicht, oder? Bei Primark läuft vieles falsch, deshalb könnte man an anderer Stelle über ein Lieferkettengesetz diskutieren. Bei Tönnies läuft auch vieles falsch, deshalb könnte man an anderer Stelle über Werkverträge diskutieren. Das hier ist aber ein Luftfahrt-Forum, deshalb diskutieren wir hier über Missstände in der Luftfahrt. Scheinheilig ist daran gar nichts.
Für mich schon.
Sie schieben sich das auch hin, wie es passt. Einmal kann Subvention sinnvoll sein, auch in der Infrastruktur, dann halten Sie es für falsch oder sie soll zumindest "richtig" umgesetzt werden. Was wäre denn da der Maßstab, was verstehen Sie unter richtig?
Was läuft bei Primark falsch? Was ist da Ihr Kriterium zu dieser Aussage? Die Gesellschaft hat entschieden, findet das gut oder ignoriert es. Genauso bei Ryanair. Und wenn mir nicht passt, was die Gesellschaft lebt, dann rufe ich nach einem Lieferkettengesetz. Also wieder jemand anderes, der das für MICH lösen soll, was mir an der Gesellschaft nicht gefällt.

Man kann bei diesem Thema nicht die Luftfahrt herausnehmen. Sie sagen es, es ist ein gesellschaftliches Thema, wie legt die Gesellschaft ihre Werte fest, lebt und schützt sie? Scheinselbstständigkeit ist auch kein Luftfahrt Thema, nur weil eine Airline betroffen ist. Daher ist es auch kein whataboutism andere Beispiele zu bemühen, da sie ein vollständigeres Abild der Gesellschaft sind. Warum sollte die Gesellschaft sich bei Flügen anders verhalten als bei Milch oder Fleisch?
Daher halte ich das pauschal für scheinheilig bei Ryanair das soziale Gewissen zu beruhigen, die Gesellschaft für ihr Handeln zu verteufeln, aber selbst im täglichen Konsum in die Regale der Ryanairs der Lebensmittel oder Mode oder Konsumgüter zu greifen.


Dieser Beitrag wurde am 30.07.2020 14:03 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 30.07.2020 - 15:21 Uhr
UserEricM
User (2437 Beiträge)
Und wenn mir nicht passt, was die Gesellschaft lebt, dann rufe ich nach einem Lieferkettengesetz. Also wieder jemand anderes, der das für MICH lösen soll, was mir an der Gesellschaft nicht gefällt.

Einspruch.
Es geht nicht darum dass jemandem "die Gesellschaft" nicht passt.
Ein Lieferkettengesetz würde zunächst mal überhaupt eine gewisse Transparenz schaffen.
Heute ist es doch so, dass man vielleicht die schlimmsten 1,2 mancher Branchen kennt (Primark, FR) umd meiden kann, es bei der Konkurrenz aber idR völlig unklar ist, inwieweit die die gleichen oder sogar schlimmere Taktiken gegenüber Zulieferen einsetzen.

D.h. selbst wenn ich heute gutgläubig bei der Konkurrenz der Schlimmsten hochpreisiger kaufe oder fliege, sagt das ja nichts über die dann damit finanzierten Drückermethoden gegenüber deren Zulieferern aus.

Vielleicht kann man sagen, dass "die Gesellschaft" erst mal überhaupt eine Entscheidungsgrundlage benötigt.
Beitrag vom 30.07.2020 - 16:57 Uhr
Usercontrail55
User (2059 Beiträge)
Und wenn mir nicht passt, was die Gesellschaft lebt, dann rufe ich nach einem Lieferkettengesetz. Also wieder jemand anderes, der das für MICH lösen soll, was mir an der Gesellschaft nicht gefällt.

Einspruch.
Es geht nicht darum dass jemandem "die Gesellschaft" nicht passt.
Ein Lieferkettengesetz würde zunächst mal überhaupt eine gewisse Transparenz schaffen.
Heute ist es doch so, dass man vielleicht die schlimmsten 1,2 mancher Branchen kennt (Primark, FR) umd meiden kann, es bei der Konkurrenz aber idR völlig unklar ist, inwieweit die die gleichen oder sogar schlimmere Taktiken gegenüber Zulieferen einsetzen.

D.h. selbst wenn ich heute gutgläubig bei der Konkurrenz der Schlimmsten hochpreisiger kaufe oder fliege, sagt das ja nichts über die dann damit finanzierten Drückermethoden gegenüber deren Zulieferern aus.

Vielleicht kann man sagen, dass "die Gesellschaft" erst mal überhaupt eine Entscheidungsgrundlage benötigt.
Gegeneinspruch. Danke für die Vorlage.
Das meine ich genau, das Alibi, dass sich bitteschön zunächst mal jemand drum kümmern soll.
Ich glaube es gibt keinen Menschen in D, der noch nicht von Ryanair und deren Bedingungen gehört hat, vom Fleisch oder den Bedingungen in der Modebranche oder alle die anderen Schmuddelkinder. Wenn der Gesellschaftsbürger etwas dazu wissen will, um eine Entscheidungsgrundlage zu haben, dann findet der geneigte Bürger dazu Tonnen von Information im Netz. Da wor er auch immer die Schnäppchen findet. Er wird im Fernsehen beschallt, auch bei SAT1 oder schlimmer. Er kann der Information, das da irgendwas ist, nicht entgehen. Sollte es ein XY-Gesetz zu diesen Themen geben, das würde er nicht verstehen um es als Grundlage zu nutzen.
Meine Frau ist in der Modebranche, endlose Zertifizierungen für jede Socke, meist hängt die Info am Produkt. Da muss man schon weggucken um es nicht zu finden. Wer bisher nicht weiß, das Produkte aus Bangladesh nicht unter BetrVG Bedingungen erstellt wurden, dem ist auch ein Lieferkettengesetz mit durchgängiger Dokumentation, nun ja, scheißegal.

Dieser Beitrag wurde am 30.07.2020 16:58 Uhr bearbeitet.
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