Community / / ALC gibt Flugzeuge in Russland verloren

Beitrag 1 - 15 von 15
Beitrag vom 25.04.2022 - 10:41 Uhr
UserKonTra77
User (20 Beiträge)
Die Frage ist, was Russland das Kopieren der Teile bringt. Wer würde denn nach Kriegsende und abebben der Sanktionen potentiell unsichere Flugzeuge in seinen Luftraum einfliegen lassen?
Beitrag vom 25.04.2022 - 11:23 Uhr
UserCharlie-Alpha
User (246 Beiträge)
@KonTra77

Ich stimme Ihnen da ganz und gar zu! Die langfristigen Folgen für die russische Luftfahrt werden verheerend sein und selbst wenn sich das ganze jetzt auf russischer Seite wie ein kurzer Coup anfühlen mag - die Nummer hat negative Folgen für Jahrzehnte in Russland.

Ersatzteile produziert man nicht ohne weiteres nach, selbst wenn man unter der Hand (vielleicht aus Tianjin) heimlich Skizzen auftreiben kann. Die Maschinen und Werkzeuge dafür fehlen von vorn bis hinten und jeder Techniker, der sich aktuell in Russland aufhält, der auf Airbus oder Boeing lizenziert ist - und mit seinen beruflichen Lebenslauf noch irgendwas anfangen will - wird Russland schnellstmöglich verlassen.

Von nun an wird es riskant, in russische Flugzeuge zu steigen.
Beitrag vom 25.04.2022 - 11:48 Uhr
UserCGNWAW
User (544 Beiträge)
Was will Russland eigentlich mit all den Maschinen machen? Die können doch dauerhaft nur im Inlandsmarkt eingesetzt werden.
Beitrag vom 25.04.2022 - 12:05 Uhr
UserCharlie-Alpha
User (246 Beiträge)
@CGNWAW

Scheinbar ja. Aber die Zahl einsatzfähiger Flugzeuge dürfte sich doch rapide lichten. Schlimmer mich als bei Staaten wie dem Iran dürfte es doch kaum "wohlwollende" Drittstaaten geben, die ihrerseits ihre Möglichkeiten aufs Spiel setzen würden.

Ich tippe weiterhin darauf, dass sich der Kreml bei seinem Coup absolut nicht über die Folgen für Russland im klaren war und ist.
Beitrag vom 25.04.2022 - 12:06 Uhr
UserCharlie-Alpha
User (246 Beiträge)
*schlimmer noch als... (Korrektur)
Beitrag vom 25.04.2022 - 12:42 Uhr
UserGustl
User (276 Beiträge)
Bein Kopieren von Einzelstücken sind die russischen Techniker richtig gut. Qualitativ sind die Einzelstücke - bei sehr hohen Fertigungs- und Nachbearbeitungskosten – einfach klasse.
Das Problem in Russland ist jedoch die branchenübergreifende Unfähigkeit zur einer Serienfertigung ohne die ausländische Federführung.

Die Versorgung von hunderten Jets mit Ersatzteilen - meist mit Verschleißteilen – ist aus russischer Produktion m.E. kaum denkbar. Darüber hinaus kann man die benötigten Mengen auch kaum unbemerkt über Drittländer schmuggeln.

Für viele Flugziele im Osten und Norden gibt es keine guten Alternativen, da es in der Nähe keine Eisenbahnlinien und auch teils keine Überlandstraßen gibt.
In Zukunft wird das Reisen in Russland fast so nostalgisch-komfortabel sein, wie zur Zarenzeit.
Gruß Gustl

Dieser Beitrag wurde am 25.04.2022 12:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 25.04.2022 - 13:00 Uhr
UserRunway
User (2755 Beiträge)
Ich tippe weiterhin darauf, dass sich der Kreml bei seinem Coup absolut nicht über die Folgen für Russland im klaren war und ist.

Wobei der "Kreml" suggeriert das da mehr Leute maßgeblich sind. Das bezweifelt ich aber denn Putin hat seinen Machtapparat längst so auf Linie gebracht das nur seine Meinung zählt. Das in einem solchen System permanente Bedenkenträger lange im Amt sind ist unwahrscheinlich.

Putin selbst hat für Wirtschaft nicht viel Verständnis denn er ist voll und ganz ein reiner Machtmensch. Die gravierenden Folgen hat er vermutlich so nicht erwartet aber die wären ihm möglicherweise sogar egal gewesen.
Beitrag vom 25.04.2022 - 14:36 Uhr
UserFRAHAM
User (236 Beiträge)
Ich bin da ein wenig bei Gustl. Ein Sicherheitsproblem würde ich in den nachgemachten Teilen je nach Art des Teils nicht sehen. Es wird aber auch Teile geben, die nicht nachgemacht werden können, spätestens wenn es um Software Änderungen geben.
Beitrag vom 25.04.2022 - 14:48 Uhr
UserKonTra77
User (20 Beiträge)
Bein Kopieren von Einzelstücken sind die russischen Techniker richtig gut. Qualitativ sind die Einzelstücke - bei sehr hohen Fertigungs- und Nachbearbeitungskosten – einfach klasse.
>
Selbst wenn die Teile gleichwertig oder besser sind, ohne einen Nachweis der Zertifizierung (Easa Form 1 oder Faa 8130) dürfen die Teile nicht ein Flieger eingebaut werden, da er sonst die Lufttüchtigkeit verliert.
Natürlich kann Russland sie für ihr Territorium als lufttüchtig deklarieren, aber was machen mit einem potentiell unsicheren Flieger, der so gut wie keine Destination im Ausland anfliegen darf?
Beitrag vom 25.04.2022 - 15:04 Uhr
UserGustl
User (276 Beiträge)
@KonTra77, das Zukunftsproblem liegt in der riesigen russischen Weite. Russland braucht mehr als 500 Jets, um innerrussische Flughäfen auf meist sehr langen Strecken zu bedienen. Dort werden viele Flieger fehlen.

Die Auslandsflüge könnte man ja noch Auslands-Partnern in den ehem. GUS,-Staaten China, Indien, Golfstaaten, Türkei und Serbien etc. überlassen.
Gruß Gustl
Beitrag vom 25.04.2022 - 17:49 Uhr
UserCharlie-Alpha
User (246 Beiträge)
@Gustl

Ich denke genau hier verzettelt sich der Kreml. Denn anders als sonst wird keiner es sich der Drittstaaten seinerseits mit dem Westen verscherzen wollen.

Halbseidene Gehilfen wie man es landläufig beispielsweise der Khors Air für den Iran nach gesagt haben soll, wird es für Russland auf keinen Fall in dem Maße geben. Mal abgesehen davon, dass Khors in der Ukraine registriert war.

Russland kann sich zu keinem Zeitpunkt mehr sicher sein, dass vermeintliche Bündnispartner auch morgen noch unterstützen werden. Gerade heute wurden neue bilaterale Vereinbarungen zwischen Indien und dem Westen für eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit geschlossen. Solchen Wendungen, auch gegen russische Hoffnungen meine ich.

Der Kreml verzockt sich komplett.
Beitrag vom 26.04.2022 - 06:38 Uhr
UserWMJH
User (256 Beiträge)
Da ich kein Rechtsspezialist bin mal 2 Fragen ans Forum:

-wenn Russland die geleasten Jets nicht mehr rausrückt und auch Leasinggebühren nicht mehr zahlt, könnten die Leasinggeber ausstehende Zahlungen doch theoretisch einklagen? Zum Beispiel durch Pfändung russischer Flugzeugmodelle bei Landungen ausserhalb Russlands oder Belarus, oder?

-nach diesem Verhalten Russlands mit der "Einverleibung fremder Flugzeuge" wird doch künftig kein Leasingunternehmen mehr Geschäfte mit Russland machen wollen. Nur mit Flugzeugen aus russischer Produktion kann Russland mengenmäßig ein internationales Netzwerk von Flugzielen doch nicht aufrecht erhalten?
Beitrag vom 26.04.2022 - 13:45 Uhr
UserFRAHAM
User (236 Beiträge)
Bein Kopieren von Einzelstücken sind die russischen Techniker richtig gut. Qualitativ sind die Einzelstücke - bei sehr hohen Fertigungs- und Nachbearbeitungskosten – einfach klasse.
>
Selbst wenn die Teile gleichwertig oder besser sind, ohne einen Nachweis der Zertifizierung (Easa Form 1 oder Faa 8130) dürfen die Teile nicht ein Flieger eingebaut werden, da er sonst die Lufttüchtigkeit verliert.
Natürlich kann Russland sie für ihr Territorium als lufttüchtig deklarieren, aber was machen mit einem potentiell unsicheren Flieger, der so gut wie keine Destination im Ausland anfliegen darf?

Als ob das jetzt noch eine Rolle spielt. Machen wir uns nichts vor - alleine im Rechtsstreit über die Einbehaltung der Flugzeuge trotz Aufkündigung der Verträge, werden diese Flugzeuge so schnell kein Ausland mehr sehen. Die rechtliche und damit finanzielle Aufbereitung wird dann noch Jahre dauern - wenn sie analog zur altbekannten Praxis aus früheren Zeiten mit Flugzeugen eigener Produktion auch noch halbwegs clever sind, wird es am Ende einige Zertifikats-Schrotthaufen geben die im Inland den Rücken frei halten und einige saubere, die auch dann ins Ausland dürfen. Der inländische Markt ist "groß" genug. Im Zweifel werden dann per Dekret auch die Airlines konsolidiert.

>-wenn Russland die geleasten Jets nicht mehr rausrückt und auch Leasinggebühren nicht mehr zahlt, könnten die Leasinggeber ausstehende Zahlungen doch theoretisch einklagen? Zum Beispiel durch Pfändung russischer Flugzeugmodelle bei Landungen ausserhalb Russlands oder Belarus, oder?

Mein Verständnis ist, dass die Verträge gekündigt sind. D.h. eine Zahlung von Leasinggebühren ist nicht ausstehend. Die Frage wird auch sein, auf welchen Gerichtsstand sich die Parteien im Vertrag geeinigt haben. Eine Pfändung einer anderen Maschine sozusagen ersatzweise, wird voraussichtlich vor einem "regulären" Gericht keinen Bestand haben.

>-nach diesem Verhalten Russlands mit der "Einverleibung fremder Flugzeuge" wird doch künftig kein Leasingunternehmen mehr Geschäfte mit Russland machen wollen. Nur mit Flugzeugen aus russischer Produktion kann Russland mengenmäßig ein internationales Netzwerk von Flugzielen doch nicht aufrecht erhalten?

Zum ersten Teil - nahezu jede Wette, dass wieder irgendwann irgendwer der Meinung sein wird, dass man dort sehr wohl Geld parken kann und mit entsprechenden Zinsen/Gewinnen das Risiko wett machen kann. Zum zweiten Teil - der touristische Bedarf an Flügen außerhalb des eigenen Mikrokosmos wird sicherlich nicht besonders hoch mehr sein. Urlaub in Russland aus den westlichen Ländern wird wohl in den nächsten Jahren eher bei 0 sein. Urlaub im Rest der Welt werden sich nur die reichen leisten können bei der derzeitigen Inflation. Wirtschaftlich wird es auch nicht so viel mehr geben auf absehbare Zeit und wenn, werden sicherlich auch Airlines befreundeter Länder profitieren dürfen. Aber ja, das zeigt warum so viele Leute (inkl. mir) diesen Schritt Putins nicht für möglich gehalten haben. Die Flurschäden sind derart groß, dass selbst bei einem militärischen Sieg das Vertrauen in geschwächt sein wird und die Spätfolgen für Russland groß sein werden.
Beitrag vom 26.04.2022 - 20:07 Uhr
UserJordanPensionär
Pensionär
User (550 Beiträge)
Das ganze ist doch staatlich beförderter Diebstahl in einer unfassbaren Dimension.

Egal wie der Krieg ausgeht: ich bin wirklich gespannt wie die Weltgemeinschaft sich danach zu Russland verhält.
Beitrag vom 26.04.2022 - 22:57 Uhr
UserFRAHAM
User (236 Beiträge)
Och, da habe ich ein klares Bild ... Russland wird recht bald wieder "Freund" sein. Rohstoffe verderben den Charackter, wenn man sie hat, und die Ansprüche an Werte, wenn die Rohstoffe nicht hat.