Community / / Bericht: Skyranger-System hat VerspÃ...

Beitrag 1 - 9 von 9
Beitrag vom 20.08.2026 - 22:45 Uhr
UserEricM
User (7369 Beiträge)
Die Experten schreiben demnach: "Die Performance des Auftragnehmers ist stark verbesserungswürdig."

Deutsche Wehrbeschaffung ...
Zu einem vermurksten Vertragsverhältnis gehören idR zwei. Insbesondere Kunden, die sich weder um ihre Beistellungen kümmern, noch sich vor der Ausschreibung, dem Runterhandeln und der Unterschrift des billigsten Angebots überhaupt finale Gedanken um ihre Anforderungen gemacht haben.

In diesem Sinne mögen sich die zitierten "Experten" gelegentlich auch mal an die eigene Nase fassen.
Beitrag vom 21.08.2026 - 12:53 Uhr
UserGB
User (1167 Beiträge)
Es handelt sich um die "Performance des Auftragnehmers" und nicht um die des Systems, wie man leicht meinen könnte. Man ist also mit dem Auftragnehmer unzufrieden, den Leistungen seines Produkts kann man offenbar nichts Relevantes vorwerfen. Der Auftragnehmer spurt wohl nicht so, wie andere es gern hätten.

Dieser Auftragnehmer berichtet nun unwidersprochen "Grund sei eine vom Kunden gewünschte Anpassung des Boxer-Fahrmoduls auf einen modernisierten künftigen Standard". Das mag sein oder auch nicht, ohne Kenntnis der Interna kann man das nicht entscheiden. Aber es ist eine gewichtige Behauptung.

Man weiss allerdings ziemlich gut, dass (nicht nur) staatliche Grossprojekte, insbesondere solche aus dem Rüstungswesen, oft aus dem Ruder laufen wegen nachträglicher Planungsänderungen. Das liegt übrigens in der Natur der Sache von reglementierten Auftragsvergaben, der Auftragnehmer hat ein natürliches Interesse, die Ausschreibung auch über die Kosten zu gewinnen und an einer Auftragserweiterung mit Folgekosten zu verdienen, insbesndere solchen, denen kein Konkurrenzwettbewerb zugrunde liegt. Das ist bekannt und hat man uns schon vor einigen Jahrzehnten beigebracht zu beachten. Wenn der zahlende Partner Kunde unfähig ist, solche Stolpersteine zu vermeiden, dann muss er eben für das fehlende Grundwissen seiner F(l)achleute bezahlen.

Erstaunlich ist, dass es dem Auftraggeber anscheinend nicht möglich ist, obigem Gegenargument des Auftragnehmers fundiert entgegen zu treten. Das hat nichts mit militärischen Geheimnissen zu tun, was in Presseveröffentlichungen steht, kann so geheimhaltungsbedürftig nicht sein.

Beitrag vom 21.08.2026 - 13:52 Uhr
UserJordanPensionär
Pensionär
User (4550 Beiträge)
"Den Unterlagen zufolge habe die Bundeswehr derzeit auch keine verlässliche Kenntnis, was der Skyranger bis Mitte 2027 können wird,...".

Schon merkwürdig etwas zu bestellen ohne zu wissen was es kann. Oder verstehe ich das falsch?

Beitrag vom 21.08.2026 - 16:32 Uhr
UserGB
User (1167 Beiträge)
Das sind Optionen mit enthalten, die erst noch entwickelt bzw. realisiert werden müssen und für die bisher noch keine bzw. nur unscharfe Daten zugesichert werden können, grob gesagt sowas wie "Erkennung zu xy Prozent bei derunder Grösse auf soundsoviel Entfernung". Bei Munition z.B. kann man die Durchschlagskraft aufgrund bekannter Parameter berechnen, während z.B. bei Radarreflektionen das Signalbild schwerer abzuschätzen ist.

"Keine verlässliche Kenntnis" hört sich halt für click baiting interessanter an als "zugesicherter Mindestwert".
Beitrag vom 23.08.2026 - 02:24 Uhr
Usermuckster
User (605 Beiträge)
@GB

Erstaunlich ist, dass es dem Auftraggeber anscheinend nicht möglich ist, obigem Gegenargument des Auftragnehmers fundiert entgegen zu treten. Das hat nichts mit militärischen Geheimnissen zu tun, was in Presseveröffentlichungen steht, kann so geheimhaltungsbedürftig nicht sein.
Vielleicht liegt es ja ganz einfach daran, dass der Auftragnehmer nur die Tatsachen benannt hat? Warum müssen Sie immer so weit ausholen, wenn Sie als "Beleg" für Ihre Vermutungen nur Gemeinplätze über die Industrie anführen können?

@JordanPensionär

Schon merkwürdig etwas zu bestellen ohne zu wissen was es kann. Oder verstehe ich das falsch?
Sie haben es falsch verstanden. Skyranger hat den Technologiereifegrad 7, da ist nichts mehr im Unklaren. Es geht hier auch nicht um die Flugabwehrkomponenten, sondern um das Fahrmodul.

Der Satz bedeutet: Man weiß, was der FlakPz im vertraglich zugesicherten Endzustand können wird; man weiß jedoch nicht, ob dieser Endzustand bereits vorliegt, wenn das erste Fahrzeug die Fabriktore verlässt.

Das hört sich dramatischer an, als es ist. Es kann im Interesse der Bundeswehr sein, bereits das "unfertige" Produkt in Dienst zu stellen, bspw. um so schnell wie möglich mit dem Ausbildungsbetrieb zu beginnen. Dann müssen vielleicht Fahrzeuge später nachgerüstet werden. Ist kein Beinbruch.

@Harvey

Wir kennen diese Nummer doch schon vom G36 welches plötzlich von der regierungsnahen Presse durch den Kakau gezogen wurde, als die Bundeswehr in Afghanistan gemerkt hat dass sie den falschen Typ von Gewehr bestellt hat.
Mumpitz.

Hier beim Skyranger sind diese Vorwürfe besonders absurd nachdem der neue Teil d.h. das Modul bzw. der Turm nicht zu Verzögerungen führte aber das bereits bewährte Fahrmodul schon ...
Nö.

Hintergrund der Verzögerungen ist, dass man seit der Vergabe dieses Auftrags entschieden hat, zusammen mit den Niederlanden und Großbritannien eine große Zahl weiterer Boxer-Fahrmodule zu bestellen.

Die Briten und Niederländer erhalten die modernste Ausführung A3. Deutschland sollte ursprünglich den üblichen A2-Standard bekommen, der bereits betrieben wird (zwecks Vereinheitlichung). Man hat aber entschieden, Elemente von A3 zu übernehmen, das spart Geld (Skaleneffekte).

klassischer Beschaffungsfehler welcher wie auch die tolle Idee Boxer aus einer halbfertigen Produktion in Australien zu bestellen sehr wahrscheinlich in der Politik seine Ursachen hat.
Wieso "halbfertig"? Die australische Armee betreibt den Boxer bereits seit Jahren, der Großteil der Flotte wurde vor Ort gefertigt.

Deutschland hat sich damals mit Rheinmetall auf die Produktion in Australien geeinigt, weil man sich davon einen schnelleren Zulauf der neuen Fahrzeuge versprach (die Fabrik in Australien hat freie Kapazitäten, die Fertigungsstraßen in Deutschland und den Niederlanden hingegen sind ausgelastet).

An und für sich war das eine vernünftige Entscheidung.

Man sollte fürs Amt des Verteidigungsministers in Zukunft eine Ingenieursausbildung mit mindestens 10 Jahren Berufserfahrung im Fahrzeug- oder Maschinenbau verlangen.
Aha. Nach Ihrer Logik "darf" der Verteidigungsminister dann immer noch Rüstungsvorhaben der Luftwaffe und Marine an die Wand fahren, denn schließlich befähigt ihn eine Berufserfahrung im Fahrzeugbau nicht dazu, Flugzeuge oder Schiffe zu kaufen.

Dieser Beitrag wurde am 23.08.2026 02:29 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.08.2026 - 01:00 Uhr
Usermuckster
User (605 Beiträge)
@Harvey

Was genau?
Die Geschichte selber wohl nicht.
Die Geschichte, und Ihre Darstellung derselben.

Mein harsches Urteil ausführlich begründet (denn der ganze Vorgang kann gewissermaßen stellvertretend für den idiotischen Umgang der Öffentlichkeit mit Rüstungsangelegenheiten stehen):

*Geschichte*

Das G36 wurde als leichtes und leicht zu bedienendes Ordonnanzgewehr einer mechanisierten Wehrpflichtarmee für die Landes- und Bündnisverteidigung entwickelt und beschafft (d.h. Bestandteil eines großes Waffenmixes; Einsatz im europäischen Klima; keine weiten Schussdistanzen).

Weil aus (innen- und außen-)politischen Gründen in Afghanistan fast nur leichte Infanterie zum Einsatz kam, musste die Waffe die Hauptlast des Gefechts tragen. Sie war aber nie dazu gedacht, im afghanischen Sommer bei 45°C im Schatten hundert Schuss in schneller Folge abzugeben und dann noch auf 600 m zu treffen. Tatsächlich ist kein Sturmgewehr dafür gedacht, dazu gibt es Maschinengewehre.

Andere Armeen stießen auf ähnliche Probleme wie die deutsche, das Ganze wurde dort nur nie skandalisiert, man beschaffte einfach spezialisierte Waffen zur Ergänzung, oder setzte gleich verstärkt gepanzerte Fahrzeuge und Artillerie zur Feuerunterstützung ein.

Anders gesagt, das G36 "durfte" so abschneiden, wie es abgeschnitten hat. Man hat nicht die falsche Waffe beschafft, man hat sie falsch eingesetzt, mangels Alternative.

Hersteller Heckler & Koch hat überdies gerichtlich die Feststellung erstritten, dass die anekdotischen schlechten Erfahrungsberichte einzelner Soldaten genau das waren: Anekdoten, und dem Verteidigungsministerium untersagt, zu behaupten, dass die Beschaffungsbehörde BAAIN sie verifiziert habe; denn diese "Verifikation" gestaltete sich so, dass man auf Anordnung der damaligen Verteidigungsministerin von der Leyen einfach munter drauflos experimentierte, bis man Laborbedingungen erreicht hatte, unter denen man die Waffe zu Schrott schießen konnte, die aber nichts mit der Realität zu tun hatten.

*Darstellung*

Das G36 wurde 1996 eingeführt, mit einer erwarteten Nutzungsdauer von 20 Jahren; als der "Skandal" in Deutschland losbrach, musste man also ohnehin über eine neue Ordonnanzwaffe nachdenken. Skandalisiert wurde der Ersatz offenbar erst auf Betreiben von der Leyens, die sich als Macherin profilieren wollte.

Das Ganze entwickelte dann freilich medial ein Eigenleben, weil ein Gewehr, das angeblich nicht geradeaus schießen kann, nun mal wunderbaren Clickbait abgibt.

Mit einer "Regierungsnähe" der Medien hatte die Berichterstattung nichts zu tun, vielmehr galt es bis mindestens 2022 einfach als Konsens in der deutschen Medienlandschaft, dass jeder Euro für die Bundeswehr rausgeschmissenes Geld ist; außerdem werden Probleme bei Rüstungsbeschaffungen von den Medien dankend aufgegriffen, um (mit tatsächlicher oder vermeintlicher Berechtigung) zu illustrieren, dass die Industrienation Deutschland im Niedergang begriffen ist.

Da würde ich mich an Stelle der Bundeswehr auch beschweren.
Wieso? Wenn der Koch schon am Herd steht, und ich mir nachträglich überlege, dass ich meine Pasta gerne noch mit Käse überbacken hätte, muss ich eben länger warten, bis das Essen fertig ist.

Vereinheitlichung und Skaleneffekte oder Frankensteinversion?
Vielleicht lag der Fehler bei mir, an einer ungenauen Formulierung, daher noch einmal stenografiert …

Vorher: A2, weil alle deutschen Fahrzeuge A2 sind

Dann: Briten und Niederländer wollen mit uns weitere Boxer bestellen

Jetzt: A3*, weil Briten und Niederländer A3 wollen

*) Streng genommen hat man für Deutschland nur einzelne Merkmale der Ausführung A3 übernommen, aber das spielt unterm Strich keine Rolle.

Dieser Beitrag wurde am 24.08.2026 01:03 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.08.2026 - 14:41 Uhr
UserGB
User (1167 Beiträge)
@GB

Erstaunlich ist, dass es dem Auftraggeber anscheinend nicht möglich ist, obigem Gegenargument des Auftragnehmers fundiert entgegen zu treten. Das hat nichts mit militärischen Geheimnissen zu tun, was in Presseveröffentlichungen steht, kann so geheimhaltungsbedürftig nicht sein.
Vielleicht liegt es ja ganz einfach daran, dass der Auftragnehmer nur die Tatsachen benannt hat?

Vieleicht, vielleicht auch nicht. Ich spekuliere nicht. Ich gebe nur meinem Erstaunen Ausdruck - übrigens doch genau wie Sie in Ihrer Antwort direkt nach dieser Passage.


Warum müssen Sie immer so weit ausholen, wenn Sie als "Beleg" für Ihre Vermutungen nur Gemeinplätze über die Industrie anführen können?

Da ich nichts vermute, sofern ich dies nicht ausdrücklich so vermerke, gibt es diesbezüglich auch nichts zu belegen. Im übrigen, was haben Sie gegen Belege anstelle Vermutungen?