Community / / Eurowings: Vogelschlag zerlegt beide...

Beitrag 1 - 7 von 7
Beitrag vom 18.08.2017 - 18:05 Uhr
UserMike8202
User (88 Beiträge)
Zitat "Splitter...werden vom rechten Triebwerk...eingesogen. Es versagt fast zeitgleich."
Wie funktioniert das? Das Flugzeug rollt mit hoher Geschwindigkeit, dann Vogelschlagim linken Triebwerk und die die Splitter dieses Triebwerks gelangen dann direkt ins rechte Triebwerk und legen es lahm? Ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen.
Beitrag vom 18.08.2017 - 18:40 Uhr
UserAndyD
User (2 Beiträge)
Zitat "Splitter...werden vom rechten Triebwerk...eingesogen. Es versagt fast zeitgleich."
Wie funktioniert das? Das Flugzeug rollt mit hoher Geschwindigkeit, dann Vogelschlagim linken Triebwerk und die die Splitter dieses Triebwerks gelangen dann direkt ins rechte Triebwerk und legen es lahm? Ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen.

Bei einem Vogelschlag kann es aufgrund der gestörten Aerodynamik durch Vogel- und Triebwerksteile in der Turbine zum Stall kommen. Dabei wird der Luftmassestrom durch die Turbine beschränkt wodurch es passieren kann, dass sich der Druck in der Brennkammer nun nach vorne durch den Verdichter abbaut. Der Vorgang wird auch als Verdichterpumpen bezeichnet, da es in aller Regel ein zyklischer Vorgang ist. Im Extremfall können dadurch die genannten Splitter weit nach vorne aus dem Triebwerk geschleudert worden sein. Wobei ich zugeben muss, dass es schon sehr extrem ist, wenn sie anschließend vom TW auf der anderen Seite des Rumpfes (!) eingesaugt werden...

Noch Mal zum Pumpen, bei YouTube finden sich zum Teil Videos bei denen nach einem Vogelschlag oder auch nach dem back taxiing der Globemaster vorne Flammen aus dem Triebwerk kommen. Bei letzterer ausgelöst durch Dreck der durch die Schubumkehr aufgewirbelt und eingesaugt wurde.
Beitrag vom 18.08.2017 - 19:10 Uhr
UserMike8202
User (88 Beiträge)
@AndyD
Danke für die Erklärung. So ergibt es einen Sinn.
Beitrag vom 19.08.2017 - 14:06 Uhr
UserGaidi
User (24 Beiträge)
In abgewandelter Form gibt bzw. gab es das auch so:

Triebwerk links zerlegt sich und Teile der Schaufeln durchbrechen den Mantel (der ja eigentlich das verhindern sollte, dazu ist er - eigentlich - konstruiert) = uncontained engine failure, fliegen - glücklicherweise! - nicht durch die Kabine, wo es Passagier-Gehäkseltes gegeben hätte, sondern unter dem Rumpf durch Richtung Boden, prallen dort ab und schlagen selbst dort noch durch den Mantel in das andere Triebwerk ein. Schwupps, steht das Ding auch.

Fun! Weniger... Leider bittere Realität gewesen.

Solche Fälle gibt es immer mal wieder, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür unglaublich gering ist. Aber das ist es eben mit Wahrscheinlichkeiten: Wenn man Dinge immer wieder wiederholt, dann passiert irgendwann eben auch das unwahrscheinlichste.

Genaugenommen leben wir davon: Nur durch den unglaublich unwahrscheinlichsten Tunnel-Effekt bei der Verschmelzung zweier Wasserstoffatome verschmelzen die überhaupt miteinander innerhalb der Sonne. Wenn mich nicht alles täuscht und ich mich korrekt erinnere ist das mathematisch so unwahrscheinlich, dass beim Vergleich mit der o.a. Wahrscheinlichkeit eines double birdstrike oder generell dual engine failure beim Start ein solcher geradezu astronomisch hoch ist. Also die engine failure, nicht die Kernverschmelzung. Und doch passiert es schlicht aufgrund der irren Häufigkeit der Annäherung der Kerne innerhalb der Sonne so oft, dass wir davon und deswegen überhaupt leben können.

Entschuldigung für die Abschweifung... Aber ich finde Wahrscheinlichkeiten und deren Berechnungen, was sie bedeuten und wie wir Menschen sie wahrnehmen absolut faszinierend. Betrifft leider viel zu viele Bereiche des Alltages. Leider...
Beitrag vom 21.08.2017 - 07:25 Uhr
UserDaemotron
User (79 Beiträge)
Beim Herald ( http://avherald.com/h?article=4ad17d93&opt=0) steht da noch folgender Nachsatz (Update vom 18. August):
On Aug 18th 2017 the BFU added, that there was a single sided bird strike resulting in an instant power loss, however, not a failure of the engine. The takeoff was rejected. Subsequently minor damage was found to the fuselage and the other engine. The occurrence was not rated accident or serious incident, an investigation has not been opened.
Der Schaden am rechten Triebwerk wird also als "Minor Damage" eingestuft, und das BfU führt offenbar doch keine offizielle Unfallermittlung durch.
Beitrag vom 21.08.2017 - 21:22 Uhr
UserNeilArmstrong
User (287 Beiträge)
@Gaidi, @ AndyD

Stimme Ihnen zu - gute Erklärungen.

Doch wie ist es mit der hohen Geschwindigkeit der Vorwärtsbewegung des Flugzeuges?
Also Triebwerk wird zerstört, spuckt Splitter nach vorne oder zur Seite aus und das bei - sagen wir - ca. Tempo 200 km/h. Wie schnell und vor allem wie weit nach vorne müßten denn die Splitter fliegen, damit sie unter dem Rumpf hindurch oder vor der Flügelnase auf die linke Seite ins Triebwerk gelangen?

Trotz aller unmöglichen Wahrscheinlichkeiten (ja die gibt es) denke ich, daß vielleicht eher ein Teil des Vogels oder vielleicht ein zweiter Vogel das andere Triebwerk erreicht haben könnte. Bewegt sich selbst bei einer Notbremsung das Flugzeug zum Zeitpunkt des Ereignisses nicht einfach zu schnell vorwärts, als daß etwas zur anderen Seite gelangen könnte? Oder wie wäre es hier mit der Wahrscheinlichkeit?
Beitrag vom 30.08.2017 - 13:04 Uhr
UserAndyD
User (2 Beiträge)
@NeilArmstrong
Ich halte es auch für sehr viel wahrscheinlicher dass etwas anderes, z.b. ein kleinerer Vogel, den Schaden am zweiten Triebwerk ausgelöst hat. Nichts genaues weiß man nicht. Also etwa wie der Schaden hinterher konkret aussah, wie schnell die Maschine war und wie groß der Leistungsverlust tatsächlich war...

Bezüglich der Frage wie weit die Teile nach vorne geflogen sein müssten. Kann man ohne entsprechende Daten schlecht sagen. Fest steht, dass auch beim Start wenn das Flugzeug noch sehr langsam ist die Luft bereits mit über Ma 0,5 eingesaugt wird. Die Stromröhre der in das TW gesaugten Luft ist dabei sehr weit geöffnet und hat einen gegenüber dem TW vielfach größeren Durchmesser. Kleine/leichte Teile können daher auch unter relativ großem Winkel von der Seite noch eingesaugt werden.
Bei Erhöhung der Fluggeschwindigkeit verringert sich der Durchmesser genannter Stromröhre nun und ist im Reiseflug schließlich kleiner als das TW selbst. Aufgrund der hohen Beschleunigung in der Startphase ist es also Recht schwer abzuschätzen wie weit ein Teil nach (schräg) vorne fliegen müsste um in die Stromröhre des zweiten TW zu geraten...