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Beitrag 1 - 10 von 10
Beitrag vom 18.04.2018 - 16:16 Uhr
UserEricM
User (1625 Beiträge)
Die sog. "Jobmaschine" Fraport erzeugt also Jobs, die zum Leben in der Region gar nicht reichen. "Überraschung"...
Und damit der Flughafen wettbewerbsfähig bleibt, werden jetzt nicht etwa bessere Löhne gezahlt, sondern die Jobs werden jetzt exportiert.
Nur: Wenn es Zimmer für Osteuropäer in Kelsterbach für 350€ gibt- warum dann nicht für Zentral-/West-Europäer?
Beitrag vom 19.04.2018 - 08:26 Uhr
UserMarcB
User (1 Beiträge)
Statt einem a la AfD rum zu stänkern - mal Faktencheck des Kommentars gefällig?

Die sog. "Jobmaschine" Fraport erzeugt also Jobs, die zum Leben in der Region gar nicht reichen. "Überraschung"...
Das bei 84.000 auch niedrige Lohngruppen dabei sind, dürfte kaum überraschen. Auch wird im Artikel von Einstiegslöhnen gesprochen. Laut Geschäftsbericht Fraport 2016 war der Personalaufwand "Ground Handling" 435,7 Mio € bei 8649 Beschäftigten - macht durchschnittlich 50 600€ pro Person (inkl. Sozialversicherungsanteil Arbeitgeber) also deutlich mehr... Steigerung Aufwände pro Kopf zu 2015: ca. 9%. Und weiter...
Und damit der Flughafen wettbewerbsfähig bleibt, werden jetzt nicht etwa bessere Löhne gezahlt, ...
Ein klassisches Henne-Ei-Problem: Alle wollen billig fliegen - wovon sollen dann höhere Löhne bezahlt werden? Natürlich sind solch geringen Löhne immer schwierig, jedoch für ungelernte Kräfte schon recht ordentlich. Dass diese Gehaltsgruppen in Rhein-Main Probleme beim Finden von Wohnungen haben betrifft nicht nur Fraport, sondern sicher auch tausende Frisöre, Gebäudereiniger, Sicherheitsleute in Museen, ... Generell muss ein Unternehmen auch auf eine gewisse Lohnspanne zwischen Einstiegslöhnen, mittleren Positionen und Vorarbeitern/Bereichsleitern etc. achten - sonst tut sich keiner den größeren Streß und Verantwortung in "höheren" Positionen mehr an... ;-)
sondern die Jobs werden jetzt exportiert.
Eher importiert, oder? Die Menschen zahlen ja in D dann auch Steuern und Sozialversicherung und geben einen Großteil des Geldes wieder hier aus... Da der Rhein-Main-Arbeitsmarkt nachweisbar keine passenden Menschen für diese Jobs mehr bietet. Die Umzugswilligkeit von Arbeitskräften innerhalb D ist nachweisbar ausgesprochen gering. Was bleibt da anderes übrig in Zeiten, in denen D gen Richtung Vollbeschäftigung steuert? Soll Fraport einfach sagen "wir wachsen nicht mehr" und keine weiteren Flüge erlauben (und ggf. sogar schrumpfen, da die personellen Kapazitäten eh schon überbeansprucht sind)?
Nur: Wenn es Zimmer für Osteuropäer in Kelsterbach für 350€ gibt- warum dann nicht für Zentral-/West-Europäer?
Auch davon ist im Artikel nicht die Rede - und wäre rechtlich auch nicht durchsetzbar. Außerdem dürfte Fraport es ziemlich egal sein, ob Ost-, Süd-, Nord- oder West-Europa: Hauptsache Personal... Wenn die jemanden haben, der geeignet ist, wird der auch eine Wohnung bekommen, wenn er eine braucht...

Aber Fakten werden ja heute eher gerne mal ignoriert, sonst ließe sich ja nicht so schön sein Weltbild erhalten, gelle? ;-)

PS: Nein, ich arbeite in keinster Weise bei Fraport, habe auch nicht mit denen zu tun und besitze auch keine Fraport-Aktien... ;-)

Dieser Beitrag wurde am 19.04.2018 08:29 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 19.04.2018 - 10:54 Uhr
Usercontrail55
User (1115 Beiträge)
Danke für den Beitrag. Ich habe mit mir gerungen, ob ich etwas dazu sage.

Und damit der Flughafen wettbewerbsfähig bleibt, werden jetzt nicht etwa bessere Löhne gezahlt, ...

Wie ist dieses "wettbewerbsfähig" zu verstehen? Um Arbeitskräfte zu bekommen oder um im Wettbewerb zu bestehen?
Kurzer Blick zurück. Als die Mitarbeiter einer großen Airline für bessere Einkommen usw. gestreikt haben hieß es, die sägen damit nur den eigenen Ast ab. Jetzt sind höhere Einkommen die Lösung?
Zur Marktsitution. FRA ist teuer. Der Hauptkunde verschiebt deswegen Volumen weg von FRA. Die LSG schließt ein Werk wegen zu hoher Standortkosten und verlagert weg. Neue Flugzege werden in Zukunft Volumen an den Hubs vorbei leiten. Neue Airlines kommen nur wegen Rabattaktionen.

Sägt man sich nicht mit einer ungünstigen Kostenbasis selbst den Ast ab? Dem Markt ist es völlig egal, ob FRA in einer Hochkostenzone liegt. Der geht dahin, wo es was zu verdienen gibt.

Die Aussage des Betriebsrates habe ich so verstanden, dass man generell Wohnunterstützung bieten muss (und schon länger fordert), um Arbeitskräfte in die Region zu locken. Unabhängig woher diese kommen.

Beitrag vom 19.04.2018 - 15:48 Uhr
UserEricM
User (1625 Beiträge)
Statt einem a la AfD rum zu stänkern - mal Faktencheck des Kommentars gefällig?
Ein Faktencheck wäre nett gewesen - leider kam es anders :-)

Die sog. "Jobmaschine" Fraport erzeugt also Jobs, die zum Leben in der Region gar nicht reichen. "Überraschung"...
Das bei 84.000 auch niedrige Lohngruppen dabei sind, dürfte kaum überraschen. Auch wird im Artikel von Einstiegslöhnen gesprochen. Laut Geschäftsbericht Fraport 2016 war der Personalaufwand "Ground Handling" 435,7 Mio € bei 8649 Beschäftigten - macht durchschnittlich 50 600€ pro Person (inkl. Sozialversicherungsanteil Arbeitgeber) also deutlich mehr... Steigerung Aufwände pro Kopf zu 2015: ca. 9%.

Stichwort Faktencheck:
Bei Fraport arbeiten keine 84.000 sondenr etwa 22.000. Die 84.000 sind eine reine Marketing Zahl, die die Wichtigkeit des Flughafens betonen soll und alle Firmen, auch non-Aviation in den Gewerbegebieten in der Nähe des Flughafens mit einbezieht.
Klar haben sie Gründe für ihr Vorgehen. Auch kann man jetzt mit Durchschnittswerten andere Behauptungen aufstellen. Der Fakt bleibt aber bestehen...
Fraport bietet ne Menge Jobs an, die für das Geld niemand machen will.

Und damit der Flughafen wettbewerbsfähig bleibt, werden jetzt nicht etwa bessere Löhne gezahlt, ...
Ein klassisches Henne-Ei-Problem: Alle wollen billig fliegen - wovon sollen dann höhere Löhne bezahlt werden?

Faktencheck :
Wenn alle Airlines in FRA 10% höhere Gebühren bezahlen, würden Tickets nur um ein paar Euro teurer. Das würde niemanden vom Fliegen abhalten und wäre immer noch billig.

Natürlich sind solch geringen Löhne immer schwierig, jedoch für ungelernte Kräfte schon recht ordentlich. Dass diese Gehaltsgruppen in Rhein-Main Probleme beim Finden von Wohnungen haben betrifft nicht nur Fraport, sondern sicher auch tausende Frisöre, Gebäudereiniger, Sicherheitsleute in Museen, ... Generell muss ein Unternehmen auch auf eine gewisse Lohnspanne zwischen Einstiegslöhnen, mittleren Positionen und Vorarbeitern/Bereichsleitern etc. achten - sonst tut sich keiner den größeren Streß und Verantwortung in "höheren" Positionen mehr an... ;-)

Faktencheck: Anderes Thema


sondern die Jobs werden jetzt exportiert.
Eher importiert, oder? Die Menschen zahlen ja in D dann auch Steuern und Sozialversicherung und geben einen Großteil des Geldes wieder hier aus...

Faktencheck: Nicht die Jobs, Menschen werden "importiert", wenn man das mal so nennen will.
Statt die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu senken, werden Personen aus Billiglohnländern gesucht, die diese Jobs machen.
Damit gehen dem deutschen Arbeitsmarkt tatsächlich Stellen verloren.
Und ich glaube man muss nicht mit dem rechten Rand sympathisieren um das für ein Problem zu halten.

Da der Rhein-Main-Arbeitsmarkt nachweisbar keine passenden Menschen für diese
[lausig bezahlten]
Jobs mehr bietet. Die Umzugswilligkeit von Arbeitskräften innerhalb D ist nachweisbar ausgesprochen gering. Was bleibt da anderes übrig in Zeiten, in denen D gen Richtung Vollbeschäftigung steuert? Soll Fraport einfach sagen "wir wachsen nicht mehr" und keine weiteren Flüge erlauben (und ggf. sogar schrumpfen, da die personellen Kapazitäten eh schon überbeansprucht sind)?

Faktencheck : Ich hatte bessere Bezahlung nahegelegt. Wer zieht denn in eine absolute Hochpreisgegend und nimmt dort einen Job auf Mindestlohnniveau an?
Das kann doch nicht funktionieren ...

Nur: Wenn es Zimmer für Osteuropäer in Kelsterbach für 350€ gibt- warum dann nicht für Zentral-/West-Europäer?
Auch davon ist im Artikel nicht die Rede - und wäre rechtlich auch nicht durchsetzbar. Außerdem dürfte Fraport es ziemlich egal sein, ob Ost-, Süd-, Nord- oder West-Europa: Hauptsache Personal... Wenn die jemanden haben, der geeignet ist, wird der auch eine Wohnung bekommen, wenn er eine braucht...

Mir ging es darum, dass eine solche Wohnungsinitiative ja wohl nicht nur für die jetzt anzuwerbenden Osteuropäer sinnvoll wäre...
Zudem könnten die dafür notwendigen Kosten auch für Menschenwürdige Löhne ausgegeben werden. Dann hätten alle was davon.

Aber Fakten werden ja heute eher gerne mal ignoriert, sonst ließe sich ja nicht so schön sein Weltbild erhalten, gelle? ;-)

Richtig, und jeder sollte mal an seine eigene Nase fassen :-)


PS: Nein, ich arbeite in keinster Weise bei Fraport, habe auch nicht mit denen zu tun und besitze auch keine Fraport-Aktien... ;-)

Respekt, dafür war der Beitrag hochgradig kompatibel zur Fraport Kommunikationsstrategie.

Dieser Beitrag wurde am 19.04.2018 16:05 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 19.04.2018 - 18:21 Uhr
Usercontrail55
User (1115 Beiträge)
Welche Tätigkeit bei der Fraport wird denn mit Mindestlohn vergütet? Das wären bei 39Std/Woche 18 000,- Die beschriebenen Tätigkeiten sind aktuell ausgeschrieben mit 25 000,- , ohne Berufsausbildung, mit Alterversorung und Jobticket.
Beitrag vom 19.04.2018 - 20:49 Uhr
UserEricM
User (1625 Beiträge)
Danke für den Beitrag. Ich habe mit mir gerungen, ob ich etwas dazu sage.

Und damit der Flughafen wettbewerbsfähig bleibt, werden jetzt nicht etwa bessere Löhne gezahlt, ...

Wie ist dieses "wettbewerbsfähig" zu verstehen? Um Arbeitskräfte zu bekommen oder um im Wettbewerb zu bestehen?
Da war letzteres gemeint. Tatsächlich gilt aber beides.
Im Wettbewerb um Arbeitskräfte bildet sich ein Preis dessen Kosten für den Arbeitgeber durch seine Preise gedeckt werden müssen.
Die Arbeitgeber untereinander stehen dann auch wieder im Wettbewerb.

In Deutschland haben wir uns komischerweise aber daran gewöhnt, dass die untersten Lohngruppen, die oft die eigentliche Arbeit leisten, die Speerspitze der Wettbewerbsfähigkeit bilden müssen, während Hilfsfunktionen wie BWL, Marketing, Controlling und Management großzügige Entlohnung benötigen um halbwegs motiviert ihren Job zu erledigen ...

Deswegen stoßen ja vielen die Piloten so sauer auf.
Sie sind produktive Arbeitnehmer, verantworten das eigentliche Produkt der Firma - und sind dann so dreist daran auch gut verdienen zu wollen ...

Kurzer Blick zurück. Als die Mitarbeiter einer großen Airline für bessere Einkommen usw. gestreikt haben hieß es,
[ von interssierter Seite ]
die sägen damit nur den eigenen Ast ab. Jetzt sind höhere Einkommen die Lösung?
Für Arbeitnehmer - was wäre sonst die Lösung?

Zur Marktsitution. FRA ist teuer. Der Hauptkunde verschiebt deswegen Volumen weg von FRA. Die LSG schließt ein Werk wegen zu hoher Standortkosten und verlagert weg. Neue Flugzege werden in Zukunft Volumen an den Hubs vorbei leiten. Neue Airlines kommen nur wegen Rabattaktionen.

Ich sags mal so:
Fraport wird mit seiner Kostenstruktur (nicht nur Personal) und Komplexität nie ein echter Billigheimer werden können.
Ein Wettbewerb der sich rein auf den Preis konzentriert muss daher schief gehen.
Schon heute ist ja der Ruf angekratzt. Häßlich, langsam, kompliziert, unfreundlich ...
Mit einer reinen Konzentration auf eine billige Peronalstrategie wie sie hier skizziert wird, wird das wohl eher nicht besser werden.

Sägt man sich nicht mit einer ungünstigen Kostenbasis selbst den Ast ab? Dem Markt ist es völlig egal, ob FRA in einer Hochkostenzone liegt. Der geht dahin, wo es was zu verdienen gibt.

Mit miesem Service und unmotivierten Arbeitnehmern sägt man den eigenen Ast auch hervorragend ab...

Die Aussage des Betriebsrates habe ich so verstanden, dass man generell Wohnunterstützung bieten muss (und schon länger fordert), um Arbeitskräfte in die Region zu locken. Unabhängig woher diese kommen.

Beitrag vom 20.04.2018 - 07:56 Uhr
Usercontrail55
User (1115 Beiträge)
Danke für den Beitrag. Ich habe mit mir gerungen, ob ich etwas dazu sage.

Und damit der Flughafen wettbewerbsfähig bleibt, werden jetzt nicht etwa bessere Löhne gezahlt, ...

Wie ist dieses "wettbewerbsfähig" zu verstehen? Um Arbeitskräfte zu bekommen oder um im Wettbewerb zu bestehen?
Da war letzteres gemeint. Tatsächlich gilt aber beides.
Im Wettbewerb um Arbeitskräfte bildet sich ein Preis dessen Kosten für den Arbeitgeber durch seine Preise gedeckt werden müssen.
Das Leben ist schön :-) Ich erhöhe meine Preis bis die Kosten gedeckt sind. Das spielt der markt nur nicht mit.
Die Arbeitgeber untereinander stehen dann auch wieder im Wettbewerb.

In Deutschland haben wir uns komischerweise aber daran gewöhnt, dass die untersten Lohngruppen, die oft die eigentliche Arbeit leisten, die Speerspitze der Wettbewerbsfähigkeit bilden müssen, während Hilfsfunktionen wie BWL, Marketing, Controlling und Management großzügige Entlohnung benötigen um halbwegs motiviert ihren Job zu erledigen ...
OT - FRAport, oder eben andere Unternehmen, bewegen sich in einem Umfeld und versuchen dort zu bestehen. Sehen Sie denn einen Auftrag das Umfeld zu verändern?

Deswegen stoßen ja vielen die Piloten so sauer auf.
Sie sind produktive Arbeitnehmer, verantworten das eigentliche Produkt der Firma - und sind dann so dreist daran auch gut verdienen zu wollen ...

Kurzer Blick zurück. Als die Mitarbeiter einer großen Airline für bessere Einkommen usw. gestreikt haben hieß es,
[ von interssierter Seite ]
die sägen damit nur den eigenen Ast ab. Jetzt sind höhere Einkommen die Lösung?
Für Arbeitnehmer - was wäre sonst die Lösung?

Zur Marktsitution. FRA ist teuer. Der Hauptkunde verschiebt deswegen Volumen weg von FRA. Die LSG schließt ein Werk wegen zu hoher Standortkosten und verlagert weg. Neue Flugzege werden in Zukunft Volumen an den Hubs vorbei leiten. Neue Airlines kommen nur wegen Rabattaktionen.

Ich sags mal so:
Fraport wird mit seiner Kostenstruktur (nicht nur Personal) und Komplexität nie ein echter Billigheimer werden können.
Das müssen sie ja auch nicht. Sie stehen als Hub mit anderen Hubs im Wettbewerb. 60% ist Umsteigeverkehr und wenn der Zwischenstopp in FRA zu teuer ist steigt man woanders um. Sie sagen ein paar Euro machen nichts. Wenn man zB von Prag nach NYC nimmt, 499,- RT und die Kosten über FRA sind 5€ teurer als über VIE dann bietet man entweder die Strecke über VIE billiger an oder verdient mehr. Wenn man sie für 494,-€ anbietet gewinnt man vielleicht noch ein paar Passagiere mehr von der Konkurenz. Jeder Umsteiger weniger bringt weniger Ertrag. Also einfach Preise erhöhen geht nicht.

Ein Wettbewerb der sich rein auf den Preis konzentriert muss daher schief gehen.
Schon heute ist ja der Ruf angekratzt. Häßlich, langsam, kompliziert, unfreundlich ...
Mit einer reinen Konzentration auf eine billige Peronalstrategie wie sie hier skizziert wird, wird das wohl eher nicht besser werden.
Woraus lesen Sie eine REINE Personalstrategie?

Sägt man sich nicht mit einer ungünstigen Kostenbasis selbst den Ast ab? Dem Markt ist es völlig egal, ob FRA in einer Hochkostenzone liegt. Der geht dahin, wo es was zu verdienen gibt.

Mit miesem Service und unmotivierten Arbeitnehmern sägt man den eigenen Ast auch hervorragend ab...
Was schätzen Sie denn, wieviel Prozent ihre Reise nach dem Umsteigeort in Europa wählen?

Die Aussage des Betriebsrates habe ich so verstanden, dass man generell Wohnunterstützung bieten muss (und schon länger fordert), um Arbeitskräfte in die Region zu locken. Unabhängig woher diese kommen.



Dieser Beitrag wurde am 20.04.2018 08:02 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.04.2018 - 12:11 Uhr
UserEricM
User (1625 Beiträge)
Wie ist dieses "wettbewerbsfähig" zu verstehen? Um Arbeitskräfte zu bekommen oder um im Wettbewerb zu bestehen?
Da war letzteres gemeint. Tatsächlich gilt aber beides.
Im Wettbewerb um Arbeitskräfte bildet sich ein Preis dessen Kosten für den Arbeitgeber durch seine Preise gedeckt werden müssen.
Das Leben ist schön :-) Ich erhöhe meine Preis bis die Kosten gedeckt sind. Das spielt der markt nur nicht mit.
Nicht selektiv lesen :-) Daher schrieb ich ja dass beides gilt.

Die Arbeitgeber untereinander stehen dann auch wieder im Wettbewerb.

In Deutschland haben wir uns komischerweise aber daran gewöhnt, dass die untersten Lohngruppen, die oft die eigentliche Arbeit leisten, die Speerspitze der Wettbewerbsfähigkeit bilden müssen, während Hilfsfunktionen wie BWL, Marketing, Controlling und Management großzügige Entlohnung benötigen um halbwegs motiviert ihren Job zu erledigen ...
OT - FRAport, oder eben andere Unternehmen, bewegen sich in einem Umfeld und versuchen dort zu bestehen. Sehen Sie denn einen Auftrag das Umfeld zu verändern?

So wie die Frage gestellt ist: Ja.
So wie sie vermutlich gemeint ist ( Auftrag an ein konkretes Unternehmen): Nicht unbedingt. Da Fraport jedoch mehrheitlich in der Hand von Land und Stadt ist, wäre eine gewisse Sozialorientierung bei der Personalpolitik zwar nicht zwingend aber durchaus machbar.

Deswegen stoßen ja vielen die Piloten so sauer auf.
Sie sind produktive Arbeitnehmer, verantworten das eigentliche Produkt der Firma - und sind dann so dreist daran auch gut verdienen zu wollen ...

Kurzer Blick zurück. Als die Mitarbeiter einer großen Airline für bessere Einkommen usw. gestreikt haben hieß es,
[ von interssierter Seite ]
die sägen damit nur den eigenen Ast ab. Jetzt sind höhere Einkommen die Lösung?
Für Arbeitnehmer - was wäre sonst die Lösung?

Zur Marktsitution. FRA ist teuer. Der Hauptkunde verschiebt deswegen Volumen weg von FRA. Die LSG schließt ein Werk wegen zu hoher Standortkosten und verlagert weg. Neue Flugzege werden in Zukunft Volumen an den Hubs vorbei leiten. Neue Airlines kommen nur wegen Rabattaktionen.

Ich sags mal so:
Fraport wird mit seiner Kostenstruktur (nicht nur Personal) und Komplexität nie ein echter Billigheimer werden können.
Das müssen sie ja auch nicht. Sie stehen als Hub mit anderen Hubs im Wettbewerb. 60% ist Umsteigeverkehr und wenn der Zwischenstopp in FRA zu teuer ist steigt man woanders um. Sie sagen ein paar Euro machen nichts. Wenn man zB von Prag nach NYC nimmt, 499,- RT und die Kosten über FRA sind 5€ teurer als über VIE dann bietet man entweder die Strecke über VIE billiger an oder verdient mehr. Wenn man sie für 494,-€ anbietet gewinnt man vielleicht noch ein paar Passagiere mehr von der Konkurenz. Jeder Umsteiger weniger bringt weniger Ertrag. Also einfach Preise erhöhen geht nicht.

Da fehlt aber etwas die Logik.
FRA ist ja auch heute angeblich nicht der billigste Hub. Nicht der billigste zu sein hat ihnen in der Vergangenheit ja auch nicht geschadet. Offensichtlich gibt es also noch andere Aspekte als nur den Preis...
FRA hat heute offensichtlich ein Strukturproblem ( 70% des Umsatzes mit seinem Hauptkunden LH classic), der ein gewisses Strukturproblem mit seinem Betriebsmodell (Hub) hat oder angeblich bald bekommt.
Es erscheint mir daher nicht vernünftig, sich immer tiefer in die Billig-Hub-Falle zu verrennen.
Keine Ahnung wie sich Fraport für Umsteiger darstellt, ich steige hier immer nur ein/aus.
Ich kenne aber genug Leute, die mittlerweile aus dem RMG nach Köln oder Düsseldorf fahren um von dort zu fliegen, weil als Passagier Fraport zu nutzen bisweilen einfach nur nervt...

Ein Wettbewerb der sich rein auf den Preis konzentriert muss daher schief gehen.
Schon heute ist ja der Ruf angekratzt. Häßlich, langsam, kompliziert, unfreundlich ...
Mit einer reinen Konzentration auf eine billige Peronalstrategie wie sie hier skizziert wird, wird das wohl eher nicht besser werden.
Woraus lesen Sie eine REINE Personalstrategie?

Naja, Fraport begreift "Wettbewerb" im Sinne ihres Hauptkunden primär als Preiskampf um die billigsten Gebühren und damit um die geringsten Kosten.
Mitarbeiter sind im Bereich Dienstleitung die primären Kostentreiber, daher müssen idealerweise weniger Mitarbeiter weniger verdienen um die Kosten zu senken.
Kostensenkung (weniger und/oder billigere Mitarbeiter) führt im Service-Geschäft aber in den seltensten Fällen zur Service-Verbesserung.

Dieser Beitrag wurde am 21.04.2018 14:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 21.04.2018 - 14:22 Uhr
Userfbwlaie
User (4262 Beiträge)
Arbeiterwohnungen in Arbeitsplatznähe ist doch ein echt alter Hut...und trotzdem noch hoch modern.
Verfügbarer, günstiger Wohnraum ist doch bekanntermassen auch ein Standortvorteil für eine Gemeinde.
Falls das den Arbeitgebern am Flughafen (FRA) nicht bekannt ist, dann leben sie in einer anderen Welt.
(P.S.: Verfügbar und "günstig" gilt für alle Entgeltklassen.)
Beitrag vom 23.04.2018 - 09:26 Uhr
Usercontrail55
User (1115 Beiträge)
Ich lese aus Ihren Beiträgen heraus, dass Sie ein besonderes Verhältnis zur FRAport haben. Das ist auch völlig ok, nur die Begründungen, die Sie parat haben, halten einer näheren Betrachtung nicht Stand.
Im Wettbewerb um Arbeitskräfte bildet sich ein Preis dessen Kosten für den Arbeitgeber durch seine Preise gedeckt werden müssen.
Das Leben ist schön :-) Ich erhöhe meine Preis bis die Kosten gedeckt sind. Das spielt der markt nur nicht mit.
Nicht selektiv lesen :-) Daher schrieb ich ja dass beides gilt.
Das habe ich nicht selektiv gelesen, das ergibt sich so aus Ihrer Argumentation. Wenn Sie sagen, dass FRAport besser bezahlen soll, dann stehen die Gehälter im Vordergrund und der Rest orientiert sich daran.

Die Arbeitgeber untereinander stehen dann auch wieder im Wettbewerb.

In Deutschland haben wir uns komischerweise aber daran gewöhnt, dass die untersten Lohngruppen, die oft die eigentliche Arbeit leisten, die Speerspitze der Wettbewerbsfähigkeit bilden müssen, während Hilfsfunktionen wie BWL, Marketing, Controlling und Management großzügige Entlohnung benötigen um halbwegs motiviert ihren Job zu erledigen ...
OT - FRAport, oder eben andere Unternehmen, bewegen sich in einem Umfeld und versuchen dort zu bestehen. Sehen Sie denn einen Auftrag das Umfeld zu verändern?

So wie die Frage gestellt ist: Ja.
So wie sie vermutlich gemeint ist ( Auftrag an ein konkretes Unternehmen): Nicht unbedingt. Da Fraport jedoch mehrheitlich in der Hand von Land und Stadt ist, wäre eine gewisse Sozialorientierung bei der Personalpolitik zwar nicht zwingend aber durchaus machbar.
OK, akzeptiert. Aber fairerweise muss man dazu sagen, dass genau das ja stattfindet. Auf meine Antwort zu Ihrer Mindestlohnaussage sind Sie leider nicht eingegangen. Grundsätzlich lässt sich sagen, soweit ich das in meinem Umfeld recherchieren konnte, zahlt FRAport besser als die Blaue und Grüne Konkurrenz. Auch der Standort RMG wird berücksichtigt. Für einen Mitarbeiter der FRACare zahlt FP 25.000 - 30.000,-€/Jahr + Jobticket und Altersversorgung (Ausschreibeung FP Seite). Das liegt in B knapp über Mindestlohn, ohne Jobticket oder AV. Die Job-Aktion inportiert oder exportiert nicht, es ist der Gleiche Job zum gleichen Tarif. Man akquiriert eben globaler.
Wir bilden Personal aus für Tätigkeiten am Flughafen. Ich habe mich mal bei den Kunden umgehört und es ist wirklich schwierig das Volumen zu generieren. Die ZUP machen wir jetzt vor Ausbildungsbeginn, da zu viele hierbei bereits scheitern. Das andere Problem ist die, nun ja, Disziplin. Nach ein paar Wochen im Schichtdienst, hier besonders früh, lässt die Bereitschaft zum Frühaufstehen erkennbar nach und die Fluktuation steigt an.

Zur Marktsitution. FRA ist teuer. Der Hauptkunde verschiebt deswegen Volumen weg von FRA. Die LSG schließt ein Werk wegen zu hoher Standortkosten und verlagert weg. Neue Flugzege werden in Zukunft Volumen an den Hubs vorbei leiten. Neue Airlines kommen nur wegen Rabattaktionen.

Ich sags mal so:
Fraport wird mit seiner Kostenstruktur (nicht nur Personal) und Komplexität nie ein echter Billigheimer werden können.
Das müssen sie ja auch nicht. Sie stehen als Hub mit anderen Hubs im Wettbewerb. 60% ist Umsteigeverkehr und wenn der Zwischenstopp in FRA zu teuer ist steigt man woanders um. Sie sagen ein paar Euro machen nichts. Wenn man zB von Prag nach NYC nimmt, 499,- RT und die Kosten über FRA sind 5€ teurer als über VIE dann bietet man entweder die Strecke über VIE billiger an oder verdient mehr. Wenn man sie für 494,-€ anbietet gewinnt man vielleicht noch ein paar Passagiere mehr von der Konkurenz. Jeder Umsteiger weniger bringt weniger Ertrag. Also einfach Preise erhöhen geht nicht.

Da fehlt aber etwas die Logik.
Eigentlich nicht, das sind die Mechanismen, die greifen. Bei genanntem Routing fallen über 300€ Gebühren an. Die Airline bekommt für die 4 Legs noch nicht einmal 200€, da zählt jeder zusätzlich gesparte Euro.
FRA ist ja auch heute angeblich nicht der billigste Hub. Nicht der billigste zu sein hat ihnen in der Vergangenheit ja auch nicht geschadet. Offensichtlich gibt es also noch andere Aspekte als nur den Preis...
Da verkennen Sie die Realitäten. Der deutsche Luftverkehr hinkt hinterher. Die Wachstumsraten europäische Konkurenten liegen vor denen in D, 5,2 zu 8,8% 2017, davoe war es noch weiter auseinander. Welcher Druck auf die Hubs durch Direktverkehr, Kosten und außereuropäische Konkurenten entsteht können Sie heir nachlesen, zB Seite 24/25  http://www.aeroport.fr/uploads/documents/Publication/ACI%20EUROPE%20Synopsis%20-%20The%20Competitive%20Edge%20-%20Airports%20in%20Europe.pdf
Aber ja, es gibt noch mehr Schwierigkeiten für Flughafenbetreiber in D.

FRA hat heute offensichtlich ein Strukturproblem ( 70% des Umsatzes mit seinem Hauptkunden LH classic), der ein gewisses Strukturproblem mit seinem Betriebsmodell (Hub) hat oder angeblich bald bekommt.
Ah, Hub ist out? Was dann? Lokales Catchment ist sehr begrenzt und schon gut versorgt. Wo soll da Wachstum herkommen?
Es erscheint mir daher nicht vernünftig, sich immer tiefer in die Billig-Hub-Falle zu verrennen.
Einziger Weg. Siehe oben. Das Produkt in FRA ist ordentlich und neue Fluganbieter kommen nur über den Preis.
Keine Ahnung wie sich Fraport für Umsteiger darstellt, ich steige hier immer nur ein/aus.
Ich kenne aber genug Leute, die mittlerweile aus dem RMG nach Köln oder Düsseldorf fahren um von dort zu fliegen, weil als Passagier Fraport zu nutzen bisweilen einfach nur nervt...
Ja, jeder kennt jemand, der total crazy Sachen macht. 2 Stunden mit dem Zug nach DUS um FRA zu meiden? War es vielleicht doch eher der Preis der nach CGN/DUS lockt? Ich bin ganz gut in D unterwegs und kann wirklich keinen großen Unterschied feststellen. Ich stehe in FRA, DUS und morgens in TXL regelmäßig in der Schlange. Allerdings ist das alles persönlich eingefärbt, neutraler vielleicht hier
 https://merkurist.de/frankfurt/umfrage-frankfurter-flughafen-bei-nutzern-von-online-portal-beliebt_Yel

oder auch hier

 http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/flughafen-ranking-frankfurt-arbeitet-sich-nach-oben/13311120-2.html

Ein Wettbewerb der sich rein auf den Preis konzentriert muss daher schief gehen.
Machen sie ja nicht. Neue Bahn, neues Terminal, mehr Parkhäuser, neuer VIP Bereich, ...
Schon heute ist ja der Ruf angekratzt. Häßlich, langsam, kompliziert, unfreundlich ...
Mit einer reinen Konzentration auf eine billige Peronalstrategie wie sie hier skizziert wird, wird das wohl eher nicht besser werden.
Woraus lesen Sie eine REINE Personalstrategie?

Naja, Fraport begreift "Wettbewerb" im Sinne ihres Hauptkunden primär als Preiskampf um die billigsten Gebühren und damit um die geringsten Kosten.
So sieht´s aus.
Mitarbeiter sind im Bereich Dienstleitung die primären Kostentreiber, daher müssen idealerweise weniger Mitarbeiter weniger verdienen um die Kosten zu senken.
Idealerweise (für den Anbieter), da stimme ich zu. Aber es beschränkt sich ja nicht nur darauf.
Kostensenkung (weniger und/oder billigere Mitarbeiter) führt im Service-Geschäft aber in den seltensten Fällen zur Service-Verbesserung.
Stimmt. Aber dem Kunden scheint es zu gefallen, siehe oben. Der Markt ist aber Kostengetrieben, siehe oben. Service spielt eine untergeordnete Rolle.

Unterm Strich bleibt, ja gute Vergütung ist anzustreben und im Vergleich auch erkennbar. Aber wenn ich immer weniger wettbewerbsfähig werde verliere ich Umsatz und auch Jobs. Oder wie soll es sonst gehen?

Dieser Beitrag wurde am 23.04.2018 09:35 Uhr bearbeitet.