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Beitrag vom 11.07.2025 - 14:04 Uhr
Usersf260
User (877 Beiträge)
F-35 Auftrag aufstocken und auch deutlich mehr Eurofighter ordern, dann wird das auch etwas mit der Zeitenwende.
Beitrag vom 11.07.2025 - 17:20 Uhr
UserJordanPensionär
Pensionär
User (3990 Beiträge)
F-35 Auftrag aufstocken und auch deutlich mehr Eurofighter ordern, dann wird das auch etwas mit der Zeitenwende.

Die Zeitenwende bezog und bezieht sich nicht ausschließlich auf das militärische. Hoffentlich!
Beitrag vom 11.07.2025 - 18:51 Uhr
Usermuckster
User (563 Beiträge)
@Jordan Pensionär
Die Zeitenwende bezog und bezieht sich nicht ausschließlich auf das militärische. Hoffentlich!

Worauf sollte sie sich Ihrer Meinung nach sonst beziehen? Der Begriff wird allgemein mit der Rede des Bundeskanzlers Scholz am 27.02.22 verbunden, also mit einer Regierungserklärung darüber, dass wir nun aufrüsten müssten.

Scholz sagte damals viel Richtiges, obwohl er nicht die Macht (und vielleicht den Willen) hatte, es zu verteidigen gegen seinen übermächtigen Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich, einen dogmatischen Pazifisten, und die Russland-Claqueure in der SPD wie Ralf Stegner.

Über dreißig Jahre haben wir unsere Friedensdividende genossen. Wir haben die Warnungen unserer östlichen Nachbarn in den Wind geschlagen, die völlig korrekt das Wiedererwachen des russischen Imperialismus vorhersahen.

Wir haben die Bitten, Wünsche, Drohungen aller US-Präsidenten von Clinton bis Trump ignoriert, doch mehr in unsere Verteidigung zu investieren und nicht auf Kosten des US-Steuerzahlers unsere Sicherheit zu genießen.

Und jetzt müssen wir es eben ausbügeln.

Gesetzt dem Fall, dass Sie nicht wollen, dass noch andere Orte in Europa enden wie Butscha, Irpin, Mariupol, Bachmut, und wie sie alle heißen.

Wir müssten heute keine dreistelligen Milliardenbeträge in die Bundeswehr stecken, wenn wir in all den Jahren nur etwas mehr als das absolut Nötige investiert hätten. Tja. Wie sagt doch der Kaufmann? Wer billig kauft, kauft zweimal. Hätte man wissen können.

Aber der deutsche Michel gefiel sich halt in der Vorstellung, dass an seinem Wesen mal wieder die Welt genesen würde. Und was wussten schon die Polen, diese Nationalisten und Revanchisten? Was wussten die korrupten Ukrainer? Was wussten diese seltsamen Hobbits aus dem Baltikum? Der Wladimir war doch ein ganz Lieber, er verkaufte uns billig Gas, sprach sogar tolles Deutsch, und wenn er mal einen Dissidenten ermorden ließ, meine Güte, das kommt in den besten Familien vor …

Wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten.

Dieser Beitrag wurde am 11.07.2025 18:53 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 12.07.2025 - 12:20 Uhr
Userdaniel1138
User (527 Beiträge)
In Anbetracht der Tatsache, dass jeder einzelne Einsatz einer F-35 von der Zustimmung und Unterstützung der USA abhängig sind (Stichwort Link 16 Datenkommunikation), und die amerikanische Administration aktuell kein verlässlicher Partner sind, würde ich mir eher überlegen vom aktuellen Kaufvertrag zurückzutreten, als diesen auch noch aufzustocken.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: der Nato-Partner USA besetzt das zum Nato-Partner Dänemark gehörende Grönland. Mit einem diesbezüglichen Militäreinsatz hat Trump schon mehrfach kokettiert. Dänemarkt möchte nun seine F-35 gegen den Agressor einsetzen, benötigt aber dessen Unterstützung und Freigabe dafür, sonst bleibt die F-35 nämlich am Boden.

Und im dann eingetretenen Bündnisfall trifft das auch für alle F-35 der anderen Bündnispartner ebenso zu.
Beitrag vom 12.07.2025 - 12:24 Uhr
Usersf260
User (877 Beiträge)
Das Problem ist; Es gibt zur F-35 keine europäische Alternative.
Beitrag vom 12.07.2025 - 12:36 Uhr
Userdaniel1138
User (527 Beiträge)
Das Problem ist; Es gibt zur F-35 keine europäische Alternative.

Naja, ich habe lieber einen Typhoon in der Luft als zehn F-35 am Boden. Was bringt einem die überragende Konnektivität der F-35, wenn diese vom Wohlwollen einer anderen Nation abhängig ist? Ohne diese Konnektivität verliert die F-35 alle entscheidenden Vorteile gegenüber einem Flugzeug der 4. oder 4.5 Generation.

Dieser Beitrag wurde am 12.07.2025 13:14 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 12.07.2025 - 17:57 Uhr
Usermuckster
User (563 Beiträge)
@daniel1138

In Anbetracht der Tatsache, dass jeder einzelne Einsatz einer F-35 von der Zustimmung und Unterstützung der USA abhängig sind (Stichwort Link 16 Datenkommunikation) […]

Zunächst einmal: Link 16 ist der Standard-Datenlink der NATO und kommt auf allen Kampfschiffen unserer Marine, allen gegenwärtigen und künftigen Kampfflugzeugen unserer Luftwaffe, fast allen Hubschraubern, bei den Flugabwehrsystemen Patriot und Arrow, sowie in einem Großteil der digitalen Infrastruktur des Cyber- und Informationsraums zum Einsatz.

Mit anderen Worten: Die F-35 bedeutet in dieser Hinsicht keine Veränderung.

Zweitens: Es gibt keinen "Kill switch" der F-35, weder im konkreten noch im ideellen Sinne. Was es gibt, ist das Autonomic Logistics Information System des Flugzeugs, das im Betrieb in der Tat eine stetige Datenverbindung zum Hersteller erfordert und für die Einsatzplanung und Ersatzteilbevorratung der F-35 wichtig ist. Aber: Das Flugzeug kann aus Redundanzgründen auch ohne ALIS betrieben werden, was "nur" vertragswidrig wäre.

Das einzige, was die USA tun könnten, wäre, uns von der Ersatzteilversorgung abzuschneiden. Dann wären die Maschinen, je nach Materialbevorratung, irgendwann nicht mehr einsetzbar. Aber: Dieses Risiko besteht bereits jetzt bei allen Waffensystemen, die der amerikanischen ITAR-Gesetzgebung unterliegen.

[…] und die amerikanische Administration aktuell kein verlässlicher Partner sind, würde ich mir eher überlegen vom aktuellen Kaufvertrag zurückzutreten, als diesen auch noch aufzustocken.

Bei aller berechtigten Kritik an dieser US-Regierung und dem grenzdebilen Clown an ihrer Spitze … Selbst wenn es einen "Kill switch" gäbe, könnten die USA diese Option genau ein einziges Mal nutzen. Denn danach kauft niemand auf der Welt mehr US-Rüstungsgüter, was zumindest Boeing, Lockheed Martin und RTX in den Abgrund reißen würde.

Und aus ebendiesem Grund werden die USA nichts dergleichen tun, solange sie nicht in einen offenen Krieg gegen andere Nutzer der F-35 eintreten. Was äußerst unwahrscheinlich ist.

@Sf260 & @daniel1138
Das Problem ist; Es gibt zur F-35 keine europäische Alternative.

Naja, ich habe lieber einen Typhoon in der Luft als zehn F-35 am Boden. Was bringt einem die überragende Konnektivität der F-35, wenn diese vom Wohlwollen einer anderen Nation abhängig ist?

Wir brauchen die F-35 aus genau einem Grund: nukleare Teilhabe. Solange das Two-Keys-Agreement mit den USA gilt, hat Deutschland ein Mitspracherecht bei der US- und NATO-Nuklearstrategie. Was Deutschland nicht nur aufwertet, sondern vor allem auch verhindert, dass taktische Atomwaffen auf oder in der Nähe des Bundesgebietes eingesetzt werden, was nach wie vor als Ultima Ratio zu den Operationsplänen der NATO gehört.

Indirekt ermöglicht uns die F-35 außerdem, Doktrinen weiterzuentwickeln und ein besseres Verständnis davon zu bekommen, wozu FCAS (bzw. NGF) einmal dienen soll.

Die Typhoon ist dennoch das beste Jagdflugzeug der Generation 4+. Sie kann sich gegen die meisten Bedrohungen durchsetzen, insbesondere gegen die meisten realistischen Bedrohungen. Die späteren Tranchen sind auch effektive Jagdbomber, vorausgesetzt, man nimmt endlich Geld in die Hand und integriert bzw. beschafft die nötigen Waffen.

Die Zeit, da Kampfflugzeuge unterhalb der fünften Generation irrelevant werden, ist noch nicht angebrochen. Das gilt umso mehr für den deutschen Kontext, da wir unsere Luftwaffe niemals mehr in einem Angriffskrieg und nur im Schutz des IAMD der NATO einsetzen werden.

Dieser Beitrag wurde am 12.07.2025 17:58 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 13.07.2025 - 09:25 Uhr
UserJordanPensionär
Pensionär
User (3990 Beiträge)
@Jordan Pensionär
Die Zeitenwende bezog und bezieht sich nicht ausschließlich auf das militärische. Hoffentlich!

Worauf sollte sie sich Ihrer Meinung nach sonst beziehen? Der Begriff wird allgemein mit der Rede des Bundeskanzlers Scholz am 27.02.22 verbunden, also mit einer Regierungserklärung darüber, dass wir nun aufrüsten müssten.

Bei der genannten Rede von Herrn Scholz: ja.

Scholz sagte damals viel Richtiges, obwohl er nicht die Macht (und vielleicht den Willen) hatte, es zu verteidigen gegen seinen übermächtigen Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich, einen dogmatischen Pazifisten, und die Russland-Claqueure in der SPD wie Ralf Stegner.

Mittlerweile ist es auch in unseren höchsten Regierungskreisen angekommen, dass es in 'diesem, unseren Lande', an allen Ecke klemmt. Deshalb wurde auch das neue Schuldenpaket von 500 Milliarden auf den Weg gebracht. Darauf bezog sich meine Aussage - vielleicht nicht ganz klar ausgedrückt. Sorry!

Über dreißig Jahre haben wir unsere Friedensdividende genossen. Wir haben die Warnungen unserer östlichen Nachbarn in den Wind geschlagen, die völlig korrekt das Wiedererwachen des russischen Imperialismus vorhersahen.

Wir haben die Bitten, Wünsche, Drohungen aller US-Präsidenten von Clinton bis Trump ignoriert, doch mehr in unsere Verteidigung zu investieren und nicht auf Kosten des US-Steuerzahlers unsere Sicherheit zu genießen.

Und jetzt müssen wir es eben ausbügeln.

Gesetzt dem Fall, dass Sie nicht wollen, dass noch andere Orte in Europa enden wie Butscha, Irpin, Mariupol, Bachmut, und wie sie alle heißen.

Wir müssten heute keine dreistelligen Milliardenbeträge in die Bundeswehr stecken, wenn wir in all den Jahren nur etwas mehr als das absolut Nötige investiert hätten. Tja. Wie sagt doch der Kaufmann? Wer billig kauft, kauft zweimal. Hätte man wissen können.

Aber der deutsche Michel gefiel sich halt in der Vorstellung, dass an seinem Wesen mal wieder die Welt genesen würde. Und was wussten schon die Polen, diese Nationalisten und Revanchisten? Was wussten die korrupten Ukrainer? Was wussten diese seltsamen Hobbits aus dem Baltikum? Der Wladimir war doch ein ganz Lieber, er verkaufte uns billig Gas, sprach sogar tolles Deutsch, und wenn er mal einen Dissidenten ermorden ließ, meine Güte, das kommt in den besten Familien vor …

Wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten.
Beitrag vom 13.07.2025 - 19:03 Uhr
Usermuckster
User (563 Beiträge)
Dann habe ich Ihnen Unrecht getan und bitte um Entschuldigung.
Beitrag vom 15.07.2025 - 19:16 Uhr
UserGB
User (928 Beiträge)
Die Zeit, da Kampfflugzeuge unterhalb der fünften Generation irrelevant werden, ist noch nicht angebrochen.

Dann sind das, was da in Kiew vom Himmel fällt, wohl auch nur irrelevante Materiekonglomerate.

Grosskampfgeräte sind für europäische Staaten weitgehend sinnlos geworden, wie man sieht wird ja nicht einmal der Iran durch deren massiven Einsatz dauerhaft ausgenockt. In europäischen Grenzkonflikten dominieren bereits jetzt Drohnen. Im Ukraine-Krieg hört und liest man nichts von Luftkämpfen, sehr wohl aber von Abschuss russischer Hight-Tech-Flugzeuge. Durch bodengestützte Technik, nicht durch die vielbeschworenen Luftkampffähigkeiten.

Wozu also Geld für Prestigeflieger verplempern, wenn billige Drohen die Grenzen weit effektiver schützen können?


Der Hinweis auf atomare Teilhabe ist lächerlich. Hatte Deutschland noch nie und wird es auch nie haben, allenfalls als Transportesel mit Risikoübernahme. Selbst Frankreich offeriert sie nicht mal gegen Cash, und die US-Strategie beruht seit jeher auf dem Einsatz beschränkter nuklearer Explosionen auf hiesigem Territorium und eben genau nicht auf der Abschreckung durch möglichen Ferneinsatz weit hinter der Front.

Was da also High-Tech-Flieger bringen sollten, das können noch nicht einmal die Verantwortlichen stichhaltig belegen. In einer Zeit, in der selbst Wüstenvölker einfach so mal Aufklärer vom Himmel holen sollte man nicht mit Fähigkeiten protzen, die bei Licht betrachtet für hiesige Verhältnisse überhaupt nichts wert sind.

Heutzutage sind Hinterhof-Startups wie Helsing (es noch vorgestern war) bereits weit wichtiger als etablierte Luftfahrtschmieden wie Lockheed, Northrop, Textron etc. - jedenfalls für Deutschland und Europa.

Für derartige sündhaft teure eierlegende Wollmilchsäue fliegerischer Art gilt frei nach Schäuble "s'isch over".





Beitrag vom 15.07.2025 - 21:52 Uhr
UserWeideblitz
Moderator
Das Problem ist; Es gibt zur F-35 keine europäische Alternative.

Naja, ich habe lieber einen Typhoon in der Luft als zehn F-35 am Boden. Was bringt einem die überragende Konnektivität der F-35, wenn diese vom Wohlwollen einer anderen Nation abhängig ist? Ohne diese Konnektivität verliert die F-35 alle entscheidenden Vorteile gegenüber einem Flugzeug der 4. oder 4.5 Generation.

Den F-35 benötigt man wegen der nuklearen Teilhabe. Wenn man den Eurofighter dafür umbauen wollte, müsste man sensible technische Informationen zum EF mit den Amerikaner teilen, was sowohl Industrie und Politik nicht wollen. Also kauft man den F-35.
Beitrag vom 16.07.2025 - 00:37 Uhr
User-wolf-
User (411 Beiträge)
Pistorius will auch eigene Typhon Systeme für die BW haben. Über die vereinbarte Stationierung der US Systeme in DE hinaus. Das wäre ein weiteres US System bestückt mit SM-6 und Tomahawk.
Beitrag vom 16.07.2025 - 19:57 Uhr
Usermuckster
User (563 Beiträge)
@GB

Dann sind das, was da in Kiew vom Himmel fällt, wohl auch nur irrelevante Materiekonglomerate.

In Kyjiw fällt gar nichts vom Himmel.

Grosskampfgeräte sind für europäische Staaten weitgehend sinnlos geworden,

In Expertenkreisen wird diese Meinung nicht geteilt.

wie man sieht wird ja nicht einmal der Iran durch deren massiven Einsatz dauerhaft ausgenockt.

Ein absolut unsinniger und unzulässiger Vergleich.

Ein Staat von der Größe und dem Militarisierungsgrad des Iran kann nicht durch einen äußerst begrenzten Luftkrieg von kaum zwei Wochen Länge "dauerhaft ausgenockt" werden. Weder durch bemannte Flugzeuge noch durch Drohnen. Das war auch nicht das Ziel der israelischen Angriffe.

Damit der Iran "dauerhaft ausgenockt" ist, müsste man das Land entweder mit massiven Kräften angreifen und besetzen, oder zumindest einen Regierungswechsel erzwingen, der dazu führt, dass das Land freiwillig einen weniger aggressiven Kurs verfolgt.

In europäischen Grenzkonflikten dominieren bereits jetzt Drohnen. Im Ukraine-Krieg hört und liest man nichts von Luftkämpfen, sehr wohl aber von Abschuss russischer Hight-Tech-Flugzeuge. Durch bodengestützte Technik, nicht durch die vielbeschworenen Luftkampffähigkeiten.

Nein, das tun sie nicht.

Es hat durchaus Luftkämpfe gegeben; erst Anfang Juni wurde eine russische Su-35 von einer F-16 abgeschossen—während im gesamten Kriegsverlauf genau ein Flugzeug von einer Drohne abgeschossen wurde; aber davon abgesehen, wäre es fahrlässig und unlogisch, aus diesem Krieg, der unter sehr speziellen Bedingungen geführt wird, allgemeingültige Lehren ableiten und induktiv auf die Zukunft schließen zu wollen.

In der Ukraine tobt ein stationärer Abnutzungskrieg in einem insgesamt etwa 60 km breiten Streifen entlang einer 1.000 km langen Frontlinie. sUAS (Drohnen mit geringer Reichweite und Nutzlasten unter 5 kg) spielen deshalb eine große Rolle, weil beide Seiten infolge ihres Material- und Personalmangels nicht länger zum Bewegungskrieg fähig, und ihre immobilen Kräfte in diesem an Zielen übersättigten Gebiet angreifbar sind.

Ihre Situation ist dabei nicht nur eine Folge ihrer Verluste, sondern auch von künstlichen Einschränkungen (die Ukrainer bekommen nicht das Material aus dem Westen, das sie benötigen würden; die Russen vermeiden aus politischen Gründen die allgemeine Mobilmachung).

Betrachtet man den Krieg kühl-akademisch als Experiment, um eine Antwort auf die hier aufgeworfene Fragestellung zu finden, lässt sich konstatieren: Das Experiment genügt bereits den Grundanforderungen an Objektivität und Reproduzierbarkeit nicht.

Wenn Sie Drohnen als dominierend "bezeichnen", ist das selbst für diesen Krieg nur bedingt wahr, und eine vezerrte Wahrnehmung, die von der Propaganda beider Seiten gezielt hervorgerufen wird. Die Medien, die zum Thema Drohnen schon immer nur dystopische Panikmache zu bieten hatten, erledigen den Rest.

Ich empfehle Erfahrungsberichte von der Front, z.B. diesen:  https://warontherocks.com/2025/06/i-fought-in-ukraine-and-heres-why-fpv-drones-kind-of-suck/

Man beachte den Titel.

Die Kurzfassung: Drohnen sind nicht effektiver als etablierte Waffensysteme, sind nicht leichter in Ausbildung und Handhabung, und haben eine extrem hohe Fehler- und Absturzrate, die in der medialen Wahrnehmung komplett ignoriert wird.

Schon nach dem Bergkarabach-Krieg 2020 wurde das Zeitalter der Drohne ausgerufen, ebenfalls unter Verkennung der Begebenheiten vor Ort. Selbst manche Experten verkündeten damals, der Kampfpanzer und das Jagdflugzeug seien tot.

Keine drei Jahre später wurden diese Prophezeiungen ad absurdum geführt. Kampfpanzer sind nach wie vor das Hauptwaffensystem der Landstreitkräfte; und die Ukraine hat nicht ohne Grund geradezu darum gebettelt, F-16 und Mirage 2000 geliefert zu bekommen.

Drohnen sind indessen auch sehr einfach abzuwehren; der Clou besteht bloß darin, es *kosteneffektiv* zu tun, woran noch gearbeitet werden muss. Spätestens wenn die Landstreitkräfte über eine organische Drohnenabwehr verfügen, werden Drohnen einfach nur ein weiteres Wirkmittel im Arsenal sein.

Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die etablierten "Grosskampfgeräte" bis zur Jahrhundertmitte ihre dominante Rolle einbüßen werden, und kein Militärexperte behauptet etwas anderes. Die einzigen Akteure, die das tun, sind Leute wie Elon Musk, Peter Thiel und Co. die ein wirtschaftliches Interesse daran haben.

Wozu also Geld für Prestigeflieger verplempern, wenn billige Drohen die Grenzen weit effektiver schützen können?

Können sie nicht. Es hat seinen Grund, dass Finnland, das Baltikum und Polen ihre Grenzen mit Minen und Panzersperren statt mit Drohnen zu sichern begonnen haben.

Die berüchtigten "Drohnenschwärme" sind bereits logistisch nicht umsetzbar.

Ferner gibt es keine Drohne, die gepanzerte Gefechtsfahrzeuge, Kampfflugzeuge oder gar Lenkflugkörper und ballistische Raketen mit höherer Effektivität vernichten könnte als die etablierten Wirkmittel.

Der Hinweis auf atomare Teilhabe ist lächerlich. Hatte Deutschland noch nie und wird es auch nie haben, allenfalls als Transportesel mit Risikoübernahme. Selbst Frankreich offeriert sie nicht mal gegen Cash, und die US-Strategie beruht seit jeher auf dem Einsatz beschränkter nuklearer Explosionen auf hiesigem Territorium und eben genau nicht auf der Abschreckung durch möglichen Ferneinsatz weit hinter der Front.

Das können Sie gerne für lächerlich halten, ist aber die offizielle Begründung. Darüber hinaus ist Ihre Darstellung irreführend bis falsch. Frankreich z.B. hatte unter Nicholas Sarkozy Deutschland die nukleare Teilhabe angeboten, das wurde von Angela Merkel abgelehnt. Kein Wunder, dass eine innenpolitisch bedrängte Regierung in Paris das Angebot nicht zu den gleichen Konditionen nochmals unterbreitet. Auch was Sie über Sinn und Einsatzzweck taktischer Nuklearwaffen schreiben, entspricht nicht den Tatsachen.

Was da also High-Tech-Flieger bringen sollten, das können noch nicht einmal die Verantwortlichen stichhaltig belegen.

Doch, können Sie. Sie sind lediglich anderer Meinung. Und übrigens nicht nur anderer Meinung als die Verantwortlichen der deutschen Luftwaffe, sondern auch der Luftwaffen so ziemlich jedes anderen Landes auf der Welt. Inklusive der Luftwaffe des Iran, die Su-57 von Russland kaufen möchte, obwohl sie darauf nach Ihrer Darstellung gut verzichten könnte.

Ich will nicht so weit gehen zu behaupten, dass die Mehrheit automatisch Recht habe; aber es sollte einem zumindest zu denken geben, wenn man eine Mehrheit gegen sich hat.

In einer Zeit, in der selbst Wüstenvölker einfach so mal Aufklärer vom Himmel holen sollte man nicht mit Fähigkeiten protzen, die bei Licht betrachtet für hiesige Verhältnisse überhaupt nichts wert sind.

"Wüstenvolker". Was für eine infantile Ausdruckweise. Na und, da haben die Iraner halt mit einem Tor-Flugabwehrsystem eine Heron-Drohne abgeschossen.

Und was folgt nun daraus? Militärische Konflikte sind ohne Material- und Personalverluste nicht zu führen.

Heutzutage sind Hinterhof-Startups wie Helsing (es noch vorgestern war) bereits weit wichtiger als etablierte Luftfahrtschmieden wie Lockheed, Northrop, Textron etc. - jedenfalls für Deutschland und Europa.

Steile These. Warum bewerten die Börsen dann Helsing nicht höher als Airbus, Saab, Hensoldt, Thales, und all die anderen Konzerne, die tatsächlich für Deutschland und Europa am wichtigsten sind, was Verteidigung anlangt? Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen: Sie sind schlichtweg einem medialen Hype auf den Leim gegangen.


Dieser Beitrag wurde am 16.07.2025 20:02 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 17.07.2025 - 09:45 Uhr
UserGB
User (928 Beiträge)
@muckster
In Kiew gab oder gibt es also keine russischen Luftangriffe, so dass dort nix vom Himmel fiel?
Seit wann sind denn offizielle Begründungen auch immer die zutreffenden?
Am welcher Börse wird denn Helsing bewertet?
Und das mit Sarkozy sollten Sie auch nochmals genauer nachlesen.

Nichts gegen lebhaften Widerspruch, aber er sollte, wo es nicht um persönliche Überzeugung oder Ansichten geht, doch besser auf Fakten statt Interpretationen beruhen.

Was nun das eigentliche Kernthema angeht, welches Sie wie folgt zusammenfassen

Die Kurzfassung: Drohnen sind nicht effektiver als etablierte Waffensysteme, sind nicht leichter
in Ausbildung und Handhabung, und haben eine extrem hohe Fehler- und Absturzrate, die in der
medialen Wahrnehmung komplett ignoriert wird.

- ist die Frage der Effektivität nur die der Messmethode - mit Grossexplosionen lassen sich pro Schlag sicher mehr Menschen umbringen als mit kleinen Drohnen, aber die Kosten sind dafür unvergleichlich höher

- ist die Ausbildung von Drohnenpiloten lange nicht so aufwändig wie z.B. die eines Panzerfahrers, Leitoffiziers oder Piloten

- ist die hohe Verlustquote bei Drohnen im Gegensatz zu Grossgerät gewollter Teil des Konzepts

Ich will hier auch keine tiefere Diskussion über Wirtschaftlichkeitsfragen bei Kriegen anfangen, aber obiges sollte doch wenigstens zum Nachdenken anregen.

Tatsächlich ist es so, dass die effektive Flugabwehr der Ukrainer die russische Luftwaffe zur Vorsicht zwingt und die intensive Drohnenangriffe den weiteren russischen Vormarsch am Boden verhinderte ode stark erschwerte. Mittlerweile hat Russland reagiert und setzt selbst intensiv Drohnen ein. Aber die fallen Ihrer Meinung nach ja nicht vom Himmel.

Die Su-35 wurde m.W. auf der russischen Seite der Front abgeschossen, also quasi im eigenen Beritt, was man nun wirklich schwer als Bestätigung eines erfolgreichen Einsatzes von Grossgerät werten kann.



Beitrag vom 24.07.2025 - 17:13 Uhr
Userside|winder
User (69 Beiträge)
Was der F35 schmerzlich fehlt ist eine dezidierte SEAD Version denn so hätte die Bundeswehr auch ohne Atomkrieg eine sinnvolle Verwendung für dieses Flugzeug denn Jagdbomber und Airpolicing kann der Eurofighter wesentlich besser.

Auch hat dieses Flugzeug noch unglaubliches Potential welches unbedingt durch konsequente Weiterentwicklung evtl. sogar in Richtung eines Typhoon II gehoben werden sollte anstelle zu versuchen aus dem Multitalent Eurofighter einen (SEAD) Spezialisten zu machen und aus dem Spezialisten F35 ein Multitalent.
Der Versuch aus der F35 ein Multitalent zu machen ist schließlich auch der historische Grund für die krassen Kosten und vergleichsweise moderaten Resultate des F35 Programms.

Als modernes Multitalent käme der Eurofighter auch wesentlich einfacher auf Stückzahlen als durch irgendwelche halbgaren Spezialversionen.


Ob die F35 einen Killswitch hat bzw. ob die Exportmaschinen dieselbe Ausstattung haben wie die US Maschinen wird man im Fall der Fälle dann sehen. Dass diverse Bundeswehr Larrys und die Tagesschau das dementieren gibt auf jeden Fall allen Grund zur Sorge wie auch die Tatsache dass dieses Flugzeug während des War on Terror unter entsprechend paranoiden Weltbildern entwickelt wurde.



(die Einwände von GB sind lächerlich)
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