Führungswechsel
Älter als 7 Tage

Christoph Franz wird neuer Lufthansa-Chef

Christoph Franz
Christoph Franz, © Lufthansa AG

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HAMBURG / FRANKFURT - Souveräner Führungswechsel bei der Lufthansa: Europas größte Fluggesellschaft wird künftig wie geplant von Christoph Franz geleitet. Der bisherige Lufthansa-Vize und Sanierer der Schweizer Fluggesellschaft Swiss wurde am Mittwoch in Hamburg vom Aufsichtsrat des Unternehmens zum Nachfolger von Wolfgang Mayrhuber (63) gewählt, den er zum Jahreswechsel beerben soll. Das teilte das Unternehmen in Frankfurt mit.

Neu in den vierköpfigen Vorstand des Lufthansa-Konzerns wurde zudem der bisherige Chef der Frachttochter Lufthansa Cargo, Carsten Spohr, berufen. Der 43-Jährige soll ebenfalls zum 1. Januar von Franz die Verantwortung für den zentralen und zuletzt defizitären Geschäftsbereich der Passagierflüge übernehmen. Spohr gilt als Kronprinz hinter dem neuen Chef Franz. Nachfolger bei Cargo soll Karl Ulrich Garnadt werden, bestimmte der Aufsichtsrat.

Mit den Entscheidungen setzt die zuletzt über Zukäufe stark gewachsene Lufthansa auf langjährige personelle Kontinuität im harten Wettbewerb mit Billigfliegern und finanzstarken Herausforderern auf dem Weltmarkt. Aufsichtsratschef Jürgen Weber dankte dem scheidenden Mayrhuber. Er habe das Bündnis Star Alliance erweitert, neue Märkte erschlossen und den aktuellen Verbund aus mehreren Airlines geschaffen. Diverse Krisen habe das Unternehmen unter seiner Führung ohne große personelle Einschnitte erfolgreich bewältigt.

Mayrhuber wird nach sieben Jahren an der Unternehmensspitze vorerst nicht in den Aufsichtsrat wechseln. Ein direkter Wechsel hätte gegen die Vorschriften zur guten Unternehmensführung verstoßen, die einen zu großen Einfluss der früheren Spitzenmanager auf das Kontrollgremium verhindern sollen. Eine Ausnahme ist nur zulässig, wenn mindestens 25 Prozent des Kapitals für eine Berufung stimmen. Eine solcher Antrag ist bislang nicht erfolgt. Die nächste Hauptversammlung findet am 3. Mai in Berlin statt.

Der Vertrag des neuen Vorstandschefs Franz läuft bis zum 31. Mai 2014. Das sei die aktienrechtlich höchstmögliche Restlaufzeit, teilte die Lufthansa mit. Franz bekannte sich in einer Mitteilung zum Grundsatz der Qualität mit höchster Sicherheit, exzellentem Service und bester Netzqualität. Das Unternehmen werde weiterhin profitabel wachsen.

Der 50-Jährige hat sich als Sanierer der Lufthansa-Tochter Swiss einen Namen gemacht. Das Unternehmen ist derzeit die profitabelste Airline im Lufthansa-Konzern, der in den vergangenen Jahren durch Zukäufe unter anderem in Großbritannien und Österreich stark gewachsen ist.

Im Unternehmensvorstand ist der frühere Bahn-Manager, der bei der Lufthansa angefangen hatte, seit Juni 2009. Er vertrat gegenüber den Mitarbeitern das ambitionierte Sparprogramm "Climb 2011", mit dem die Kosten bis zum kommenden Jahr um eine Milliarde Euro gesenkt werden sollen. Bei der Bahn war er über die nicht erfolgreiche Einführung eines Preissystems nach Lufthansa-Vorbild gestolpert.

Zusätzlich zu den Personalien befasste sich das Kontrollgremium mit dem Ankauf neuer Flugzeuge zum Listenpreis von 3,5 Milliarden Euro. Dabei soll vor allem der europäische Hersteller Airbus zum Zug kommen, der 40 neue Jets liefert. Außerdem bestellt Lufthansa acht brasilianische Embraer-Maschinen.

Porträt: Der neue Lufthansa-Chef Christoph Franz

Über einen steinigen Umweg bei der Bahn ist Christoph Franz an die Spitze der Deutschen Lufthansa AG gelangt. 1990 hatte der in Darmstadt promovierte Wirtschaftsingenieur seine Karriere beim Luftfahrtkonzern begonnen und sich schnell im Sanierungsteam unter seinem Vorgänger Wolfgang Mayrhuber profiliert. Dem damaligen Lufthansa-Chef und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Weber war Franz ebenfalls aufgefallen.

Trotz glänzender Karriereaussichten verließ Franz 1994 den Kranich für ein Himmelfahrtskommando bei der damals noch jungen Deutschen Bahn AG. Für das gescheiterte neue Preissystem nach Lufthansa-Vorbild musste er als Vorstand für den Personenverkehr den Hut nehmen und ging zur taumelnden Luftfahrtgesellschaft Swiss. Die Sanierung der Alpen-Airline, die 2005 von der Lufthansa übernommen wurde, war das Signal, das Franz auch bei der Konzernmutter für höhere Aufgaben geeignet sein könnte.

Seit Juni 2009 ist der oftmals als kühl und rational beschriebene Franz als stellvertretender Vorstandschef im engsten Führungszirkel von Europas größter Luftverkehrsgesellschaft. Gleichzeitig verantwortet er den größten und längst nicht mehr profitabelsten Geschäftsbereich Passage.

Schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt propagierte er das anspruchsvolle Sparprogramm «Climb 2011», das ihm viel Ärger mit den Tarifparteien und stolzen Lufthanseaten einbrachte. Als es nach überstandener Krise wieder aufwärtsging, hielt er dennoch an den Einsparungen von einer Milliarde Euro fest, die bis zum kommenden Jahr voll umgesetzt sein sollen. In der Tarifauseinandersetzung mit den Piloten zeigten seine Leute Härte und ließen es unter anderem auf einen Prozess beim Arbeitsgericht ankommen.

Der 50-Jährige gilt selbst als sparsam, so soll er als Bahnvorstand häufig die S-Bahn genommen haben, um zu Terminen zu gelangen. Vor ihm und seinem Unternehmen liegt eine Wegstrecke mit Turbulenzen und harter Konkurrenz zum Beispiel durch die Billigfluglinien und die staatlich subventionierten Carrier aus der Golfregion. Privat ist Franz mit einer Französin verheiratet und hat fünf Kinder.

© dpa | Abb.: Lufthansa | 22.09.2010 17:31

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Beitrag vom 23.09.2010 - 13:00 Uhr
Ich glaube du hast die Ironie in meinem Beitrag falsch interpretiert. Aber das ist nicht so schlimm.
Beitrag vom 23.09.2010 - 07:19 Uhr
Bestimmt! Und außerdem fressen die kleine Kinder!
Beitrag vom 22.09.2010 - 19:27 Uhr
Ich sag nur 8% Marge. Selbst im Rekordjahr 2007 warens gerade mal 6% und 2008 nicht mal mehr 5%. Aber Herr Franz und Gespann passen bestimmt erst mal ihr eigenes Salair an um die 3% wett zu machen.


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